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Urkundenfälschung + Betrug


| 04.06.2007 01:52 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Fachanwalt für Strafrecht Jens Jeromin




Guten Tag,

folgendes Problem belastet mich:

Ich habe Biermarken für das örtliche Volksfest gefälscht und ca. 16 Stück für den eigenen Gebrauch in Umlauf gebracht.
Die Marken bestanden nur aus bedrucktem Tonpapier.
Der insgesamte entstandene Schaden liegt bei ca. 70 Euro.
Die Marken wurde nur von mir in Umlauf gebracht, bis auf die letzte. Diese hatte ich meiner Freundin gegeben und diese wurde dann dabei erwischt.
Die Polizei hat sie unter Druck gesetzt, bis sie schließlich die Aussage gemacht hat, dass ich die Marken gefälscht habe.

Ich bin heute sofort zum Wirt und habe ihm alles gebeichtet und den Schaden bezahlt. Dieser hat mir dazu eine Rechnung ausgestellt mit Unterschrift etc.

Die Polizei hat bis jetzt keine Aussage von meiner Seite. Ich möchte mich jedoch morgen stellen und die ganze Schuld auf mich laden.
Besteht die Gefahr einer Hausdurchsuchung? (Um die Herstellung herauszufinden?)

Diese Angelegenheit ist aus reiner Dummheit enstanden, nicht aus Profitgier (es wurden keine Marken verkauft) oder sonstigen kriminellen Energien, sondern aus reiner jugendlicher Blödheit.

Nach dem Motto: Es könnte ja gut gehen.

Ich sehe ein das ich da sehr viel Mist gebaut habe, und habe Angst vor dem Urteil.

Ich bin 19 Jahre alt, wohne bei Eltern und bin Student.
Besteht Chance auf Jugendstrafrecht?

Ist ein Urteil zu erwarten das mir einen Eintrag in das polizeiliche Führungzeugnis beschert?



-- Einsatz geändert am 04.06.2007 01:52:57
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 276 weitere Antworten zum Thema:
04.06.2007 | 06:51

Antwort

von

Rechtsanwalt Fachanwalt für Strafrecht Jens Jeromin
173 Bewertungen
Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Da eine Wohnungsdurchsuchung massiv in Grundrechte eingreift, ist sie nur in Ausnahmeällen angezeigt und erforderlich. In Ihrem Fall wäre sie unverhältnismäßig.

Im Alter von 19 Jahren sind Sie rechtlich gesehen ein "Heranwachsender" für den das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen kann, zumal Ihre Tat sich durchaus als jugendtypische Verfehlung bezeichnen lässt. Ein weiteres Merkmal ist Ihre Persönlichkeitsentwicklung und- struktur, die ich aus der Ferne naturgemäß nicht beurteilen kann, so dass ich eine deutliche Chance für die Anwendung des Jugendstrafrechts sehe, dies aber nicht abschließend zu beurteilen vermag.

Selbst wenn man Sie nach dem Erwachsenensttrafrecht verurteilen würdc, käme eine Verurteilung, die zum Eintrag in Führungszeugnis führen würde, nicht in Betracht. Dazu müsste eine Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen ausgeurteilt werden.

Diese werden Sie nicht erreichen und dürften nach vorsichtiger Schätzung bei 30-60 Tagessätzen liegen.

Ich hoffe Ihnen auf diesem Weg eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 04.06.2007 | 12:53

Guten Tag,

ich hoffe ich überstrapaziere jetzt nicht ihre Geduld, jedoch hätte ich noch zwei Frage.

Nach was richtet sich denn ob eher das Jugendstrafrecht angewandt wird als das Erwachsenenstrafrecht.

Spricht für das Jugendstrafrecht, dass der Täter in einem sozial stabilen Umfeld lebt, Perspektiven hat und emsig seinem Studium nachkommt? Oder lässt das eher auf Erwachsenenstrafrecht schließen?


Wenn der Täter aus meinem ersten Beitrag, jetzt keine weiße Weste hätte, sondern schon zwei Einträge wegen Ladendiebstahl bzw. randalieren unter Vollrausch hätte und 20 Jahre alt ist.
Jedoch genauso studiert, zuhause wohnt und ein normales sozial Umfeld hat.
Hätte diese Person eine wesentlich höhere Strafe nach Erwachsenenstrafrecht zu erwarten? Knackpunkt ist hier ob er über die 90 Tagessätze verurteilt werden kann.

Ich danke Ihnen für ihre Mühe und ihre Kompetenz.
Leider fehlt mir im Moment das Geld einen neuen Beitrag zu eröffnen.


Gruß

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.06.2007 | 13:20

Sehr geehrter Fragesteller,

der Mindesteinsatz in Höhe von 20 € ist für eine Frage gedacht. Mit Rücksicht auf Ihre Situation habe ich bereits drei Fragen beantwortet, daher nun in aller Kürze:

Für die Anwendung von Jugendstrafrecht auf Heranwachsende kommt es auf den § 105 JGG an:

§ 105 JGG

Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende

(1) Begeht ein Heranwachsender eine Verfehlung, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist, so wendet der Richter die für einen Jugendlichen geltenden Vorschriften der §§ 4 bis 8, 9 Nr. 1, §§ 10, 11 und 13 bis 32 entsprechend an, wenn 1.
die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder
2.
es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.

Das Wohnen bei sowie wirtschaftliche Anhängigkeit von den Eltern ist eher jugendtypisch, ein zielgerichtetes Studium gleicht eher einem Erwachsenen- hier ist aus der Ferne keine eindeutige Zuordnung möglich.

Unter dem Strich gehe ich hier aber weiterhin von einer jugendtypischen Verfehlung nach Nr. 2 aus.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich für den Mindesteinsatz nicht auch noch auf die erst in der Nachfrage aufgeworfene Fallvariante eingehen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Jeromin
Rechtsanwalt

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ANTWORT VON
Rechtsanwalt Fachanwalt für Strafrecht Jens Jeromin
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