DE Frage geschrieben am 27.01.2009 17:28:59

Betreff: Sind bei ehemaligen Kunden E-Mails und Telefonanrufe erlaubt ?


Rechtsgebiet: Internet-, Computerrecht
Einsatz: € ***
Status: Beantwortet
Aufrufe: 1391
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich betreibe seit einigen Jahren u.a. den Online-Verkauf von Handys in Verbindung mit Mobilfunkverträgen über den eigenen Online-Shop.

Im Laufe der Zeit habe ich ca. 2000 E-Mailadresse von Kunden erhalten, die ein Handypaket bestellt haben. Die E-Mailadressen mussten vom Kunden während der Kaufabwicklung angegeben werden, damit den Kunden die erforderlichen Vertragsunterlagen per E-Mail zugesandt werden konnten. Die gewonnenen E-Mailadresse wurden NICHT im Douple Opt-In Verfahren erlangt, sondern wurden einfach nur vom Kunden angegegeben.

Ist es richtig, dass ich Kunden, die sich NICHT im Double-Opt-In angemeldet haben, aber schon einmal in unserem Webshop bestellt haben, weitere E-Mail-Angebote schicken darf, wenn das neue Angebot vermuten lässt, dass es den Kunden interessiert, da er etwa Ähnliches schon einmal bestellt hat ???

Und als zweite Frage: ist es mir erlaubt Kunden, die über unseren Web-Shop schon einmal etwas bestellt haben diese ANZURUFEN und zu fragen, ob Sie wieder Interesse an einem Handyvertrag haben ??

Ich danke Ihnen für die Beantwortung meiner Frage !


Antwort geschrieben am 27.01.2009 18:50:33
Rechtsanwalt LL.M. Christian Mauritz
Eckener Straße 29, 40468 Düsseldorf, Tel: 0211 5866630, Fax: 0211 58666315
Gewerblicher Rechtsschutz, Kaufrecht, Wettbewerbsrecht, Internet und Computerrecht, Vertragsrecht, Medienrecht
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Fragen möchte ich anhand der mitgeteilten Informationen wie folgt beantworten:

1. Werbung gegenüber Verbrauchern unter Verwendung elektronischer Post stellt grds. eine sog. 'unzumutbare Belästigung' im Sinne von § 7 Absatz 2 Nr. 3 UWG dar, die zu Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen insbesondere nach den §§ 8, 9 UWG führen kann.

Gemäß § 7 Absatz 3 UWG ist jedoch eine unzumutbare Belästigung nicht anzunehmen, wenn

- der Unternehmer im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung von dem Kunden dessen elektronische Postadresse erhalten hat (dies ist bei Ihnen der Fall),

- der Unternehmer die Adresse zur Direktwerbung für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen verwendet (auch dies ist bei Ihnen der Fall),

- der Kunde der Verwendung nicht widersprochen hat (dies ist bei Ihnen wohl noch nicht abzusehen) und

- der Kunde bei Erhebung der Adresse und bei jeder Verwendung klar und deutlich darauf hingewiesen wird, dass er der Verwendung jederzeit widersprechen kann, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.

Entscheidend ist vorliegend diese letzte Voraussetzung: Sofern Sie Ihre Kunden - auch schon bei Erhebung der Adresse - darauf hingewiesen haben, dass diese der Verwendung der Adresse zu Zwecken der Werbung widersprechen kann, sind sämtliche Voraussetzungen des § 7 III UWG erfüllt.
Hiervon zu trennen ist die Frage, ob die Erhebung der Adresse im Rahmen eines einfachen oder eines double opt-in Verfahrens erfolgt ist. Das double opt-in Verfahren soll lediglich sicherstellen, dass sich auch die tatsächlichen Inhaber der jeweiligen Adressen eintragen. Dieser Umstand sollte bei den Ihnen vorliegenden Adressen jedoch schon dadurch geklärt sein, dass Sie aufgrund der vorangegangenen Vertragsbeziehungen sicher sein können, dass die jeweiligen Kunden auch tatsächlich Inhaber der jeweiligen Adresse sind.

2. Telefonanrufe gegenüber Verbrauchern sind ohne deren ausdrückliche oder zumindest konkludente Einwilligung unzulässig, vgl. § 7 Absatz 2 Nr. 2 UWG und können ebenfalls Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche insbesondere nach den §§ 8, 9 UWG auslösen. Hier genügt auch keine mutmaßliche Einwilligung bspw. aufgrund eines vorherigen geschäftlichen Kontakts; diese gilt nur in Bezug auf andere Marktteilnehmer, nicht in Bezug auf Verbraucher. Von einem solchen Vorgehen wäre Ihnen daher abzuraten.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen hilfreichen ersten Überblick verschaffen. Bei Unklarheiten nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Mauritz
Rechtsanwalt

Rechtsanwälte Maas & Kollegen
Eckener Straße 29
40468 Düsseldorf

Tel.: 0211 58 666 30
Fax: 0211 58 666 315

mauritz@maasundkollegen.de


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