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Abwicklung von Nachlass bei einem im Ausland lebenden Erben einer Erbengemeinschaft

| 13.04.2016 06:54 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Karlheinz Roth


Hallo,


folgende Situation: Mutter in Deutschland ist verstorben und hinterlässt eine Immobilie an drei Kinder. Eines der Kinder lebt im Ausland. Es gibt kein Testament und es gibt keinen Grundbuchauszug, das Objekt ist schuldenfrei.


Zur Familiensituation: Die Ehe der Mutter wurde geschieden. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, das dritte Kind wurde unehelich einige Jahre nach der Scheidung geboren.


Zur Immobilie: Das Objekt wurde mit älterem Hausbestand während der Ehe erworben. Soweit bekannt wurde die Verstorbene nach ihrer Scheidung als alleinige Eigentümerin im Grundbuch geführt. Der Vater (seit etlichen Jahren verstorben) hatte seinerzeit auf alle Eigentumsrechte verzichtet. Die Immobilie wurde einige Jahre nach der Scheidung mit einem Neubau/Haupthaus aufgewertet.


Fragen:
Können die beiden in Deutschland lebenden Erben den Nachlass eigenmächtig im Alleingang abwickeln wie z.B. Einstellung eines Haussitters zur Objektüberwachung (vergütet werden soll dieser durch die Erbmasse), Hausräumung, Kontenabwicklung, Verkauf der Immobilie, Verteilung des Verkaufserlöses etc?


Benötigt der im Ausland lebende Erbberechtigte in jedem Fall einen rechtlichen Vertreter (z.B. Notar?) in Deutschland?


Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es auch ein nichteheliches Kind gibt und dem Zeitpunkt der Wertsteigerung der Immobilie - sind alle drei Kinder gleichwertig erbberechtigt?


Vielen Dank.

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf der Grundlage der von Ihnen gemachten Angaben wie folgt beantworte:


1) Können die beiden in Deutschland lebenden Erben den Nachlass eigenmächtig im Alleingang abwickeln wie z.B. Einstellung eines Haussitters zur Objektüberwachung (vergütet werden soll dieser durch die Erbmasse), Hausräumung, Kontenabwicklung, Verkauf der Immobilie, Verteilung des Verkaufserlöses etc?

Die Verwaltung des Nachlasses steht den Erben gemeinschaftlich zu. Jeder Miterbe ist den anderen gegenüber verpflichtet, zu Maßregeln mitzuwirken, die zur ordnungsmäßigen Verwaltung erforderlich sind; die zur Erhaltung notwendigen Maßregeln kann jeder Miterbe ohne Mitwirkung der anderen treffen.

Die Miterben entscheiden nach §§ 2038 Absatz 2 Satz 1, 745 BGB mit Stimmenmehrheit über Maßnahmen, "die der Beschaffenheit des Nachlassgegenstandes und dem Interesse der Erben nach billigem Ermessen entsprechen" (vgl. Frieser: Fachanwaltskommentar Erbrecht, 4. Auflage 2013, § 2038 BGB Rn 2 ff.).

Dazu zählen jedenfalls die Einstellung eines Haussitters zur Objektüberwachung (und die Hausräumung.

Die Erben können nach § 2040 Absatz 1 BGB über einen Nachlassgegenstand nur gemeinschaftlich verfügen, so dass eine Veräußerung des Grundstücks durch die beiden Miterben grundsätzlich nicht in Betracht kommt. Gleiches gilt für die Auflösung eines Kontos.
Hier bedarf es der Zustimmung des dritten Miterben, sofern es sich nicht nur um Verfügungen eines einzelnen Miterben handelt, die der Erhaltung des Nachlasses dienen, vgl. § 2038 Absatz 1 Satz 2, 2. Halbsatz BGB.


2) Benötigt der im Ausland lebende Erbberechtigte in jedem Fall einen rechtlichen Vertreter (z.B. Notar?) in Deutschland?

Das ist nicht zwingend, aber ratsam, weil auf diese Weise der Ablauf der Auseinandersetzung beeinflusst wird und zudem gegen unzulässige Handlungen von Miterben notfalls gerichtlich vorgegangen werden kann.


3) Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es auch ein nichteheliches Kind gibt und dem Zeitpunkt der Wertsteigerung der Immobilie - sind alle drei Kinder gleichwertig erbberechtigt?

Nach dem deutschen Erbrecht sind nichteheliche Abkömmlinge ehelichen Abkömmlingen gleichgestellt und damit ebenso erbberechtigt.
Der Erbanteil jedes Abkömmling beträgt daher 1/3 (ein Drittel).


Ich hoffe, dass ich Ihnen in der Sache weiterhelfen konnte.


Mit freundlichen Grüßen
K. Roth
- Rechtsanwalt und zertifizierter Testamentsvollstrecker -

Nachfrage vom Fragesteller 13.04.2016 | 08:59

Sehr geehrter Herr Roth,

vielen Dank für Ihre ausführliche Beantwortung meiner Fragen.

Nur zum besseren Verständnis - wenn also Einigkeit über den Verkauf des Erbes besteht, können zwei Erben mit Stimmenmehrheit die Abwicklung des Verkaufs nach eigenem Ermessen mit oder ohne Makler und die Verteilung des Verkaufserlöses vornehmen ohne dass der im Ausland lebende Erbe einbezogen wird? Oder benötigt der im Ausland lebende Erbe einen Rechtsbeistand in Deutschland für die behördlichen Abläufe (z.B. Beantragung Erbschein) und die Abwicklung des Nachlasses?

Ich bedanke mich im voraus.
Sie haben sehr weitergeholfen, sollten Unstimmigkeiten auftreten werde ich mich direkt an Sie wenden.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.04.2016 | 11:01

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihren Nachtrag.

Ihre Annahme ist grundsätzlich richtig.

Bei der notariellen Beurkundung des Grundstückskaufvertrages kann der im Ausland lebende Miterbe nicht anwesend sein.
Der Vertrag kann aber trotzdem insgesamt wirksam geschlossen werden.

Der Miterbe kann aber vor dem Notartermin in notarieller Form einem Dritten (Anwalt) Verkaufsvollmacht erteilen.

Die Beauftragung eines Anwaltes zur Abwicklung des Nachlasses durch einen Miterben, der im Ausland lebt, ist nach meiner Erfahrung sinnvoll, weil zum einen genau geprüft werden kann, was sich tatsächlich im Nachlass befindet und zum anderen die Erbschaftsbesitzer (die übrigen Miterben) besser überwacht werden können.


Mit freundlichen Grüßen
RA K. Roth






Mit freundlichen Grüßen
RA K. Roth

Bewertung des Fragestellers 15.04.2016 | 06:02

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Stellungnahme vom Anwalt:
FRAGESTELLER 15.04.2016 5/5,0
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