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Abschaffung Zweithund oder Kündigung

| 09.06.2011 12:25 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Peter Dratwa


Guten Tag,

am 15.5. bin ich eine Mietwohnung im 1. OG eines Mehrfamilienhauses gezogen.

Diese Wohnung habe ich über einen Makler bekommen. Bei Vertragsabschluss hatte ich einen Hund und den auch angegeben. Ich sagte, dass ich für meinen Hund eine Hundesitter stundenweise suchen würde, da ich berufstätig bin und nicht wolle, dass der Hund den ganzen Tag in der Wohnung sitzt. Vor Einzug hatte ich bereits eine Dame, die mir zusagte, das zu übernehmen, die dann allerdings kurzfristig und völlig überraschend absagte, so dass ich noch nach einem neuen Hundebetreuer suchen muss. Momentan fahre ich selber in der Mittagspause nach Hause, um mit meinen Hunden zu laufen oder nehme sie an manchen Tagen vor- oder nachmittags mit.
Zum Vertrag:
Es wurde ein Mietvertrag über Haus- und Grund abgeschlossen, ohne Klauseln, dass nur EIN Hund gehalten werden darf. Die Vermieter sagten, dass sie nur mit Schlangenhaltung ein Problem hätten, die ja nicht vorhanden sind.

Ich habe dann einen kleinbleibenden zweiten Hund (3 Monate alt)über den Tierschutz übernommen, der eigentlich weitervermittelt werden sollte, aber der sich mit meinem Hund so gut versteht und ich mittlerweile auch dran hänge, dass ich diesen behalten möchte.

Nun sieht es so aus, dass meine Vermieter, die den Zweithund auch gesehen haben, ich aber noch nicht gefragte habe, ob ich diesen weiter halten darf, mir nun "nahe" legten, den zweiten Hund sofort abzuschaffen und mit den anderen Hund, der angeblich ständig belle, sobald jemand im Hausflur geht, dafür zu sorgen, dass der nicht allein in der Wohnung sei, das würde man nicht dulden, da sich täglich die Nachbarn beschweren würden. Wenn man vorher gewusst hätte, dass ich zwei Hunde halten möchte, hätte man mir den Zuschlag für die Wohnung erst gar nicht erteilt.

Wenn ich mich nicht zu diesen Schritten entschließen könne, sprich Abgabe des Zweithundes und Ganztagsbetreuung für den Ersthund, müsse man mir kündigen.

Nun würde ich gerne wissen, wie ich da vorgehen kann.
Ich möchte mich von dem zweiten Hund nicht trennen, allerdings war und ist für mich völlig klar, dass beide in eine Betreuung tagsüber kommen, die ich ohnehin bereits suche.

Ich habe Bedenkzeit bis Ende der Woche, meine Entscheidung mitzuteilen.
Ich gehe davon aus, dass man mir kündigen wird, wie sieht das auch mit den Kosten für die Renovierung aus, da man mir (und meinen Hunden) nicht mal Zeit lässt, mich da einzuleben und alles zu organsieren, ich wohne seit nicht mal 4 Wochen dort.

Vielen Dank.





Sehr geehrte Fragestellerin,

zunächst bedanke ich mich für Ihre Anfrage.

Ob die Haltung eines zweiten Hundes, der erste Hund wurde Ihnen ja erlaubt, bereits einen vertragswidrigen Gebrauch der Wohnung darstellt, hängt zunächst einmal von der Größe der von Ihnen bewohnten Wohnung ab. In kleinen Wohnungen kann die Zahl der maximal dort gehaltenen Hunde begrenzt werden. Einem Urteil des Amtsgerichts München (AZ 473 C 30536/2000) zufolge musste eine Frau zwei von vier Hunden abschaffen, mit denen sie in einer 40 Quadratmeter großen 1,5- Zimmer-Wohnung lebte. Die Hunde waren zwar nicht sehr groß, aber sie bellten sehr häufig. Selbst andere Hundehalter in dem Haus fühlten sich davon belästigt. Die Richter urteilten, dass eine solche Wohnung keine vier Hunde verträgt. Die Mieterin durfte zwar ihre beiden kleinen Rehpinscher behalten, musste aber zwei größere Mischlingshunde abgeben. Letztlich darf es zu keiner Überbelegung durch die Hundehaltung in der Wohnung kommen.

Weiter müssen für eine Kündigung schwerwiegende Gründe vorliegen. Störendes stundenlanges und nächtliches Gebell muss der Vermieter nicht dulden. Er kann dem Mieter die Hundehaltung verbieten, wenn die anderen Mieter dadurch gestört werden. Dass ein Hund gelegentlich bellt, wäre kein solcher Grund. Einer Entscheidung des Amtsgerichts Bremen lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Mieter hielt in seiner Wohnung zwei Hunde. Das Gebell der Hunde dauerte tagsüber wie auch nachts stundenlang an. Es war so laut, dass andere Mieter des Hauses davon aufwachten und sich außerordentlich gestört fühlten. Der Vermieter wollte die Haltung der Hunde verbieten. Das Gericht gab ihm Recht. Zwar könne nach Meinung des Gerichts jeder Bewohner einer Mietwohnung auch ohne Zustimmung des Vermieters Hunde halten. Der Vermieter müsse die Tierhaltung aber dann nicht erlauben, wenn die Hunde den Hausfrieden nachhaltig stören ( AG Bremen Urteil vom 05.05.2006 Az: 7 C 240/05).

Vereinzeltes Gebell ist dagegen von den anderen Mietern hinzunehmen.Sie müssen jedoch die Hunde so halten, dass von diesen erhebliche Störungen und Belästigungen der anderen Mieter nicht ausgehen. Soweit Sie in Zukunft sicherstellen, dass beide Hunde tagsüber in eine Betreuung kommen, kann Ihnen der Vermieter die Haltung des zweiten kleinen Hundes in der Wohnung meiner Auffassung nach nicht verbieten. Eine Kündigung wäre insoweit unzulässig.
Generell ist die Tendenz in der Rechtsprechung so, wobei es letztlich auch eine entscheidende Rolle spielt, ob der fragliche Richter selbst Tierhalter ist, dass die Haltung von Tieren in der Wohnung als Inhalt des normalen Wohnens
angesehen wird und dass damit die Haltung eines Hundes zum vertragsgemäßen Gebrauch auch dann zählt, wenn dies nicht ausdrücklich vom Vermieter erlaubt ist. Denn das Bewohnen umfasst
alles, was zur Benutzung der bewohnten Räume gehört, also die gesamte Lebensführung des Mieters mit sämtlichen Ausgestaltungen und Bedürfnissen.Soweit es also durch die Anschaffung des zweiten Hundes zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung der anderen Mieter gekommen ist, kann Ihnen nach diesseitiger Auffasung die Haltung des zweiten Hundes nicht untersagt werden.Eine hierauf gerichtete Kündigung des Mietvertrages wäre unwirksam.

Für eine Nachfrage stehe ich bei Unklarheit gerne zur Verfügung und verbleibe,

mit freundlichem Gruß

Peter Dratwa
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 09.06.2011 | 14:34

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

folgendes möchte ich noch ergänzen: die Wohnungfläche meiner Wohnung, die ich allein mit meinen beiden Hunden bewohne beträgt ca 115 qm. Die Nachbarn oben drüber, Pärchen mit 3 Kindern, die alles andere als ruhige Nachbarn sind, haben ebenfalls einen Hund auf selber Wohnfläche.

Man sagte mir, dass das Bellen auch nur sei, wenn jemand im Treppenhaus unterwegs sei. Wenn ich zuhause bin, bellt z. B. keines der Tiere.

Ich hatte meinen Vermietern auch gesagt, dass ich ab nächster Woche Urlaub habe und mir diverse Stellen zur Betreuung meiner Hunde ansehen werde, aber man mir schon auch etwas Zeit geben möchte, da ich immerhin Vollzeit arbeite und alleinstehend bin.

Ich kann also meinen Vermietern durchaus nun antworten, dass ich meine Hunde behalten werde und mich um eine Hundebetreuung kümmere (wie ich ohnehin bereits dabei bin)?

Man hatte mich wie gesagt gebeten, mich zu entscheiden, mindestens den zweiten Hund abzugeben oder auszuziehen.

vielen Dank.


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 09.06.2011 | 15:36

Sehr geehrte Fragestellerin,

bei 115 qm ist die Wohnung mehr als ausreichend, um dort zwei Hunde zu halten.
Wenn über Ihnen noch ein Mieter ebenfalls einen Hund hält, ist dies ein weiteres für Sie sprechendes Argument, dass Sie Ihren zweiten Hund nicht abgeben müssen.

Teilen Sie Ihrem Vermieter mit, dass Sie sich um eine Betreuung für die Hunde, soweit Sie berufstätig außer Haus sind, kümmern und den zweiten Hund nicht abschaffen werden.Weisen Sie ruhig darauf hin, dass Sie sich insofern bei einem Anwalt rechtskundig gemacht haben und der angedrohten Kündigung gelassen entgegen sehen.

Fals Sie weiter anwaltlichen Rat benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung und verbleibe,

mit freundlichem Gruß

Peter Dratwa
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 09.06.2011 | 15:42

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