Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.252
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

§ 201a StGB: Unerlaubte Bildaufnahmen im Jahr 2003, Verfahren eingestellt


| 09.11.2005 22:29 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Schwester hat ein ziemlich großes Problem.

Sie ist als Azubi bei einer bekannten Baufirma beschäftigt. Da sie die einzige Frau in der Industriemechanik ist, wird der Umkleideraum von ihr und ihren Kollegen benutzt. Alles kein Problem.

Allerdings kam im September 2005 heraus, dass ihr Meister eine Kamera im Spint installiert hatte, um unerlaubte Bildaufnahmen von meiner Schwester beim Umziehen zu machen. Sie war vollständig entkleidet und hatte keine Ahnung von diesen Aufnahmen. Die Bänder, die in dem Spint waren, hat sie gesehen und konnte daraufhin abschätzen, dass die Bilder von 2003 sind. Sofort hat sie Strafanzeige bei der örtlichen Polizei gemacht. Der Meister hat sich offenbar an den Bändern sexuell erregt und sich selbst befriedigt.

Nun hat meine Schwester Post von der Staatsanwaltschaft bekommen, dass das Verfahren eingestellt wird, da zum Zeitpunkt der gefundenen Aufnahmen (2003) dieses Filmaufnahmen noch nicht strafbar waren. Uns bleibt also nur noch der Weg der Beschwerde.

Gern würde ich die Beschwerde für sie schreiben, da wir räumlich sehr getrennt leben, sie noch mitten auf einem Lehrgang ist und sich schriftlich nicht gut ausdrücken kann. Des Weiteren ist es wohl offensichtlich, dass die Kamera über 2 Jahre lang installiert war. Dem zu Folge wurden mit Sicherheit weitere Aufnahmen gemacht, die aber höchstwarscheinlich vernichtet wurden, weil der Meister einen Tipp von einem Kollegen über die bevorstehende Strafanzeige bekommen hat. Viel schlimmer ist noch, dass der gesamte Vorstand der Firma das Video gesehen hat, und einige Kollegen auch. Jetzt mag sie auch nicht mehr gern arbeiten, weil fast alle sie schon nackt gesehen haben. Dem Meister wurde gekündigt.

Daher meine Fragen: Wie kann man den Meister trotzdem drankriegen? Es kann doch nicht sein, dass er nicht verurteilt /bestraft wird, nur weil es die Straftat zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab? Beweise gibt es zu genüge. Vielleicht greift da ein anderer Paragraph?

Kann ich als Bevollmächtigte Akteneinsicht beantragen? Und, viel wichtiger, die Beschwerde einreichen?

Vielen Dank für Ihre Mühe.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Fragen möchte ich im Rahmen dieser Erstberatung wie folgt beantworten:

1. Falls die Taten des Meisters vor dem 06.08.2004 begangen worden sind, kann er sich jedenfalls nicht nach § 201a StGB strafbar gemacht haben, da dieses Strafgesetz erst seit dem 06.08.2004 gilt. Im Strafrecht gilt das Rückwirkungsverbot, vgl. § 1 StGB. Danach kann eine Tat nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde.

Möglich wäre für frühere Taten nur eine Strafbarkeit nach Strafgesetzen, die schon damals galten. Als "Konkurrenznorm" kommt hier § 33 KunstUrhG in Betracht. Dieser lautet:
Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
entgegen den §§ 22, 23 ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt.

Ein öffentliches Zurschaustellen dürfte hier zweifelhaft sein; hingegen dürfte das Merkmal "verbreiten" vorliegen. Eine Anwendung von § 33 KunstUrhG ist hier (im Rahmen dieser ersten kursorischen Prüfung) meiner Meinung nach möglich; zumindest hätte der Einstellungsbeschied des StA auf diese Norm eingehen sollen. Es lohnt sich also im Rahmen der Beschwerde darauf hinzuweisen.

Neben dem Strafrecht kann Ihre Schwester gegen den Meister auf dem Zivilrechtsweg vorgehen und Schadenersatz wegen Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts verlangen.

2. Sie selbst können nicht Akteneinsicht beantragen (auch nicht als Bevollmächtigte). Dieses Recht kann nach § 406e Abs. 1 StPO nur ein Rechtsanwalt für den Verletzten ausüben.
Möglich ist nach § 406e Abs. 5 StPO daneben eine Erteilung von Auskünften und Abschriften an den Verletzten selbst (allerdings mit Einschränkungen).

3. Ob Sie als Bevollmächtigte Beschwerde einreichen können, richtet sich danach, inwieweit man das Beschwerderecht des Verletzten als ein höchstpersönliches ansieht oder nicht. Ich würde Ihnen aus anwaltlicher Vorsicht empfehlen, die Beschwerdeschrift in jedem Fall von Ihrer Schwester unterschreiben zu lassen, so dass die Beschwerde also von der Verletzten selbst eingelegt wird. Formulieren können Sie die Schrift. Weisen Sie in Ihrer Beschwerdeschrift in jedem Fall auf die Vorschrift des § 33 KunstUrhG hin.

Falls Sie anwaltliche Unterstützung bei der Anfertigung der Beschwerdeschrift benötigen, so können Sie sich auch an mich wenden.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan André Schmidt, LL.M.
Rechtsanwalt


Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"ich bin sehr zufrieden, allerdings etwas enttäuscht von der Rechtslage. "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60124 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Meine Frage wurde verständlich und ausführlich beantwortet. Vielen herzlichen Dank! ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
Klar und unumwunden im Ganzen zu empfehlen ! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antworten auf meine Fragen waren ausführlich und verständlich. ...
FRAGESTELLER