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Abfindung - Fünftelregelung


12.10.2006 14:24 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Ich habe in 2006 eine Abfindung i. H. v. 114.700 € brutto erhalten. Mein Jahresbruttoeinkommen ohne Abfindung für 2006 wird sich auf ca. 47.500 € (2005 ca. 43.000) belaufen. Davon sind ca. 6.000 € auf Grund von doppelter Haushaltsführung abzuziehen, ich bin nicht kirchensteurpflichtig und habe Lohnsteuerklasse I, da ledig und kinderlos. Dies würde netto bei Anwendung der Fünftelregelung zu einer Abfindung von 67.119 € führen.

1. Wird die doppelte Haushaltsführung für die Zwecke der Fünftelregelung anerkannt?

2. Kann ich meine Netto-Abfindung im Wege der Fünftelregelung dadurch erhöhen , dass ich bei meinem neuen Arbeitgeber im Wege der Bruttoentgeltumwandlung in die betriebliche Altersvorsorge (Direktzusage) einzahle und dadurch mein zu versteuerndes Einkommen mindere? Die Einzahlungen sind bei diesem Modell bis 2.510 € sozialversicherungs- und unbegrenzt steuerfrei. Bei einer Umwandlung von 9.000 € würde dies zu einer Erhöhung der Netto-Abfindung von ca. 3.300 € führen, auf der anderen Seite

3. Falls 2 mit ja beantwortet werden kann, betrifft die 3. Frage die Sozialversicherungsbeiträge. Ich bin freiwillig versichert bei einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), damit wird automatisch jeden Monat der Höchstbetrag an die GKV abgeführt. Ich hätte die Möglichkeit in 2006 noch zwei volle Monatsgehälter in die betriebliche Altersversorgung einzuzahlen (ca. 9.000 €).

Offensichtlich würde aber durch meinen Status als freiwillig Versicherter dennoch der volle Satz an Krankenversicherungsbeiträgen abgeführt werden. Dies würde bedeuten, dass ich für zwei Monate neben meinem Arbeitnehmer-Anteil (alles über 2.510 € umgewandeltem Bruttogehalt) auch den Arbeitgeber-Anteil der Krankenversicherung selbst tragen müsste. Könnte ich dies umgehen und wenn ja, wie? Wie wäre es bei den übrigen Sozialversicherungsarten wie z. B. der Rentenversicherung? Würde die vollständige Umwandlung der zwei Monatsgehälter im Ergebnis auch dazu führen, dass ich den kompletten Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungsbeiträge selbst tragen müsste.

Mit freundlichen Grüßen


Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt:

Die Abfindungszahlung gehört nach § 24 Abs. 1a EstG zu den Einkünften, soweit diese als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes gezahlt wird. Die Besteuerung der Abfindung richtet sich nach § 34 Abs. 1 EstG. Die entsprechende gesetzliche Grundlage füge ich im Anhang bei.

Die Besteuerung der Abfindungszahlung orientiert sich dabei auch an dem zu versteuernden Einkommen. Insoweit wird die doppelte Haushalsführung auch steuermindernd auf die Abfindung. Die von Ihnen ausgerechnete Nettoabfindung ergibt sich nach meiner Berechnung allerdings nur, wenn die € 6.000,- bereits als Werbungskosten vom Gehalt abgezogen sind.

Durch die Entgeldumwandlung erfolgt eine pauschale Besteuerung der Beträge mit einem niedrigeren Steuersatz von 20 % bzw. steuerfrei, je nach Ausgestaltung.

Für die Entgeltumwandlung im Weg der Direktversicherung / Lebensversicherung und der Pensionskasse besteht nach § 40 b EStG eine Steuervergünstigung mit einem Pauschalsteuersatz von 20 %. Entgeltungsumwandlungsbeiträge an Pensionsfonds dagegen sind gem. § 3 Nr. 63 EStG bis zur Obergrenze von 4 % der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung gänzlich steuerfrei. Im Rentenfalle unterliegen die Renteneinkommen aus Pensionsfonds aber der vollen nachgelagerten Besteuerung, soweit der Aufwand steuerfrei war.
Die Renten aus Lebensversicherungen im Falle der Direktversicherung und der Pensionskasse dagegen werden im Zuge der Nachversteuerung nur mit dem Ertragsanteil besteuert (ca. 27 %). Soweit bei der Direktversicherung ein Einmalkapitalbetrag im Versorgungsfall ausgezahlt wird, ist dieser ggf. in vollem Umfang steuerfrei.

Allerdings verringert eine solche Umwandlung nicht das zu versteuernde Einkommen (§ 40 b EstG). Entsprechende Beträge bei der Entgeldumwandlung sind bis zu einer Grenze von 4 % der Beitragsbemessungsgrundlage sozialversicherungsfrei.

Ich hoffe Ihnen eine entsprechende Übersicht vermittelt zu haben. Hinsichtlich der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten empfehle ich allerdings einen Steuerberater zu Rate zu ziehen.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

§ 34
Außerordentliche Einkünfte
(1) <1>Sind in dem zu versteuernden Einkommen außerordentliche Einkünfte enthalten, so ist die auf alle im Veranlagungszeitraum bezogenen außerordentlichen Einkünfte entfallende Einkommensteuer nach den Sätzen 2 bis 4 zu berechnen. <2>Die für die außerordentlichen Einkünfte anzusetzende Einkommensteuer beträgt das Fünffache des Unterschiedsbetrags zwischen der Einkommensteuer für das um diese Einkünfte verminderte zu versteuernde Einkommen (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen) und der Einkommensteuer für das verbleibende zu versteuernde Einkommen zuzüglich eines Fünftels dieser Einkünfte. <3>Ist das verbleibende zu versteuernde Einkommen negativ und das zu versteuernde Einkommen positiv, so beträgt die Einkommensteuer das Fünffache der auf ein Fünftel des zu versteuernden Einkommens entfallenden Einkommensteuer. <4>Die Sätze 1 bis 3 gelten nicht für außerordentliche Einkünfte im Sinne des Absatzes 2 Nr. 1, wenn der Steuerpflichtige auf diese Einkünfte ganz oder teilweise § 6b oder § 6c anwendet.

Nachfrage vom Fragesteller 12.10.2006 | 19:12

Sehr geehrter Herr Schröter,

ich habe in der Tat die Aufwendungen für die doppelte Haushaltsführung vom Gehalt abgezogen, um die Nettoabfindung zu berechnen (also mit 47.500 - 6.000). Aber wenn ich Sie richtig verstehe, ist das in Ordnung, um die Nettoabfindung zu berechnen. Oder zielte Ihre Nachrechnung auf etwas anderes? ("Die von Ihnen ausgerechnete Nettoabfindung ergibt sich nach meiner Berechnung allerdings nur, wenn die ? 6.000,- bereits als Werbungskosten vom Gehalt abgezogen sind.")

Nicht ganz sicher bin ich mir bei der Interpretation der Beantwortung meiner zweiten Frage, da Sie die mich betreffende und von mir erwähnte Form der Direktzusage nicht erwähnen. Bei der Direktzusage besteht wie von mir beschrieben keine Obergrenze für die Steuerfreiheit.

Verstehe ich Sie richtig, dass eine Bruttoentgeltumwandlung in der Form der Direktzusage, die steuerfrei geschieht, im Rahmen der Fünftelregelung keinen Vorteil bietet, da dadurch keine Reduktion des zu versteuernden Einkommens erreicht wird?

Meine Frage 3 betraf nur ein Folgeproblem (Sozialversicherung), was im oben beschriebenen Fall nicht mehr relevant ist, da die erhofften Vorteile der Entgeltumwandlung bezüglich der Erhöhung der Nettoabfindung nicht greifen.

Zum Abschluss erbitte ich noch Ihre Einschätzung, ob die Konsultation eines Steuerberaters lohnt. Meiner Kenntnis nach sind die Möglichkeiten, steuerliche Verluste zu generieren kaum noch vorhanden. Oder könnte es aus Ihrer Sicht lohnenswert sein, nach Gestaltungsmöglichkeiten zu suchen, wenn Sachen wie Hauskauf aus steuerlichen Gründen für mich ausgeschlossen sind?

Vielen Dank

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.10.2006 | 23:27

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Nachfrage beantworte ich wie folgt:

Die Berechung der Höhe der Steuerlast diente nur der Kontrolle und hatte keine weitergehenden Hintergrund.

Hinsichtlich der Generierung von steuerlichen Verlusten haben Sie in der Tat recht, daß dies nur noch schwerlich möglich ist. Sicherlich gibt es hierbei "kreative" Möglichkeiten. Inwieweit diese dann im Ergebnis anerkannt werden, vermag ich nicht zu beurteilen. Anbei verweise ich auf eine Anfrage auf dieser Internetseite:

https://www.frag-einen-anwalt.de/forum_topic.asp?topic_id=16517

Da ich die Erfolgsaussichten solcher Instrumente nicht abschätzen kann, wäre eine Erstberatung durch einen Steuerberater sinnvoll, soweit hier realisitische Möglichkeiten bestehen, eine entsprechende Ersparnis herbeizuführen.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

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