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Zugewinn und Grundbucheintrag


| 06.10.2017 08:52 |
Preis: 48,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Ich habe in unsere Ehe (ohne Ehevertrag) eine abbezahlte Eigentumswohnung mitgebracht und stehe hierfür alleinig im Grundbuch (also vor der Ehe gekauft). Mittlerweile haben wir Nachwuchs und würden gerne eine größere Immobilie erwerben. Die Differenz können meine Frau und ich aus aktuellem Ersparten aufbringen.

Nun stellt sich die Frage mit dem Grundbucheintrag für die neue größere Immobilie.
Meine Frau nur zu Ihrem (geringen) Anteil eintragen (also z.B. 10%) oder gleichberechtigt mit 50%.

Hätte ich bei einer 50% zu 50% Eintragung im Falle einer Scheidung (was ich nicht hoffen möchte) finanzielle Nachteile oder greift hier immer der Zugewinn, dass ich unabhängig des 50% Grundbucheintrages zumindest den anfänglichen Wert meiner Wohnung erhalten würde (also der Erlös der Immobilie bei einem Not-Verkauf dann nicht 50% zu 50% verteilt wird, sondern nach Zugewinn ab Eheschließung).

Hat ein 50% zu 50% Grundbucheintrag außerdem mögliche Vor- oder Nachteile für die Absicherung unseres Kindes im Falle des Todes eines Elternteils (was ich ebenfalls nicht hoffen möchte). Oder ist es hier nur wichtig, dass meine Frau überhaupt im Grundbuch steht?

Vielen Dank.
06.10.2017 | 09:26

Antwort

von


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Guten Tag,

ich möchte Ihre Anfrage auf der Grundlage der dazu mitgeteilten Informationen wie folgt beantworten:

Sofern Sie keinen Ehevertrag mit abweichenden Regelungen schließen, gilt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wonach alles, was während der Ehe erworben wird, auszugleichen ist.

Der Wert der von Ihnen in die Ehe eingebrachte ETW wird dabei Ihrem Anfangsvermögen zugerechnet.

Soweit es den Zugewinn angeht, hätten Sie bei der 10 zu 90 %-Regelung während der Ehe einen Zugewinn von 90 %, Ihre Frau von 10 %. Die Differenz von 80 % wäre zu teilen, was wieder zu 50 % auf beiden Seiten führt, wobei bei Ihnen das Anfangsvermögen zu berücksichtigen ist.
Es würde dazu führen, dass Ihre Frau wahrscheinlich einen höheren Zugewinn erzielt hat und Ihnen daher einen Ausgleich zahlen müsste.


Im Hinblick auf den denkbaren Eintritt eines Todesfalles einer der Ehepartner würde sich für Ihre Kinder erhebliche Konsequenzen ergeben.

Versterben Sie, wären 90 % des Hauses im Nachlass, verstirbt Ihre Frau, wären es nur 10 %.
Bei hälftiger Grundbucheintragung wären es in beiden Fällen 50 %, die der gesetzlichen Erbfolge unterliegen würden.

Entsprechend hoch oder niedrig ist die Erbmasse, an der die Kinder nach den gesetzlichen Vorschriften teilhaben würden.

Auch insoweit gilt, dass Sie die Erbfolge testamentarisch oder erbvertraglich abweichend regeln können und sollten. Die gesetzlichen Regelungen sind nicht unbedingt zielführend.

Sie sollten gemeinsam mit Ihrer Frau einen Notar aufsuchen, um sich über diese Fragen (Ehevertrag, Testament) beraten zu lassen, falls Sie mit der oben grob skizzierten gesetzlichen Regelung nicht zufrieden sein sollten.


Mit freundlichen Grüßen


Nachfrage vom Fragesteller 08.10.2017 | 14:52

Sehr geehrter Herr Otto,

besten Dank für Ihre Antwort, sie ich leider noch nicht ganz verstanden habe. Ich kann zwischen der 90 zu 10 oder möglichen 50 zu 50 Verteilung keinen Unterschied erkennen, da sie bei 90 zu 10 schreiben, dass es dann wieder zu 50 zu 50 führt.

Ein fiktives Beispiel: Meine Frau hatte vor der Ehe 0 Euro, ich wegen der ETW 100 Euro.
Nun kaufen wir ein Haus für 200 Euro.

Bei 50 zu 50: Zugewinn 100 Euro, beide erhalten 50 Euro. Ich habe dann nach Scheidung 150, meine Frau 50 Euro

Bei 90 zu 10: Zugewinn 100 Euro, gleichen 80% = 80 Euro aus. 40 plus 10 an meine Frau, ich habe 90-40 = 50. Gleiches Ergebnis wie oben !?

Warum muss meine Frau dann einen Ausgleich zahlen?
Oder mache ich hier einen Denkfehler (falls Ja, wie wäre die Rechnung richtig)? Gibt es dann doch einen Unterschied?

Was sind die Nachteile bei einer hohen Erbmasse im 90 zu 10 Fall: Höhere Steuerbelastung? Oder weiteres?
Oder hauptsächlich die Möglichkeit, dass ein Kind Anspruch an der Immobilie erhebt, und daher ggf. verkauft werden müsste. Ab wieviel Jahren kann ein Kind so einen Anspruch erheben?

Vielen Dank und beste Grüsse.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 08.10.2017 | 19:49

Guten Abend,

Sie berücksichtigen bei Ihrer Beispielrechnung nicht Ihr Anfangsvermögen (A), das mit 100.000.- anzusetzen ist.

Im Falle der Scheidung hätten Sie und Ihre Frau bei der 50-%-Regelung jeweils 100.000.- Endvermögen (E).

Der Zugewinn ist die rechnerische positive Differenz zwischen End- und Anfangsvermögen, also E - A.

Sie hätten dann E = 100.000.- abzgl. A = 100.000.-, also Zugewinn = Null.

Ihre Frau hätte E = 100.000.- abzgl. A = 0, also Zugewinn = 100.000.-

Zugewinnausgleich ist die Hälfte, also 50.000 zu zahlen an Sie.


Bei der 90 zu 10- Regelung sähe es wie folgt aus:

Ihr Zugewinn:

E = 180.000.- abzgl. A = 100.000.- = 80.000.-

Ihre Frau:
E = 20.000 abzgl. A = 0 = 20.000.-

Sie hätten damit 60.000 mehr Zugewinn als Ihre Frau und müssten ihr 50 % = 30.000 zahlen.


Die Höhe des Erbanteiles kann sich auf die Steuerschuld auswirken, hier gibt es Freibeträge, die zu berücksichtigen sind.

Und ein erbberechtigtes Kind kann die Aufhebung der Eigentumsgemeinschaft verlangen, sobald es Erbe geworden ist.
Alleine kann das Kind diesen Teilungsanspruch ab dem 18. Lebensjahr geltend machen, vorher nur mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 08.10.2017 | 21:36


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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 08.10.2017
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