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Wohnen in England - arbeiten für einen deutschen Arbeitgeber


19.03.2017 20:47 |
Preis: 48,00 € |

Sozialversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow



Ich beabsichtige für ein Jahr zu meinem Mann nach England zu ziehen. Ich habe die Möglichkeit weiterhin für meinen deutschen Arbeitgeber zu arbeiten (homeoffice) - muss allerdings alle zwei Monate für eine Woche in Deutschland arbeiten. Ich habe vor, mich in Deutschland abzumelden für das eine Jahr. Meine Frage: habe ich steuerliche Probleme, wenn ich mich in Deutschland abmelde? mein Arbeitgeber berechnet und zahlt ja weiterhin die Steuern meines Gehaltes in Deutschland. Ebenfalls wird die Krankenkversicherung weiterhin bedient von meinem Gehalt. Kann ich dadruch letztendlich in irgendeiner Art und Weise Probleme erhalten, wenn ich den Wohnsitz in Deutschland aufgebe? So recht konnte mir dies bisher noch keiner beantworten, ausser das ich derzeit Anträge an den DKV Spitzenverband gestellt habe und bereits den zweiten bei der krankenkasse. Wichtig für mich ist, dass ich weiterhin in Deutschland in allen soziazweigen versichert bin in dem Jahr und auch steuerlich keine Nachteile habe, sondern weiterhin Steuern in Deutschland zahle.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ich fürchte ihre Anforderungen, in Deutschland sozialversicherungspflichtig und steuerpflichtig zu bleiben, lassen sich nicht ohne weiteres erfüllen.

Ziehen sie nicht arbeitgeberbedingt nach England und arbeiten von dort aus so unterfallen sie dem englischen Sozialversicherungssystem. Denn hier gilt grundsätzlich das Territorialprinzip, also das Prinzip der Wohnstätte bzw. des gewöhnlichen Aufenthaltes.

Die Anwendung der deutschen Sozialversicherungsregelungen können sie nur nach § 4 SGB IV erreichen, in dem sie von ihrem Arbeitgeber nach England entsendet werden und die Entsendung von vornherein zeitlich befristet ist. Denn hier ist ihr Aufenthalt und ihre Tätigkeit in England immer noch durch die Grundregeln ihres deutschen Arbeitsvertrages bedingt, so dass sie weiter der "Ausstrahlungswirkung" des deutschen Sozialversicherungsgesetzes unterliegen. Dies gilt aber wirklich nur, wenn ihre Arbeitgeber sie nach England entsendet. Eine weitere Möglichkeit bliebe eine Ausnahmevereinbarung, die beim GKV-Spitzenverband zu beantragen ist. Diese Ausnahmereglung ist aber stark Einzelfall abhängig. Eventuell nützt ihnen hier, auch wenn keine Entsendung vorliegt, der enge zeitliche Rahmen von 12 Monaten, nach welchen bei Ablehnung der Ausnahme ein erneuter Wechsel erfolgen müsste, was eine unnötige Belastung darstellt. Dies könnte ein Argumentationsansatz sein, aber sicher macht es die Ausstellung einer Ausnahmevereinbarung nicht.

Zudem unterliegen sie mit dem Wechsel der Wohnstätte ( unabhängig von einer Entsendung) grundsätzlich dem englischen Steuerrecht , da sich dieses ebenfalls nach dem Territorialprinzip, nämlich ihrem gewöhnlichen Aufenthaltsort bzw. ihrer Wohnstätte richtet (vgl. Art 4 DBA Deutschland-England) bzw. nach ihrem Tätigkeitsort ( vgl. Art 14 Abs. 1 DBA) . In Deutschland bleiben sie nur dann steuerpflichtig wenn sie sich dort mehr als 183 Tage in den 12 Monaten aufhalten aufhalten ( Art 14 Abs. 2 DBA). Dies sehe ich bei ihnen nicht, da sie pro Monat nur 1 Woche in Deutschland arbeiten und ansonsten ein Home-Office nutzen. Auf die Steuerpflicht können sie also keinen Einfluss nehmen, es sei denn sie üben ihre Tätigkeit überwiegend in Deutschland aus.

Dies wird die Besteuerung verkomplizieren, denn sie sind verpflichtet in England eine Steuerklärung abzugeben. Nach Art 23 Abs. 2 DBA wird die Doppelbesteuerung vermieden, in dem die in Deutschland auf das Einkommen zu entrichtenden Steuern auf die englische Steuer angerechnet werden. Sie müssen also eine zusätzliche Steuererklärung abgeben.

Aber selbst , wenn sie ihren Wohnsitz in Deutschland behalten ändert sich an dem aufgezeigten wenig, denn es geht sowohl bei der Steuer als auch der Sozialversicherung stets um die Ansässigkeit, also das Innehalten des Lebensmittelpunktes. Selbst wenn sie die Wohnung in Deutschland behalten, wird man davon ausgehen müssen, dass sie ihren Lebensmittelpunkt in England haben, da sie sich dort weit überwiegend und mit ihrer Familie aufhalten. Folglich werden sie den englischen Regelungen unterfallen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 23.03.2017 | 16:39

Vielen Dank für Ihre Antwort.
Bezüglich der Steuern habe ich jedoch noch meine Bedenken, bzgl. der Umsetzung.
Bedeutet dies, dass ich in Deutschland meine Steuern auf mein Gehalt zahle und zusätzlich noch eine Steuererklärung in England abzugeben habe? Wenn ja, dann stellt sich dies als sehr schwierig dar, denn in England werde ich nicht gemeldet sein. Eine Meldung in England ist (laut Aussage einer anderweitigen Stelle) nur dann möglich, wenn ich eine Arbeit in England aufnehme, oder einen Mietvertrag unterschreibe. Beides trifft nicht zu, da mein Mann als alleiniger Mieter in dem Mietvertrag stehen muss (so sein Arbeitgeber, der die Miete übernimmt). Geht es trotzdem, dass ich eine Steuererklärung abgebe? Woher weiß das Finanzamt in England, dass ich dort existiere und eine zusätzliche Bescheinigung abzugeben habe? Laut Aussage meines Einwohnermeldeamtes wird meine neue Adresse hier nirgends notiert - auch auf dem Ausweis wird diese nicht vermerkt - sprich keiner weiß, wo ich mich zu dem Zeitpunkt, ab Abmeldung in Deutschland, befinde.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.03.2017 | 18:36

Liebe Fragestellerin,
bitte entschuldigen sie, dass ichmich erst jetzt melde, ich hatte heute eine ziemlich breite Berufungsverhandlung in Sachsen-Anhalt. Ich bin nun etwas ausgeknockt ( aber sehr zufrieden), und bitte daher eventuelle Tippfehler einfach zu überlesen.

Zum einen, ja , sie haben mich korrekt verstanden. Sie zahlen in Deutschland Steuern auf ihr Gehalt und müssen in England eine Steuerklärung abgeben, da sie nicht bei einem englischen Arbeitgeber angestellt sind.

Für die Steuerpflicht ist eine Meldung nicht notwendig, sondern abgestellt wird auf ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort/ Wohnort, sprich ihren Lebensmittelpunkt. Liegt dieser 183 Tage ( 6 Monate) des Jahres in England, so entstseht dort die Steuerpflicht.

In der Regel wird man in England aber zur Abgabe der Steuererklärung aufgefordert und ist dann verpflichtet, diese einzureichen, hierfür braucht das englische Finanzamt natürlich eine Anschrift. Leider ist mir nicht bekannt, ob man ohne Meldeanschrift in England selbständig und freiwillig eine Erklärung abgeben kann. Dies wird ihnen nur ein englischer Steuerberater oder das zuständige englische Finanzamt mitteilen können.

Ob das englische Finanzamt mitbekommt, dass sie sich in England aufhalten, kann ich nicht vorhersehen. Möglich - aber dennoch mangels Hinweis unwahrscheinlich- wäre es über eine Abfrage bei den Sozialversicherungen, denn versichert sein müssen sie. Dies ist über die Entsendung möglich, aber dann wird auch die englische Sozialversicherung informiert, oder- wenn keine Entsendung vorliegt- in England direkt. Beachten sie, dass wenn dieses Problem nicht gelöst wird, sie bei Krankheiten und Unfall erhebliche Schwierigkeiten bekommen können.

Sollte eine Steuerklärung nicht möglich sein, mag in ihrer Situation- nur der Mann soll den Mietvertrag unterschreiben, Arbeit bei deutschen Arbeitgeber- folgender Weg gangbar sein. Wenn sie sich nur melden können, wenn sie einen Mietvertrag haben, sollten sie mit ihrem Mann einen Untermietvertrag schließen. Diesen können sie dann bei der Meldebehörde vorlegen, so dass sie sich anmelden könnten. Der Hauptmietvertrag selbst, den der Arbeitgeber sicher zur steuerlichen Geltendmachung benötigt, bleibe somit allein bei ihrem Mann, aber sie hätten die Möglichkeit bei der Sozialversicherungund gegenüber dem Finanzamt alle gesetzlichen Vorschriften problemfrei einzuhalten.

mit freundlichen Grüßen

Doreen Prochnow

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