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Ab wann wird PKW-Verkauf gewerblich

27.04.2018 11:20 |
Preis: 60,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Dr. Holger Traub, Dipl. Kfm.


Zusammenfassung: Werksangehöriger, Jahreswagen, Kfz-Verkauf, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer

Hallo,
ich bin Werksangehöriger bei einem Automobilhersteller.

Über dessen Vermarktungsplattform für Gebrauchtwagen beschaffe ich mir und meinen Eltern gleichzeitig immer zwei Fahrzeuge nach der Mindesthaltedauer (6 Monate), die vorgegeben ist verkaufe ich sie meist immer gleich wieder, da wir viele km fahren (25000 km im Jahr) und somit der Wertverlust noch relativ begrenzt ist. Jedoch konnte ich mein letztes Fahrzeug mit einem Gewinn von etwa 2000 € nach Österreich an einen Händler verkaufen. Da in Österreich die Fahrzeuge wohl deutlich teuerer sind als bei uns meinte der Händler, dass er gerne öfter Fahrzeuge von mir abnehmen würde. Vermutlich wird also beim Fahrzeugkauf auch in Zukunft ein Gewinn erzielt, zumindest wenn er das Auto abnimmt. Fällt das dann schon unter einen gewerblichen Handel? Meine eigentliche Absicht ist ja die Mobilität die mir die Fahrzeuge geben und der schnelle weiterverkauf soll ja dazu dienen den Wertverlust gering zu halten. Was ist aber in dem Fall wenn ein Gewinn erzielt wird?
Der geldwerte Vorteil des Gebrauchtwagenrabatts beim Einkauf wird versteuert.

Wie kann ich es vermeiden als gewerblich angesehen zu werden?
Mit einer Absprache mit dem Händler welches Auto er als nächstes benötigen würde, hätte ich selbst gesagt, dass es gewerbliche Züge annehmen würde, wenn auch schon ein Preis vereinbart würde und somit schon beim Einkauf ein klarer Gewinn erwartet werden kann.

Mit freundlichem Gruß

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Frage ob ein Werksangehöriger durch Kfz-Verkäufe als Gewerbetreibender anzusehen ist und der Verkauf auch der Umsatzsteuer unterliegt wurde bereits im Jahre 1991 durch den BFH entschieden. In diesem Urteil finden sich die wesentlichen Grundlagen, die eine gewerbliche Tätigkeit ausschließen.

Demnach handelt ein Werksangehöriger dann nicht gewerblich im Sinne des § 15 EStG, wenn er das von seinem AG erworbene Kfz länger als ein Jahr hält und sodann verkauft. In diesem Fall wird auch keine Umsatzsteuer ausgelöst. Die entscheidende Aussage des BFH ist (BFH-Urteil vom 18.7.1991 (V R 86/87) BStBl. 1991 II S. 776):

"Der Senat ist der Auffassung, daß bei einem Verkauf nach mehr als einem Jahr die Intensität der wirtschaftlichen Betätigung so gering ist, daß eine unternehmerische Betätigung entfällt. Im Rahmen der Gesamtverhältnisse spielt dies eine besonders wichtige Rolle. Der Angehörige eines Automobilwerks, der in größeren Abständen einen Jahreswagen verkauft, rückt in die Nähe eines Privatmannes, der ebenfalls in regelmäßigen Abständen sein Auto zu verkaufen pflegt, ohne daß er deshalb zum Unternehmer wird. Bei Verkäufen nach mehr als einem Jahr kommt es nicht einmal zu einem Umsatz je Veranlagungszeitraum."

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass in anderen Fällen sowohl eine gewerbliche Tätigkeit (nebst Gewerbesteuer) als auch Umsatzsteuer anfällt. Denn in diesen Fällen liegt eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, vor, vgl. § 15 Abs. 2 EStG.

Da in Ihrem Fall mind. zwei Fahrzeuge pro Jahr veräußert werden, sind die von dem BFH gesetzten Grenzen bei Ihnen bei weitem überschritten. Die Vorgänge lösen somit die entsprechende Steuerpflicht aus. Bereits ein Fahrzeugverkauf wäre aufgrund der geringen Haltefrist bedenklich. Zwar können Sie über die Kleinunternehmerreglungen nach § 19 UStG die Umsatzsteuerlast entkräften, die gewerbliche Klassifizierung in der Einkommensteuer bleibt jedoch.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Traub
-Rechtsanwalt-

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