DE Frage geschrieben am 04.12.2005 18:07:00

Betreff: Zusätzliche Kosten bei Reparatur im Rahmen der Gewährleistung


Rechtsgebiet: Kaufrecht
Einsatz: € ***
Status: Beantwortet
Aufrufe: 4482
Vor weniger als 6 Monaten habe ich einen Gebrauchtwagen vom Händler gekauft. Nun stellte ich fest, daß die zum Dieselmotor standardmäßig gehörende Zusatzheizung bei Ausßentemperaturen unter 4 Grad nicht funktioniert. Dies wurde von einem ortsansässigen Vertragshändler bestätigt. Der Verkäufer aber befindet sich über 200km entfernt und besteht darauf, daß das Fahrzeug zur Begutachtung und ggf. Reparatur gebracht wird.
Wer hat lt. Gesetz die Kosten für diese Anfahrt zu tragen? (Benzin, Zeitaufwand, Reisekosten)
Falls die Kosten vom Verkäfer zu tragen sind, kann ich auf Abholung des Fahrzeugs durch den Verkäufer bestehen?
Welche Möglichkeiten der Argumentation bestehen für mich, um den Händler außergerichtlich zu überzeugen?
Herzlichen ank für Ihre Bemühungen.


Antwort geschrieben am 04.12.2005 20:04:47
Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger
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Sehr geehrter Ratsuchender,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich aufgrund des mitgeteilten Sachverhalts wie folgt beantworten möchte:

Nach § 439 Abs. 2 BGB hat der Verkäufer einer mangelhaften Sache die zum Zwecke der Nacherfüllung erforderlichen Aufwendungen, insbesondere die Transport-, Wege-, Arbeits- und Materialkosten zu tragen. Hiernach muss der Gebrauchtwagenhändler grds. auch die durch den notwendigen Transport des Fahrzeuges entstehenden Kosten übernehmen. Da Erfüllungsort der Nacherfüllung dort ist, wo sich die Kaufsache befindet, auch wenn sie vom Käufer geholt wurde (AG Menden NJW 2004, 2171), muss der Gebrauchtwagenhändler das Fahrzeug weiterhin bei Ihnen abholen, es sei denn in den AGB´s wurden hierzu abweichende Vereinbarungen getroffen. Sehen die AGB´s vor, dass der Käufer das Fahrzeug im Falle einer Reparatur zu dem Händler zu bringen hat, dann könnten Sie die Ihnen entstanden Transportkosten gem. § 256 BGB ersetzt verlangen.

Sind die Transportkosten allerdings unverhältnismäßig hoch, ist der Verkäufer nach § 439 Abs. 3 BGB berechtigt, die Reparatur abzulehnen. Unverhältnismäßig hoch werden die Kosten jedenfalls dann sein, wenn sie den Wert des Fahrzeuges (in mangelfreiem Zustand) übersteigen. Das LG Ellwangen (NJW 2003, 517) bejaht die Unverhältnismäßigkeit bereits dann, wenn die Kosten 20 % des Fahrzeugwertes betragen.

Sie sollten den Gebrauchwagenhändler daher zunächst unter Hinweis auf § 439 Abs. 2 BGB aufordern, die Reparatur unter Übernahme der Transportkosten durchzuführen. Ist feststellbar, dass die Voraussetzungen des § 439 Abs. 3 BGB (Unverhältnismäßigkeit der Kosten) vorliegen, werden Sie einen Ersatz der Transportkosten jedoch nicht verlangen können.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen zunächst weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Jutta Petry-Berger
Rechtsanwältin


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