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falsche Diagnose und Behandlungsfehler


15.12.2009 23:07 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Sehr geehrtes Anwalts-Team,

wir benötigen in nachfolgendem Sachverhalt die objektive Einschätzung eines erfahrenen Rechtsanwalts, um grundsätzlich auch die Erfolgsaussichten hinsichtlich einer Klage beurteilen zu können:

Im Februar diesen Jahres suchte unsere Tochter (21 Jahre) ihre behandelnde Allgemeinmedizinerin auf, da sie im Bereich zwischen Ohr und Kiefernmuskel der linken Gesichtshälfte einen deutlich abgegrenzten, beweglichen und relativ harten „Knubbel“ ertastet hatte, der allerdings keine Beschwerden verursachte. Der Tastbefund lieferte keinen Hinweis, so dass die Ärztin eine MRT-Untersuchung als weiteres Diagnosehilfsmittel in Anspruch nehmen wollte. Bevor unsere Tochter die Praxis verlies, wurde von der Ärztin allerdings noch ein Kollege der Praxisgemeinschaft zu Rate gezogen, ein Dozent mit Lehrtätigkeit. Dieser ertastete flüchtig den Knoten, vermutete „mit Sicherheit“ einen verkalkten Lymphknoten und überwies unsere Tochter an einen Chirurgen. MRT wurde nicht durchgeführt.

In Vorbereitung der ambulanten OP wurde vom Chirurgen ebenfalls ausser einem kurzen Abtasten des Knotens keine weitere Untersuchung vorgenommen. Am 3.März wurde der Knoten in einer ambulanten OP ohne Komplikationen entfernt.

Ca. 3 Monate später ertaste unsere Tochter im gleichen Gebiet wieder einen Knoten, der innerhalb weniger Wochen deutlich an Umfang und Festigkeit zunahm.
Erneut der Gang zum behandelnden Allgemeinmediziner (mittlerweile allein in der Praxisgemeinschaft), der wiederum nur flüchtig untersuchte und danach fragte, ob die Patientin denn „mit dem Chirurgen zufrieden gewesen wäre“... denn dann könne sie wieder zum gleichen. Daraufhin verlangte unsere Tochter eine Untersuchung per MRT, die Mitte Oktober durchgeführt wurde. Von den MRT-Ärzten wurde als vermutlicher Befund ein „pleomorphes Adenom der Ohrspeicheldrüse“ angegeben, ein gutartiger Speicheldrüsentumor, der auch entarten kann. Dieser Befund löste beim behandelnden Allgemeinmediziner leichte Unruhe aus, er stellte unserer Tochter mit mitleidigem Blick eine Überweisung ins Universitätsklinikum aus. Dort wurde am 9.12.2009 eine laterale Parotidektomie – teilweise Entfernug der Ohrspeicheldrüse - einschliesslich Entfernung des Knotens, vorgenommen.

Im Vorgespräch mit dem Chefarzt des HNO-Klinkums kristallisierte sich für uns heraus, dass durch den Allgemeinmediziner schwerwiegende Fehler gemacht wurden und die Situation vollkommen verkannt wurde: da er keinen eindeutigen Befund stellen konnte, hätten vor der ambulanten OP weitere Diagnosehilfsmittel herangezogen werden müssen; zwingend Ultraschall, MRT oder die Überweisung an einen HNO-Facharzt. Speicheldrüsentumore sollten niemals ohne ausreichende Diagnostik chirurgisch angegangen werden – weder in diagnostischer noch in kurativer Absicht !!!
Bei der Entfernung des Knotens durch den Chirurgen kam es zu einer Kapselöffnung, d.h. zu einer Tumorzellenverschleppung (Enukleation). Im Klartext bedeutet dies, dass der Chirurg den Tumor zur Aussaat brachte.

Tatsache ist, dass die jetzige OP im Uni-Klinikum auf jeden Fall einzige alternative Behandlungsmöglichkeit des pleomorphen Adenoms ist. Sie sollte aber keine Folgeoperation, sondern sorgfältige Primärtherapie sein. Denn nur dadurch ist gewährleistet, dass der Tumor mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum umliegenden Gewebe entfernt wird und die Wahrscheinlichkeit von Rezidiven statistisch bei 0-2% liegt.

Bei unserer Tochter liegt nach der verkorksten Erstoperation die Rezidivwahrscheinlichkeit bei 46 % und der im Nachgang an die Erst-OP wieder aufgetauchte Knoten ist bereits als solches anzusehen.

Für unsere Tochter bedeutet das, dass sie durch die disseminierte Aussaat ihr Leben lang betroffen ist. Für eine 21-jährige junge Frau eine hohe psychische Belastung. Jeder neu auftauchende Knoten wird operativ entfernt werden müssen, jedes Mal mit erhöhter Komplikationswahrscheinlichkeit, da im Operationsgebiet der Gesichtsnerv verläuft.

Je länger wir darüber nachdenken, was da schiefgelaufen ist, umso größer wird unsere Empörung über das unverantwortliche Verhalten des Allgemeinmediziners. Uns liegt nicht an Entschädigung, denn dafür gibt es keine. Vielmehr sollte der Arzt für seine absolute indiskutable Behandlung zur Verantwortung gezogen werden, egal, wie die nun konkret aussieht.
Als Patient lege ich meine Gesundheit in die Hände eines Arztes in Vertrauen auf bestmögliche Behandlung. Dass in diesem Fall dermassen nachlässig und am Patienten so offensichtlich uninteressiert behandelt wurde, ist inakzeptabel.

Uns würde eine fachliche Einschätzung eines erfahrenen Patientenanwalts interessieren – auch im Hinblick auf ein mögliches gerichtliches Vorgehen gegen den Arzt.

Vielen Dank

16.12.2009 | 00:14

Antwort

von


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Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

zunächst weise ich Sie dararuf hin, dass es sich hier um eine erste rechtliche Orientierung handelt. Bei veränderten Tatsachen kann sich die rechtliche Bewertung erheblich verändern. Die konkrete Prüfung ist ohnehin nur bei Kenntnis sämtlicher relevanter Unterlagen möglich, die naturgemäß nicht im Rahmen einer Erstberatung auf dieser Plattform erfolgen kann.

Hiermit nehme ich zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen unter Berücksichtigung des dargestellten Sachverhaltes und des von Ihnen gesetzten Betrages in Höhe von 60 Euro wie folgt Stellung:

Das Ergebnis vorweg: Die Erfolgsaussichten eines rechtlichen Vorgehens dürften vorbehaltich einer weitergehenden Prüfung zumindest gegen die Ärztin positiv sein. Ob dies auch für den Chirugen gilt, kann so nicht eingeschätzt werden.

Ihre Empörung kann ich sehr gut nachvollziehen und dass Sie Gewissheit haben möchten, ob die Allgemeinmedizinerin und / oder der ambulant operierende Chriung rechtlich belangt werden können. Viele Mandanten, die uns aufsuchen, begehren Gewissheit und dass die verantwortlich Handelnden auch zur Rechenschaft gezogen werden.

Im Rahmen Ihrer Situation stellt sich ausdrücklich die Frage, ob hier ein Fall der Arzthaftung vorliegt. Grundansatz ist, dass dem Patienten in der ärztlichen Behandlung das Schadensrisiko aus seiner Krankheit grundsätzlich verbleiben muss, insoweit als es auch behandlungsfehlerfreie ärztliche Kunst nicht vermeiden kann. Haftungsausgleichung soll nur dasjenige Schadensrisiko finden, das aus schuldhaft fehlerhafter Behandlung erwächst, und zwar begrenzt auf das Risiko, das fehlerfreie ärztliche Behandlung vermieden hätte. Sprich: Haben die Ärzte den Facharztstandard eingehalten? Und falls nein: Hätte die fehlerfreie Behandlung die jetzigen schlimmen Folgen bei Ihrer Tochter vermieden?

1)
Hier kommt bei der Allgemeinmedizinerin als Fall des Behandlungsfehler der sog. Befunderhebungsfehler in Betracht. Der Arzt hat aus dem Behandlungsvertrag nicht nur die erhobenen Befunde zu bewerten, sondern er hat in aller Regel nach ersten Schlussfolgerungen in einem angemessenen zeitlichen Rahmen weitere Befunde zu erheben (Diagnostik). Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die ersten Befunde oder auch nur die Anamnese den Verdacht auf das Vorliegen einer Erkrankung ergeben. Diesen Verdacht hat er mit den hierfür üblichen Befunderhebungen abzuklären, also entweder zu erhärten oder auszuräumen (Ausschlussdiagnostik), um dann zu behandeln und/oder weiteren differential-diagnostisch in Betracht kommenden Möglichkeiten nachzugehen. Maßgebend ist stets, was der medizinische Standard gebietet, nicht, was der mit der Behandlung befasste Arzt im Einzelfall annimmt.

Das umfasst auch, die Maßnahmen zeitlich so rasch durchzuführen, dass dem Krankheitsbild des Patienten Rechnung getragen wird. Grundsätzlich sind erforderliche Maßnahmen so schnell wie möglich durchzuführen und Verzögerungen zu vermeiden, so dass mit Hilfe der gewonnenen Ergebnisse zum Wohl des Patienten möglichst frühzeitig mit einer wirksamen Behandlung begonnen werden kann.

Ob der Facharztstandard es gebietet, dass ein MRT oder Ultraschall zur Abklärung durchführen zu lassen, kann ich Ihnen hier nicht mitteilen, dazu wären weitere Recherchen notwendig. Allerdings haben Sie ja den Hinweis aus dem Uni-Klinik, was den Verdacht konkretisiert, so dass sich eine weitere Abklärung lohnen würde.

Zusätzlich wäre für eine rechtliche Rechenschaft der Ärztin notwendig, dass der Befunderhebungsfehler der Ärztin auch vorwerfbar ist. Ob dies der Fall ist, kann hier nicht beurteilt werden, dazu wären weitere Informationen (insb. Behandlungsunterlagen) notwendig. Im Fall eines Gerichtsprozessses würde dies ein Sachverständiger klären müssen.

2)
Hinsichtlich des Chirugen kommt ein "typischer" Behandlungsfehler in Betracht, indem er den Tumor punktiert hat. Hier dürfte die entscheidende rechtliche Frage sein, ob dies dem Chirugen rechtlich vorzuwerfen ist. Die Rechtsprechung hat dabei klargestellt, dass die Frage des Behandlungsfehlers nicht abstrakt, sondern konkret zu beantworten ist, d.h. eine Behandlung entspricht nur dann den Regeln der medizinischen Wissenschaft, wenn nicht nur die abstrakt anerkannte Heilmethode angewandt wird, sondern konkret alles getan wird, was nach den Regeln und Erfahrungen der medizinischen Wissenschaft zur Bewahrung des Patienten vor körperlichen Schäden getan werden muss.

Eine Klärung der Frage, ob das Verhalten des Chirugen ihm rechtlich vorzuwerfen ist, kann nur nach Sichtung der Unterlagen und unter Zuhilfenahme eines Sachverständigen geklärt werden.

3)
TIPP
Bevor Sie den gerichtlichen Weg einschreiten können, müssen Sie außergerichtlich tätig werden. Unter Umständen ist ein Gerichtsprozess dann auch nicht notwendig, wenn die Haftpflichtversicherung des Arztes einen Behandlungsfehler anerkennt. Insofern ist es ratsam, kompetente anwaltiche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den außergerichtlichen Weg einzuschlagen.

Wir bearbeiten ausschließlich Fälle aus dem Medizin-, Versicherungs- und Sozialrecht und kennen uns somit in Arzthaftungsangelegenheiten aus. Denn wir sind Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema "Gesundheit und Recht".

Wir stehen Ihnen nicht nur lokal und regional, sondern bundesweit als Ansprechpartner zur Verfügung. Aufträge erhalten wir aus ganz Deutschland und wickeln sie mit allen modernen Kommunikationsmethoden schnell und effizient ab.

Prozesse führen wir deutschlandweit an allen Amts-, Land- und Oberlandesgerichten, Gerichtstermine nehmen wir grundsätzlich persönlich wahr. Verfahren vor dem Bundesgerichtshof begleiten wir auf Wunsch sachverständig weiter.

Nehmen Sie bei Interesse Kontakt mit uns auf.


Rechtsanwalt Nikolaos Penteridis
Fachanwalt für Sozialrecht, Fachanwalt für Versicherungsrecht, Fachanwalt für Medizinrecht

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