Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
472.814
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

internes Veranstalter-Abrechnungsmodell für gewerbliche Eintrittkartenvermittlung


13.12.2013 19:10 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle



Hallo,

angenommen jemand betreibt gewerblich eine Eintrittskartenvermittlung (Onlineshop), also dasselbe was Eventim oder die Reisebüros machen. Es handelt sich ausschließlich um "Print@Home" Etickets die per Email als PDF-Datei an die Kunden versendet und vom Kunden selbst zuhause ausgedruckt werden.

Die Kunden erhalten vom Vermittler nur das Ticket ohne Preisaufdruck und einen Kaufbeleg (das Wort "Rechnung" wird auf diesem Beleg nicht erwähnt!), wo keine USt. ausgewiesen ist. Im Onlineshop steht nur das im Preis die gesetzliche USt. enthalten ist. So wird dies auch von Eventim und Reisebüros gehandhabt.

Im Onlineshop steht direkt unter der Kartenauswahl sowie auf dem Kaufbeleg der Text: "______.DE ist nicht selbst Veranstalter des angebotenen Veranstaltung. Die Veranstaltung wird durch den Veranstalter durchgeführt, der auch Aussteller der Tickets ist. ______.DE vertreibt die Tickets im Auftrag des jeweiligen Veranstalters als Vermittler. Der Firmenname des Veranstalters ist auf dem Ticket aufgedruckt. Mit der Bestellung von Tickets beauftragt der Kunde ______.DE mit der Abwicklung des Kartenkaufes einschließlich Lieferung per Email."

(Nebeninfo: In der EÜR selbst wird nur die Provisionseinnahme gebucht, da die Ticketeinnahmen Umsätze "auf fremde Rechnung" sind und daher keine Betriebseinnahmen des Vermittlers sind.)

Wie sieht jedoch die interne Abrechnungsvorlage (Auszahlungsabrechnung) seitens des Vermittlers an den Veranstalter aus?

Szenario a:

Veranstaltung in Österreich
Veranstalter hat Firmensitz in Österreich
Vermittler hat Firmensitz in DE
Vermittler und Veranstalter haben eine USt.-IdNr.
Ticketvermittlung (also Verkauf) in DE
Es gilt für die Veranstaltung der ermäßigte AT-USt.-Satz von 10%
Kunden-Verkaufspreis beträgt 100,- Euro pro Ticket

Modell für Auszahlungsabrechnung seitens des Vermittlers an den Veranstalter

5x Tickets je 100,- Euro = 500,- Euro brutto (enthält 10% AT-USt.) / EUR 454,55 netto
Gesamtbetrag: 500,- Euro brutto (enthält 10% AT-USt.) / EUR 454,55 netto
(Veranstalter ist USt. zahlungspflichtig)

abzüglich:

8% Provisionsbetrag vom Nettobetrag für Vermittlerdienstleistung (Tickets) in Deutschland für oben aufgeführte
Veranstaltung von EUR 454,55 = EUR 36,36

Gesamtbetrag Provision: EUR 36,36 (0% MWSt. - Steuerschuld verlagert beim Empfänger)
Auszahlungsbetrag: EUR 463,64

Der Auszahlungsbetrag wird auf folgende Bankverbindung überwiesen:
xxxxxxxxxx

*************************************************************

Szenario b:

Veranstaltung in DE
Veranstalter hat Firmensitz in DE
Vermittler hat Firmensitz in DE
Vermittler und Veranstalter haben eine USt.-IdNr.
Ticketvermittlung (also Verkauf) in DE
Es gilt für die Veranstaltung der ermäßigte DE-USt.-Satz von 7%
Kunden-Verkaufspreis beträgt 100,- Euro pro Ticket

Modell für Auszahlungsabrechnung seitens des Vermittlers an den Veranstalter

5x Tickets je 100,- Euro = 500,- Euro brutto (enthält 7% USt.) / EUR 467,29 netto
Gesamtbetrag: 500,- Euro brutto (enthält 7% USt.) / EUR 467,29 netto
(Veranstalter ist USt. zahlungspflichtig)

abzüglich:

8% Provisionsbetrag vom Nettobetrag für Vermittlerdienstleistung (Tickets) in Deutschland für oben aufgeführte
Veranstaltung von EUR 467,29 = EUR 37,38

Gesamtbetrag Provision: EUR 37,38 zzgl. 19% USt. EUR 7,10 = EUR 44,48 (Vermittler ist USt. zahlungspflichtig)
Auszahlungsbetrag: EUR 455,52

Der Auszahlungsbetrag wird auf folgende Bankverbindung überwiesen:
xxxxxxxxxx

*************************************************************

Frage: ist dies alles so OK aus steuerrechtlicher - und vor allem umsatzsteuerlicher - Sicht?
Wenn nicht: welche Fehler sind in dem Abrechnungsmodell ersichtlich? Bitte veröffentlichen Sie in diesem Fall ein korrigiertes Abrechnungsbeispielmodell.

Was mir bereits bekannt ist (und nicht noch einmal in der Antwort thematisiert werden braucht) das nur der Veranstalter den ermäßigten USt.-Satz anwenden kann, deshalb wurde - in Zusammenarbeit und Absprache mit dem Veranstalter - das obige Vermittlungsmodell konstruiert, damit ein "Verkauf auf fremde Rechnung" möglich ist.

Einsatz editiert am 14.12.2013 10:49:14
Eingrenzung vom Fragesteller
13.12.2013 | 19:16
Eingrenzung vom Fragesteller
14.12.2013 | 10:48
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, welche ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes im Rahmen einer ersten rechtlichen Einschätzung wie folgt beantworte:

Zu Ihrem Szenario a)
Seit 1. Januar 2010 gilt als Grundregel, dass Leistungen an Unternehmen für das Unternehmen dort steuerbar sind, wo der Leistungsempfänger (Auftraggeber) seinen Sitz hat, beziehungsweise wenn die Leistung an eine Betriebsstätte ausgeführt wird, wo diese ihren Sitz hat.
Aus Ihrer Sicht erbringen Sie also Ihre Dienstleistung gegenüber Ihrem Auftraggeber nicht in Deutschland, sondern in Österreich. Dies hat zur Folge, dass Sie die Rechnung mit entsprechender österreichischen Mehrwertsteuer belegen müssten und diese in Österreich an die Finanzbehörden abführen müssten.
Soweit es sich um Leistungen im EU Ausland handelt, gilt auf Basis der europäischen Mehrwertsteuersystem-Richtlinie in allen Mitgliedstaaten der EU beim Bezug von Leistungen, die der genannten Grundregel unterfallen, die sogenannte Reverse-charge-Regelung angewendet wird. Danach berechnet der Leistungsempfänger auf der Grundlage des anzuwendenden Steuersatzes seines Landes die Steuer selbst, deklariert den Betrag gegenüber seinem Finanzamt und zieht ihn unter den allgemeinen Voraussetzungen als Vorsteuer ab. Der Ausweis ausländischer Umsatzsteuer beziehungsweise die umsatzsteuerliche Registrierung des deutschen Dienstleisters im Ausland ist daher nicht erforderlich.
Das gilt allerdings nur, wenn Ihr Auftraggeber Unternehmer im Sinne des § 2 UStG ist und Sie das im Notfall auch durch entsprechende schriftliche Bestätigung des Bundeszentralamts für Steuern nachweisen können (regelmäßig reicht ein „screenshot" der entsprechenden Website mit der benötigten Auskunft nicht aus).
Ihre Darstellung ist also insoweit richtig.

Zu Ihrem Szenario b)…
Auch hier sind Sie folgerichtig vorgegangen. Es handelt sich um eine steuerbare Leistung im Sinne von § 1 UStG. Sie vereinnahmen für Ihren Auftraggeber, für die vermittelten Leistungen die Entgelte von den Dritten und leiten diese nach entsprechender Abrechnung und Abzug Ihrer vereinbarten Provision an diesen weiter.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine andere Frage hinweisen. http://www.frag-einen-anwalt.de/forum_topic.asp?topic_id=204900&rechtcheck=2 es geht um die geschäftsmäßige Vereinnahmung von Fremdgeldern ohne entsprechende behördliche Erlaubnis. Sie sollten aber darauf eingestellt sein und Ihre Verträge entsprechend anpassen.

Bitte beachten Sie dass, soweit es sich nicht um einen Leistungsempfänger in einen EU Staat handelt, diese Regelung nicht greift. So ist zum Beispiel auch in der Schweiz der Dienstleistungsempfänger Steuerschuldner für die meisten der an ihn von ausländischen Unternehmern erbrachten sonstigen Leistungen (sog. Bezugsteuer). Also vergleichbar mit Ihrem Szenario a.

Bedenken Sie bitte, dass jede Ergänzung des Sachverhalts zu einer veränderten rechtlichen Beurteilung führen kann.

Ich stehe Ihnen im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion sowie gegebenenfalls für eine weitere Interessenwahrnehmung gern zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Andreas Wehle

Wilhelmstr. 90
52070 Aachen

tel.: +49 (0)241 538 099 48
fax: +49 (0)241 538 099 489
email: info@rechtsanwalt-andreaswehle.de
web: www.rechtsanwalt-andreaswehle.de

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 58398 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Trotz für mich ungünstiger Prognose war die Antwort sehr hilfreich und verständlich. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Einfach Spitze! Sehr kompetent... Immer wieder...! ...
FRAGESTELLER
4,2/5,0
Vielen Dank für Ihre Einschätzung meiner Situation. Ihre Beurteilung hat mir sehr geholfen. Der Vermieter (Wohngenossenschaft) ist stark zurück gerudert. Wir entfernen nur noch Tapteten in einem Raum anstatt in 3 Räumen :-) ...
FRAGESTELLER