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2 Ringe verdorben bei 'Reparatur'


20.04.2005 10:00 |
Preis: ***,00 € |

Kaufrecht



Ich besitze zwei Ringe, an denen ich, obwohl sie nicht besonders wertvoll sind, sehr hänge. Der eine ist ein verhältnismässig breiter Bandring mit einem "Brillanten - Nest" in der Mitte. Das Band weist in der Mitte einen breiteren und rechts und links davon zwei schmalere Wülste auf, ist mattiert (585er) und verjüngte sich zur Handinnenseite ein wenig, um eine grössere Tagebequemlichkeit zu gewährleisten. An beiden Innenseite verlief ganz herum noch einmal ein kleiner Knick.

Vor kurzen zogen wir in einen kleinen Ort. Dort gab ich den Ring zum Weitermachen in ein mir bisher unbekanntes, alteingesessenes, aber ziemlich kleines Fachgeschäft, das mit "eigene Werkstatt" wirbt.

Der Ring sollte 2 Grössen weiter gemacht werden. Als ich ihn wiederbekam, hatte der Goldschmied ihn an der Unterseite einfach nur platt gewalzt, wodurch die charakteristische Form verloren ging und zudem hatte er ihn, vermutlich, damit die Gewaltaktion nicht so auffallen sollte, glatt poliert, womit er seinen Charakter nochmals verändert hat.

Mir wurde von der Inhaberin barsch erklärt, es gehe nun einmal nur so und nicht anders, alles andere sei unbezahlbar. Dies kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall war dieser Eingriff nicht mit mir vorher abgesprochen gewesen, ich wollte lediglich einen etwas weiteren Ring haben, einer Veränderung seines Aussehens habe ich nicht zugestimmt. In meinem Schock und meiner Verärgerung habe ich, auch wegen des sehr dominaten Auftretens der Inhaberin und der anderen Kunden im Laden die geforderten 56 Euro bezahlt.

Noch immer ärgere ich mich, wenn ich den Ring sehe oder anziehe. Der Vorfall ist fast 8 Monate her. Ich frage mich nun, ob ich noch Ansprüche gegen den Juwelier habe und wenn, welche. Darf ein Geschäft, dass einen solchen Auftrag offenbar nicht fachgerecht, d.h. unter Wahrung des ursprünglichen Aussehens des ihm überlassenen Schmuckstückes, ausführen kann, den Auftrag überhaupt annehmen und dann einfach einen veränderten Ring zurückgeben? Ich bin auch der Meinung, dass der vorher sehr ästhetische und in sich stimmige Ring in seinem Wert gefallen ist durch diese unsensible "Reparatur". Muss der Kunde das hinnehmen?

Die Frage stellt sich leider noch ein weiteres mal.

Um den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen, wandte ich mich mit dem nächsten Ring an ein rennomiertes grosses Fachgeschäft mit vielen Filialen in A. Hier war ich bisher immer zufrieden gewesen, muss aber immer mit dem Auto hinfahren.

Ich habe einen antiken Ring mit einer Perle in der Mitte und zwei Brillanten rechts und links, die in einer sehr schönen, zarten Fassung sitzen und einen sehr schönen Schliff haben, obwohl sie nicht top Qualität sind. Daran an schliesst sich ein oben ganz schmal zusammengedrückter, in der Aufsicht also sehr zarter Reif.

Die Perle war abgetragen, der Reif im unteren Bereich ebenfalls. Ich wollte deshalb eine neue Akoja - Perle einsetzen und die Schiene auffüttern lassen, möglichst rund im unteren Bereich, da das bequemer ist als eine eckige Schiene.

Es wurde genau besprochen, was zu machen sei. Die Chefin rief einen jungen Mann aus der Werkstatt nach vorn, der dort an einem Goldschmiedetisch lötete. Er erklärte, er werde die Scheine auf halber Höhe abschneiden und im unteren Bereich einen runde Schiene ansetzen.

Diese und die Perle müsse man bestellen. Als ich wiederkam, um mir die bestellten Perlen anzusehen und eine auszusuchen, stellte ich fest, dass er die Schiene oben, direkt neben den sehr zarten Krampenfassungen abgeschnitten hatte, also genötigt sein würde, dort, im sensibelsten Bereich, zu löten.

Ich besprach nochmals die Einzelheiten und machte eine Zeichnung. Der "Goldschmied" versprach, es genau so zu machen.

Ich kürze hier ab. Es stelle sich heraus, dass er der Aufgabe nicht gewachsen war. Dann stellt sich heraus, dass man mein Lieblingsstück einen Uhrmacher "der sich ein paar Goldschmiedekenntnisse selbst beigebracht hat" überlassen hatte.

Die Inhaberin (Chefin) fuhr auf meinen Protest hin mit dem Ring zu einem "richtigen" Goldschmied. Der setzte die untere Hälfte der Schiene dann endlich fachgerecht an und bekam den Verlauf sauber hin, allerdings war der gesamte Ring anschliessend verbeult und verbogen, worauf der Goldschmied nicht geachtet habe.

Die bisher direkt an die Perle anschliesenden Brillaten standen rechts und links unterschiedlich weg (1 mm; 1/2 mm), waren verdreht (wie die Augen von Sartre) und die Kapsel, in der die Perle ruhte, war verbeult von einer Zange. Ich hatte gefragt, ob man nicht eine grössere perle als vorher bestellen und einsetzen könne. Dies wurde mit Hinweis auf die direkt anschliesenden Brillaten und den nicht vorhandenen Platz verneint.

Ich habe die Arbeit bisher nicht bezahlt und nicht abgenommen. Bevor ich dies tue, möchte ich - nunmehr soll angeblich alles in den urspünglichen Zustand versetzt sein, der Uhrmacher habe es doch noch hinbekommen - mich vergewissern, wie nun die Rechtslage ist, was ich bezahlen muss und was nicht. Ich bestehe diesmal auf der Wiederherstellung der urspünglichen Optik mit Ausnahem der tatsächlich in Auftrag gegebenen Veränderungen.

Sollte der Ring nach wie vor, wenn auch mittlerweile eventuell nur noch leicht, verändert oder vermurkst sein: muss ich die Perle bezahlen, die nun in einem verönderten Ring oder dessen Ruine sitzt? Und was ist mit der bestellten Schiene? Welche Arbeitskosten sind anzuerkennen? Wie kann ich als Laie ermitteln, was hier angemessen ist und mir zu recht in Rechnung gestellt werden kann? Kann ich, wenn er immer noch nicht ganz in Ordnung sein sollte, den Ring zurückerhalten und zu einem anderen Goldschmied bringen oder muss ich mich ggf. nochmals an die gleiche Firma wenden? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, weil ich so viele Umstände mache, wenn ich auf einer sach - und fachgerechten Umarbeitung bestehe?

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Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Was den ersten Ring anbetrifft, so hat der Goldschmied eine mangelhafte Leistung erbracht, da der Ring nach der Umarbeitung nicht die mit Ihnen vereinbarte Beschaffenheit hatte. Bei derartigen mangelhaften Werkleistungen haben Sie grundsätzlich ein Recht auf Beseitigung des Mangels und, wenn die Beseitigung fehlschlagen sollte, ein Recht auf Minderung der von Ihnen zu zahlenden Vergütung oder auf Übernahme der Kosten für eine Reparatur durch eine andere Werkstatt sowie eventuell sogar einen Anspruch auf Schadenersatz (§ 634 BGB); diese Rechte verjähren in zwei Jahren ab Abnahme der Leistung (§ 634a Abs. 1 Nr. 1 BGB). In Ihrem Fall stellt sich allerdings das Problem, dass Sie den Ring, obwohl Sie seine Mangelhaftigkeit erkannt hatten, trotzdem bezahlt und mitgenommen haben. Dies ist von außen betrachtet so zu verstehen, dass Sie den Ring als ordnungsgemäß akzeptiert haben, wodurch Sie die eben genannten Gewährleistungsrechte im Wesentlichen verloren hätten und Ihnen nur noch der - verschuldensabhängige - Anspruch auf Schadenersatz verblieben wäre (§ 640 Abs. 2 BGB).
Um noch in den vollen Genuss der Gewährleistungsrechte zu kommen, müssten Sie also beweisen, dass Sie den Ring zwar mitgenommen, aber ihn gegenüber der Geschäftsinhaberin nicht als ordnungsgemäß gebilligt haben, etwa mit Hilfe von Zeugen. Sollte Ihnen dies nicht möglich sein, dann verbleibt Ihnen gemäß § 640 Abs. 2 BGB nur noch ein eventueller Anspruch auf Schadenersatz, gerichtet z.B. auf Ersatz des Wertverlustes durch die fehlerhafte Umarbeitung. Sie können jedoch nur dann Schadenersatz verlangen, wenn das Geschäft die Mangelhaftigkeit der Umarbeitung verschuldet hat. Hiervon ist nach Ihrer Schilderung allerdings auszugehen; es klingt so, als habe der Goldschmied den Ring bewusst, also vorsätzlich und somit schuldhaft, unsachgemäß behandelt.

Auch bei Ihrem zweiten Ring hat die Werkstatt eine mangelhafte, da nicht der Vereinbarung entsprechende, Leistung erbracht. Dies haben Sie völlig zu Recht gerügt. Die Werkstatt war daher zur Nacherfüllung, also zur Beseitigung der Mängel auf eigene Kosten, verpflichtet. Sofern sie dieser Pflicht nun, im zweiten Versuch, immer noch nicht ordnungsgemäß nachgekommen sein sollte, dann dürfen Sie den Ring an sich nehmen und ihn zur Reparatur in eine andere Werkstatt bringen; die Kosten für diese Reparatur dürfen Sie der ersten Werkstatt in Rechnung stellen. Alternativ können Sie auch die vereinbarte Vergütung herabsetzen, und zwar entsprechend dem Wertverlust des Ringes im Verhältnis zu seinem Wert im mangelfreien Zustand (ist der Ring z.B. jetzt nur halb soviel wert wie er wäre, wenn er ordnungsgemäß umgearbeitet worden wäre, dann dürfen Sie die Vergütung halbieren). Welche Kosten der Werkstatt durch die Umarbeitung des Ringes entstanden sind, braucht Sie dabei nicht zu interessieren.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Jana Laurentius
(Rechtsanwältin)
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