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1200 € Telefonrechnung nach Handydiebstahl

29.03.2017 17:42 |
Preis: ***,00 € |

Vertragsrecht


Beantwortet von


Zusammenfassung:

Beim Verlust eines Handys haftet der Kunde, im Hinblick auf durch ungerechtfertigte Nutzung entstehende Gebühren, in der Regel für Vorsatz und Fahrlässigkeit. Es sollte eine sofortige Meldung an den eigenen Mobilfunkanbieter erfolgen.

Ich absolviere derzeit ein Praktikum in Deutschland. Am 10. Januar gegen 5:00 Uhr morgens wurde mir (am Ende eines Kurzurlaubs) in Barcelona mein Mobiltelefon gestohlen. Direkt nach dem Diebstahl musste ich mein Flugzeug erreichen und mir einen neuen Boarding Pass organisieren, da dieser auf dem Smartphone gespeichert war. Bis ich Zeit und Gelegenheit hatte meinem Provider (Mobilcom debitel) zu informieren (nach dem Flug, am Nachmittag des 10. Januar), hatte der Dieb bereits für ca. 1200€ telefoniert. Besteht eine Möglichkeit, dass ich die durch den Dieb entstandenen Telefonkosten nicht bezahlen muss?
Ich habe bei Mobilcom Debitel einen zweijahres Vertrag (Smart Surf Vodaphone) mit 1 Gb Datenvolumen und 50 frei Minuten und 50 frei SMS.

29.03.2017 | 19:47

Antwort

von


(30)
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28203 Bremen
Tel: 0162 1564371
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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihr Vertrauen in diese Plattform. Ihre Anfrage beantworte ich Ihnen gerne verbindlich wie folgt. Vorliegend handelt es sich um eine unbefugte Nutzung Ihres Mobiltelefons.

Hierzu besagen die Mobilcom-Debitel AGB folgendes

"7.3 Der Kunde haftet bis zur Verlustmeldung bei der mobilcom-debitel für die bis dahin angefallenen Gebühren, es sei denn, er hat den Verlust nicht zu vertreten. Unterlässt der Kunde die unverzügliche Meldung, haftet er für Schäden, die bei rechtzeitiger Meldung vermieden worden wären."

Ich gehe davon aus, dass die AGB auch Ihren Vertrag zu Grunde liegen. Dieses müsste jedoch an Hand Ihrer Unterlagen überprüft werden.

Es kommt auf die Einzelheiten des Diebstahls an. Zu vertreten haben Sie Vorsatz und Fahrlässigkeit, wobei in Ihren Fall lediglich Fahrlässigkeit in Betracht kommt. Fahrlässig handelt derjenige der die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außeracht lässt (vgl. § 276 BGB )
Wenn das Handy durch Sie zum Zeitpunkt des Diebstahls sicher getragen wurde (beispielsweise in der Vordertasche Ihrer Hose) und dieses lediglich durch einen besonders geschickten Dieb entwendet wurde, könnte man Fahrlässigkeit (und damit Ihr Vertreten müssen) verneinen. Problematisch ist hier jedoch, dass es sich gerade bei Urlaubsorten (Barcelona) häufig um Kriminalitätsschwerpunkte im Bereich Handtaschen/Handydiebstahl handelt. Um jegliche Fahrlässigkeit zu verneinen bedarf es daher einer besonderen Aufmerksamkeit. Dieser besonderen Aufmerksamkeit steht der (erfolgreiche) Diebstahl entgegen.
Weiterhin müssten Sie unverzüglich eine Kartensperrung eingeleitet haben. Unverzüglich bedeutet hier, ohne schuldhaftes Zögern. (vgl § 121 BGB ) Der Maßstab wird insofern relativ eng gesehen. Allerdings handelt es sich um einen auslegungsbedürftigen Rechtsbegriff, so dass am Ende viel auf den Einzelfall (und einen eventuell entscheidenden Richter) ankommt.
Grundsätzlich ist hier der Maßstab zur Sperrung einer (gestohlenen) Giro/Kreditkarte übertragbar. In der bekannten Rechtsprechung melden sich jedoch Kunden oft erst am Folgetag oder später. Eine Meldung bis zu 10 Stunden nach dem Diebstahl sehe ich (mit gewissen Prozessrisiko) noch als unverzüglich an.

Ich rate daher zu folgenden Vorgehen.

1. Widersprechen Sie den nicht durch Sie verursachten Telefongebühren gegenüber Ihren Anbieter.
2. Stellen Sie (wenn noch nicht geschehen) Anzeige gegen unbekannt. Zwar ist ein Auffinden des Diebes sehr unwahrscheinlich. Ihre Ausführungen gewinnen jedoch hierdurch an Glaubwürdigkeit.
3. Informieren Sie den Telefonanbieter (wenn noch nicht geschehen) kurz über die Einzelheiten und verlangen Sie einen Einzelverbindungsnachweis. Berufen Sie sich bei Auffälligkeiten auf dem Einzelverbindungsnachweis (1200 € in wenigen Stunden sind schon sehr auffallend) auf das Urteil des LG Berlins vom 20.11.2012, Aktenzeichen 9 O 177/12 .

Bitte beachten Sie jedoch:

Je nach Diebstahlssituation ist ein fahrlässiger Verlust gegeben, auch die Zeit zur Meldung liegt an der Grenze einer unverzüglichen Meldung. Insbesondere hätten Sie eventuell eine Kartensperrung durch Freunde/Bekannte vor Ort (beziehungsweise in Deutschland) erzielen können. Auslegungsbedürftige Rechtsbegriffe tragen stets ein gewisses Prozessrisiko in sich. Zumindest wenn die Telefongesellschaft sich nicht durch den oben erörterten Weg überzeugen lässt sollte daher ein Anwalt vor Ort aufgesucht werden, welcher auch die Einzelheiten des Diebstahls erörtern kann. Wenn Sie die Gebühren bereits bezahlt haben (und die Telefongesellschaft eine Rückzahlung verweigert) müssten Sie gegen diese klagen.

Gerne können Sie alternativ, wenn möglich, insbesondere den Diebstahl jedoch auch im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion kurz schildern. Dieses würde mir bei einer Einschätzung des Prozessrisikos helfen.
Als kurzer Nachtrag: Bei Schilderung des Sachverhalts kann man sich in der Regel mit der Telefongesellschaft zumindest auf eine (deutlich geringere) Teilzahlung einigen. So vermeiden beide Parteien ein Prozessrisiko. Auch insofern stehe ich Ihnen gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Mario Kroschewski
Rechtsanwalt


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