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17-jährigen 2 Wochen alleine zuhause lassen

01.04.2013 19:09 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Zusammenfassung: Kann ein 17 jähriger Jugendlicher zwei Wochen alleine gelassen werden? Welche Anforderungen an die Aufsichtspflicht bestehen bei einem 17 jährigen.

Wir wollen in den Pfingstferien 2 Wochen nach Südfrankreich verreisen. Mein großer Sohn (wird im Dezember 18 Jahre alt) möchte in dieser Zeit unbedingt alleine zuhause bleiben. Mal ganz abgesehen von meiner persönlichen Einstellung dazu würde mich interessieren, wie das rechtlich ist. Wenn in der Zeit meiner Abwesenheit etwas passiert, ist es doch dennoch so, daß ich meine Aufsichtspflicht vernachlässigt und eine Straftat begangen hätte?
Muss ich das Einverständnis vom Vater meines Sohnes einholen? (wir sind geschieden, haben und wollen keinen Kontakt).

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Einsatz editiert am 01.04.2013 19:18:06

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts nachfolgend beantworten möchte. Beachten Sie jedoch, dass durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits, die rechtliche Beurteilung anders ausfallen kann.

Da ihr Sohn mit seinen 17 Jahren noch minderjährig ist, besteht für Sie als Elternteil eine Aufsichtspflicht (§§ 1626, 1631 BGB).

Ob Sie Ihre Aufsichtspflicht verletzten, wenn in den 2 Wochen Ihrer Abwesenheit etwas passiert, kann leider nicht pauschal vorweg beurteilt werden.

Der konkrete Inhalt der Aufsichtspflicht ist im Gesetz nämlich nicht geregelt. Die Beurteilung, ob der Aufsichtspflichtige seine Aufsichtspflicht verletzt hat, beurteilt sich nach dem individuellen Einzelfall (objektiver Maßstab). Entscheidend für die Beurteilung ist somit nicht, ob Sie allgemein Ihre Aufsichtspflicht verletzten, wenn sie Ihren 17-jährigen Sohn zwei Wochen alleine lassen, sondern ob in der konkreten zum Schaden führenden Situation sie ihren gesetzlichen Pflichten nicht nachgekommen sind (Eintritt eines Schadens, muss kausal auf der Aufsichtspflichtverletzung beruht).

Der Umfang der Aufsichtspflicht richtet sich u.a. nach Alter, Charakter des Kindes und der konkreten Situation. Auch das Maß der Sorgfalt orientiert sich am Alter, Entwicklungsstand, persönlicher Veranlagung und Erziehungsstand des Kindes.

Wenn Sie Ihr Kind also zwei Wochen alleine lassen wollen, sollten Sie zumindest klar machen, welche Verhaltensweisen nicht erlaubt sind (z.B. größere Partys, Veröffentlichung einer „sturmfreien Bude" in sozialen Netzwerken etc.).

Hier können und müssen Sie als Elternteil überprüfen, ob Sie Ihrem Kind nach seinem Entwicklungsstand zutrauen zwei Wochen selbstständig ohne Aufsicht im Haus zu bleiben, sich selber zu versorgen, ohne sich oder Dritte zu schädigen.

Rechtsfolge einer Aufsichtspflichtverletzung wären zunächst zivilrechtliche Schadensersatzansprüche.

Wird Ihr Kind selber verletzt hat es einen Anspruch auf Schadensersatz gegen Sie (§ 823 BGB), kommt ein Dritter zu Schaden hat er einen Schadensersatzanspruch nach § 832 BGB.

Strafrechtlich ist die Verletzung der Aufsichtspflicht isoliert nicht strafbar. Ein strafbares Verhalten kommt dann in Betracht, wenn durch die Aufsichtspflichtverletzung ein Straftatbestand verwirklicht würde.

Hier sind theoretisch unterlassene Hilfeleistung (§ 323 c StGB), fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB) und im allerschlimmsten Fall fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) denkbar.

Muss der Vater informiert werden?

Die Ausführung der elterlichen Sorge betrifft grundsätzlich auch nach der Scheidung beide Eltern, es sei denn, das Sorgerecht wäre bei der Scheidung in ein alleiniges Sorgerecht umgewandelt worden.

Ich gehe aber mal davon aus, dass auch nach der Scheidung beide Partner das Sorgerecht weiter gleichberechtigt ausüben. Wenn dem so ist, müssten sie bei Angelegenheiten, die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind den Vater über das geplante Vorgehen informieren und mit ihm abstimmen (§ 1687 Abs. 1 S. 1 BGB).

Wenn Sie in Ihrem Fall eine Abstimmung nicht möchten, sehe ich bei einer urlaubsbedingten Abwesenheit keine unbedingte Notwendigkeit den Vater zu informieren.

Denn sogenannte „Angelegenheiten des täglichen Lebens", kann der Ehegatte, bei dem das Kind lebt, alleine entschieden. Ein Urlaub wird zu den Angelegenheiten des täglichen Lebens gezählt.

Auch bei dieser Abgrenzung entscheidet wieder der Einzelfall, sodass eine abschließende Beurteilung nicht möglich ist. Wenn Sie aber regelmäßig in Urlaub fahren, und der Sohn schon einmal für längere Zeit alleine geblieben ist, spricht viel für eine Entscheidung des täglichen Lebens.

Ein weiterer Lösungsansatz, der für Sie eventuell eine Lösung seien, könnte, ist die Übertragung Ihrer Aufsichtspflicht auf eine andere Ihnen vertraute Person.

Die Übertragung kann durch Vertrag oder auch durch schlüssiges Verhalten (konkludent) erfolgen. Dieser Vertrag kann mit dem Aufsichtsbedürftigen oder mit dem Dritten geschlossen werden. Inhalt kann auch eine sporadische Überwachung- bzw. Kontrolle des Kindes sein. So sollte in jeden Fall das Kind einen Ansprechpartner haben, welcher im Notfall oder bei unvorhersehbaren Ereignissen eingreifen bzw. helfen kann.

Dies kann und sollte dann mit den entsprechenden Ge- und Verboten an das Kind kombiniert werden.

Ich hoffe, dass meine Antwort Ihnen eine erste rechtliche Orientierung geben konnte. Bedenken Sie bitte, dass hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände kein abschließender Rat möglich ist.

Sollten Sie noch Fragen haben nutzen Sie bitte die Nachfragmöglichkeit.

Ein gewisses unkalkulierbares Restrisiko bleibt aber für Sie als Erziehungsberechtigte in jedem Fall vorhanden.


Mit freundlichen Grüßen


Christopher Volke
Rechtsanwalt

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