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4800 euro strafe für 'schupsen' auf dem sportplatz?


27.04.2007 21:54 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Martin Kämpf



hallo,

folgende situation:
bei einem fussballspiel in der kreisklasse hat person x den schiedrichter "geschupst". person x hat dafür vom sportgereicht 3 monate spielsperre erhalten.
dieser schiedsrichter hat nun person x wegen körperverletzung angezeigt. person x hat die ganze sache nicht so ganz für ernst genommen und ist vor gericht ohne anwalt erschienen.
in der anzeige hat der schiedsrichter angegeben person x hätte mit fussballschuhen in den rücken getreten. in der gerichtsverhandlung haben zeugen dieses nicht bestätigt und selbst der schiedsrichter hat diese aussage zurückgezogen. der staatsanwalt forderte 1.200,- euro strafe. die richterin jedoch hat person x zu 4.800,- euro sowie kostenübernahme verurteilt. über diese entscheidung war selbst das publikum und die presse sehr irritiert. am nächsten tag hat die presse und rtl darüber berichtet.
sprechen wir hier von einem sogen. präsidenzfall oder ? ist eine solche strafe angemessen?
WICHTIG: während der verhandlung stellte sich herraus das person x den schiedsrichter "nur" geschupst hat. mehr nicht. person x ist nun bei der polizei in der "kartei" wegen mittelschwerer körperverletzung.
person x hat nun beim amtsgericht berufung eingelegt....
gibt es hier ähnliche fälle ? wie stehen hier die changen auf "keine" strafe? ist das etwa gerecht ? steht das im verhältniss ?

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Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltschilderung sowie Ihres Einsatzes wie folgt beantworten möchte.

Zunächst darf ich Sie darauf hinweisen, dass für die Strafzumessung verschiedene Kriterien seitens des Gerichts herangezogen werden. Dahingehend spielt unter anderem eine Rolle, wie die Tat ausgeführt wurde, zu welchen Verletzungen sie führte und wie sich das Nachtatverhalten des Angeklagten darstellte. Diesbezüglich wirken sich regelmäßig eine geständige Einlassung sowie eine Schadenswiedergutmachung gegenüber dem Opfer strafmildernd aus. Wobei anzumerken ist, dass das Schweigen des Angeklagten nicht zu dessen Lasten gehen darf.

Bitte teilen Sie im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion noch folgende Informationen mit: zu wie vielen Tagessätzen verurteilte das Gericht den X, ob beziehungsweise welche Verletzungen erlitt der Geschädigte und wie war der genaue Ablauf (chronologisch) der ausgeurteilten Tat.

Mitteilen darf ich Ihnen weiterhin, dass eine derartige Überschreitung des Strafmaßes durch das Gericht gegenüber dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß eher die Ausnahme darstellt.

Nach ihrer Darstellung legte der X als Rechtsmittel die Berufung ein, das Urteil ist demnach nicht rechtskräftig. Aus diesem Grund befindet sich im Moment noch keine Eintragung im Bundeszentralregister hinsichtlich dieser Tat. Zwar wird der Vorgang im Register der Staatsanwaltschaft geführt, der X gilt allerdings bis zur Rechtskraft auf Grund der Unschuldsvermutung nach wie vor als unschuldig.

Der Straftatbestand der mittelschweren Körperverletzung existiert im StGB (Strafgesetzbuch) nicht. Nach ihrer Sachverhaltschilderung gehe ich vorliegend davon aus, dass der X wegen einer gefährlichen Körperverletzung gemäß § 224 Absatz 1 Nr. 2 StGB (mittels einer Waffe) angeklagt war. Der bestollte Fußballschuh stellt nach der Rechtsprechung eine derartige Waffe dar.
Sollte die Beweisaufnahme tatsächlich ergeben haben, dass der X den Schiedsrichter lediglich schubste und der Schiedsrichter hierdurch keine schweren Verletzungen (Verlust des Sehvermögens, des Gehörs oder eine erhebliche Entstellung) erlitten haben, gehe ich hier davon aus, dass X wegen einer einfachen Körperverletzung strafbar gemäß § 223 StGB verurteilt wurde.

Mangels näherer Sachverhaltskenntnis kann diesseits nicht eingeschätzt werden, ob es sich um einen Präzedenzfall handelt. Dafür kann ich allerdings im Moment keine Anzeichen erkennen.

Hinsichtlich der von X eingelegten Berufung ist auszuführen, dass die Berufungsinstanz eine zweite Tatsacheninstanz darstellt. Das bedeutet, dass nochmals komplett neu samt erneuter Beweisaufnahme verhandelt wird.
Allerdings stellt auch ein Schubsen bereits einen Eingriff in die körperliche Integrität und mithin eine Körperverletzung dar. Häufig ergehen jedoch in der Berufungsinstanz auf Grund der stärkeren Einwirkung auf den Angeklagten mildere Urteile. Die stellt jedoch keinen Regelfall dar.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick ermöglicht zu haben und stehe für Ergänzungen im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion sowie ggf. für die weitere Wahrnehmung Ihrer Interessen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Kämpf
Rechtsanwalt

Fon 089/ 22843355
Fax 089/ 22843356

info@kanzlei-kaempf.net
Kanzlei Kämpf - Strafrecht München

Nachfrage vom Fragesteller 27.04.2007 | 23:11

viele dank für ihre bewertung. anbei die gewüschten infos:
- 80 tagessätze a 60 euro.
- x wurde nicht wegen leichter körperverletzung verurteilt. die richterin sprach von mittelschwerer köperverletzung.
- der schiedsrichter wurde nicht verletzt. er sprach von rückenschmerzen. aber nur einen tang lang.
- ablauf der "tat": im spiel hat person x eine schiedrichterbewertung nicht so klasse gefunden und ist auf den schiedrichter zugelaufen und hat ihn mit beiden händen nach vorne geschupst und zu ihm "arschlosch" usw... gesagt.. nicht mehr... kein schlag und keine kräftigen berührungen...

was soll x machen? wie stehen die changen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.04.2007 | 23:35

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich Ihnen wie folgt beantworten möchte:

Bitte beachten Sie, dass eine abschließende Einschätzung des Sach- und Rechtslage erst nach Einblick in Urteil und Ermittlungsakte möglich ist.
So der X nicht vorbestraft ist, halte ich 80 Tagessätze für die von Ihnen geschilderte Tat für eine hohe Strafe. Sie sollten jedoch beachten, dass eine ausgeurteilt der Straftat erst ab dem 91. Tagessatz Eingang in das polizeiliche Führungszeugnis, welches unter anderem zur Vorlage bei einem Arbeitgeber benötigt wird, findet.

Vorliegend halte ich es deshalb - insbesondere auch im Hinblick auf das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß - für durchaus vorstellbar, in der Berufungsinstanz eine deutliche Reduzierung der Strafe zu erreichen. Denn nach Ihrer Darstellung überschritt das Gericht die Forderung der Staatsanwaltschaft um das vierfache. Eine derartige Überschreitung ist durchaus ungewöhnlich.

Ich empfehle Ihnen aus diesem Grunde dringend, einen im Strafrecht tätigen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung der Interessen des X in der Berufungsinstanz zu beauftragen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Kämpf
Rechtsanwalt

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