DE Frage geschrieben am 08.06.2009 18:05:47

Betreff: Geblasen 1,81 auf dem Fahrrad - Auto leicht geschrammt was passiert??


Rechtsgebiet: Verkehrsrecht
Einsatz: € ***
Status: Beantwortet
Aufrufe: 1528
Hallo ich habe mit einem AAK wert von 1,81 mit dem Fahhrad ein Auto geschrammt, ich habe die Tat abgestritten. Jedoch bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher ob ich es doch war.
Es sind nämlich zwei Zeigen vorhanden die mich geshen haben. Diese sagten bei der Polizei aus dass ich gefahren bin.
Am Fahrzeug selbst ist ein geringer Schaden entstanden, das kann ich ohne Gericht regeln.
So ich möchte gerne wissen was mir passiert.
Weiteres Problem ist, dass ich im April 2007 den Führerschein wegen 1,5 Promille (mit Auto) für sieben Monate abgeben musste.


Antwort geschrieben am 08.06.2009 18:47:55
Rechtsanwältin & Fachanwältin für Verkehrsrecht Ute Bildstein
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Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Frage möchte ich unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsangaben und Ihres Einsatzes wie folgt beantworten:

1.
Zunächst einmal haben Sie sich auf jeden Fall gem. § 316 StGB wegen Trunkenheit im Verkehr strafbar gemacht. Dieser Straftatbestand ist erfüllt, wenn ein Fahrzeug, also auch ein Fahrrad, im Straßenverkehr geführt wurde, obwohl der Fahrer infolge des Genusses alkoholischer Getränke nicht in der Lage war, das Fahrzeug sicher zu führen.

Für Radfahrer hat die Rechtsprechung als Grenze für die absolute Fahruntüchtigkeit einen Blutalkoholwert von 1,6°/oo festgesetzt, den Sie überschritten haben.

2.
Möglich wäre in Ihrem Fall aber auch eine Strafbarkeit wegen Gefährdung des Straßenverkehrs gem. § 315c StGB.

Die Voraussetzungen sind mit einer Trunkenheitsfahrt identisch, zusätzlich muß allerdings durch die Trunkenheitsfahrt entweder Leib oder Leben eines Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet worden sein.

Der BGH hat mit Beschl. vom 29.4.2008 zur immer wieder problematischen Frage der Behandlung von Gefährdungen von Sachen von bedeutendem Wert Stellung bezogen. So muß über den Gesetzeswortlaut hinaus der fremden Sache von bedeutendem Wert auch ein bedeutender Schaden gedroht haben. Es sind daher stets zwei Prüfschritte erforderlich, zu denen im Strafurteil entsprechende Feststellungen zu treffen sind: Zunächst ist zu fragen, ob es sich bei der gefährdeten Sache um eine solche von bedeutendem Wert handelt, was etwa bei älteren oder bereits vorgeschädigten Fahrzeugen fraglich sein kann. Handelt es sich um eine Sache von bedeutendem Wert, so ist in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob ihr auch ein bedeutender Schaden gedroht hat, wobei ein tatsächlich entstandener Schaden geringer sein kann als der maßgebliche Gefährdungsschaden. Der Grenzwert für Sachwert und Schadenshöhe ist einheitlich zu bestimmen und lag hier zu den Gefährdungszeitpunkten bei mindestens 750 € (BGHSt 48, 14, 23).

Ob eine Sache von bedeutendem Wert hier gefährdet wurde, kann nicht abschließend geklärt werden.

3.
Da auf jeden Fall eine Trunkenheitsfahrt gem. § 316 StGB vorliegt, haben Sie eine Geldstrafe zu erwarten. Etwas anderes gilt auch nicht, wenn § 315c StGB bejaht werden sollte, nur dass in diesem Fall die Geldstrafe etwas höher ausfallen dürfte.

Ein Führerscheinentzug mit Sperre durch das Strafgericht ist nicht möglich, da Sie mit einem Fahrrad unterwegs waren und nicht mit einem Kraftfahrzeug.

Allerdings wird die Führerscheinstelle von der neuerlichen Trunkenheitsfahrt informiert mit der Konsequenz, dass die Fahrerlaubnisbehörde Ihre Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges überprüfen wird und Sie auffordern wird, eine MPU zu machen, da Sie mehr als 1,6°/oo Promille hatten. Diese MPU ist gem. § 13 FeV zwingend vorgeschrieben, egal ob Sie mit einem PKW oder mit einem Fahrrad unterwegs waren.
Sollte das Gutachten negativ ausfallen, wird Ihnen der Führerschein entzogen.
Im Rahmen dieses Gutachtens wird auch die Trunkenheitsfahrt von 2007 eine Rolle spielen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine erste Orientierung geben.

Mit freundlichen Grüßen


Ute Bildstein
Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verkehrsrecht





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