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Wohnen und Arbeiten in den USA, Steuererklaerung in Deutschland?


11.06.2017 23:18 |
Preis: 43,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Carsten Neumann


Zusammenfassung: Zur Besteuerung nach dem deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen


Ich lebe seit Ende Januar 2014 in den USA und arbeite seit Anfang Februar 2014 dort an einer amerikanischen Universitaet als Wissenschaftler. Im Januar 2014 habe ich als Zwischenloesung (nach meinem Doktorandenstudium in europaeischen Ausland) kurzzeitig bei meinen Eltern in Deutschland gewohnt, allerdings nicht in Deutschland gearbeitet.
Ich komme nur fuer etwa 3 Wochen im Jahr nach Deutschland zu Besuch und nutze dann mein altes Zimmer in der Wohnung meiner Eltern. Ich bin zurzeit auch noch dort gemeldet.

Ich habe in den Jahren 2014, 2015 und 2016, monatlich Lohnsteuer auf mein amerikanisches Gehalt in den USA gezahlt und auch dort eine Steuererklaerung gemacht. In Deutschland habe ich fuer die besagten Jahre keine Steuererklaerung gemacht. Ich besitze in Deutschland noch ein Girokonto, ein Sparkonto und einen Bausparvertrag und habe dort unter Beruecksichtigung des Sparerfreibetrags fuer die anfallenden Zinsen keine Steuern zahlen muessen.
Ich bin davon ausgegangen, dass ich durch meinen ganzjaehrigen Aufenthalt/ Wohnsitz in den USA nur beschraenkt steuerpflichtig bin in Deutschland.

1) Ich wuerde gerne wissen, ob ich mich fuer die besagten Jahre korrekt verhalten, indem ich nur in den USA eine Steuererklaerung gemacht habe?

Meine zweite Frage bezieht sich auf meinen angesprochenen Bausparvertrag, den ich im Mai 2017 aufloesen musste. Ich habe einen Zinsbonus aus dem Bausparvertrag bekommen und fuer diesen wurden Kapitalertragssteuer, Kirchensteuer und Solidaritaetszuschlag an das Finanzamt abgefuehrt.

2) Muss ich jetzt fuer 2017 eine Steuererklaerung in Deutschland machen?

Vielen Dank fuer Ihre Hilfe!
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Frage 1:

Hier kommt das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den USA und Deutschland (DBA) zur Anwendung.

Nach Art. 1 Abs. 1 DBA gilt dieses Abkommen für eine in den USA oder Deutschland ansässige Person. Ansässig ist eine Person in dem Staat, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt (Art. 4 DBA). Unter das Abkommen unterfallen in Deutschland die Einkommenssteuer und in den USA die auf Grund des Internal Revenue Code erhobenen Bundeseinkommenssteuern (Art. 2 DBA).

Einkünfte aus unselbständiger Arbeit können nach Art. 15 Abs. 1 DBA nur in dem Staat besteuert werden, in dem eine Person ansässig ist und die Arbeit ausübt. (Ich gehe davon aus, dass Sie nicht im deutschen Öffentlichen Dienst
stehen und bezahlt werden, Gastprofessorin oder Studentin sind; für diese Fälle enthalten die Art. 19, 20 DBA Ausnahmeregelungen.)

Zinsen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person als Einkünfte bezieht, können nur in diesem Staat (in dem die Person ansässig ist), besteuert werden - in Ihrem Fall also in den USA. Dies ergibt sich aus Art. 11 Abs. 1 DBA.

Frage 2:

Wenn Sie auch in 2017 in den USA ansässig sind, gelten die Ausführungen wie zu Frage 1.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 16.06.2017 | 18:40

Vielen Dank fuer ihre Antwort. Ich haette noch eine Nachfrage bezueglich ihres Verweises auf Art. 19, 20 DBA. Ich bin mir nicht ganz klar wie Professor oder Student dabei definiert wird.
Meines Verstaednisses nach war ich als PostDoc Angestellter an der Uni und wurde durch US Gelder meines Chefs finanziert. Allerdings hatte/ habe ich ein J1 visa, das als Kategorie allerdings weder 'Professor' noch 'Student' ausdrueklich aufweist.

Falls ich unwissentlich doch unter besagte Ausnahmeregelung gefallen waere, wie muss ich mich denn jetzt korrekt verhalten?

Danke fuer die Beantwortung meiner Nachfrage.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 16.06.2017 | 20:06

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihren Nachfragen möchte ich nachfolgend Stellung nehmen.

Art. 19 DBA bezieht sich auf Löhne und Vergütungen, die von einem Vertragsstaat, einer Gebietskörperschaft und einem ihrer Organe an einen Zahlungsempfänger gezahlt werden, der ein Staatsangehöriger dieses Staates ist. Dann können die Einkünfte nur in diesem Staat versteuert werden.

Nach dieser Regelung müssten Sie Ihre Einkünfte nur dann in Deutschland versteuern, wenn Sie vom deutschen Staat, einen deutschen Gebietskörperschaften (Bundesland oder Gemeinde) oder einem Organ einer deutschen Gebietskörperschaft bezahlt würden. Dies trifft auf Sie nicht zu, da Sie durch US Gelder bezahlt werden.

Art. 20 Abs. 1 DBA bezieht sich auf Hochschullehrer oder Lehrer, die in Deutschland ansässig sind und vorübergehend - höchstens bis zu 2 Jahren - im anderen Vertragsstaat zum Zweck fortgeschrittener Studien oder Forschungsarbeiten oder zur Ausübung einer Lehrtätigkeit an einer anerkannten Universität oder anderen anerkannten Lehranstalt oder einer Einrichtung für Forschungsarbeiten zum öffentlichen Nutzen. In diesem Fall erfolgt die Besteuerung im Herkunftsstaat.

Diese Regelung trifft schon deshalb nicht auf Sie zu, da Sie vor Ihrem Aufenthalt in den USA nicht als (Hochschul)lehrer in Deutschland ansässig waren, und sich außerdem für länger als 2 Jahre in den USA aufhalten.

Im Übrigem bezieht sich die Vorschrift nur auf Stipendien, Zuschüsse und Unterhaltsbeiträge für Studenten, Lehrlinge, Praktikanten und Volontäre, jedoch ausdrücklich nicht auf Vergütungen für persönliche Dienstleistungen.

Als Angestellte erhalten Sie eine Vergütung für Dienstleistung, so dass diese Vorschrift für Sie auch nicht einschlägig ist.

(Austausch-Studenten sind von Steuern auf unselbständige Arbeit bis zu 9.000 $ im Jahr von der Einkommensteuer befreit, und Angestellte eines Staates oder einer gemeinnützigen, religiösen, mildtätigen, wissenschaftlichen, literarischen oder erzieherischen privaten Organisation, die sich vorübergehend höchstens ein Jahr im anderen Vertragsstaat ausschließlich zu dem Zweck aufhalten, technische, berufliche oder geschäftliche Erfahrungen von einer anderen Person als dem Unternehmen, der Organisation oder Einrichtung zu erwerben, sind von Einkünften bis 10.000 $ oder dem Gegenwert in Euro steuerbefreit, wenn die Einkünfte von außerhalb dieses anderen Staates von dem Unternehmen, der Organisation oder Einrichtung für Dienstleistungen dieser Personen gezahlt werden.)

Nach Art. 23 Abs. 3 b DBA wird in den USA gezahlte Einkommenssteuer auf die in Deutschland geschuldete Einkommenssteuer angerechnet. Sollten Sie in Deutschland zu versteuernde Einkünfte irrtümlich in den USA versteuert haben, werden die dort gezahlten Steuern auf die in Deutschland zu zahlenden Steuern angerechnet.

Sie müssten dann Ihre Einkünfte sowie die in den USA gezahlten Steuern in einer Steuererklärung an das deutsche Finanzamt angeben. Lediglich soweit Sie nach deutschem Recht höhere Steuern zahlen müssten, müssen Sie die Differenz (sowie hierauf entfallende Säumniszuschläge) nachentrichten.

Ich hoffe, Ihre Nachfrage verständlich und erschöpfend beantwortet zu haben.

;Mit freundlichen Grüßen,

Carsten Neumann
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 14.06.2017 | 07:04

Hier noch ein Link zum Text des Abkommens:

http://www.pinkernell.de/dbausa2.htm#Art15
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