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Wintergarten am denkmalgeschützten Haus angebaut


15.12.2014 16:03 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle



Hallo zusammen,
mein Vater hat mir bereits vor ca. 20 Jahren das Haus, in welchem er und meine Mutter leben geschenkt (die beiden haben natürlich lebenslanges Wohnrecht). Vor ca.12 Jahren hat er als gelernter Schreiner einen Wintergarten, der von der Straße aus nicht ersichtlich ist - leider schwarz - angebaut. In diesem Sommer hat es auf dem Nachbargrundstück gebrannt und infolge dessen ist das Bauamt auf den Plan getreten und hat unter anderem auch den nicht genehmigten Wintergarten bemängelt. Da mein Vater vor 2 Jahren gestorben ist und ich von nichts wusste, musste ich den sauren Apfel beißen und habe den Wintergarten von einem Architekten nachzeichnen lassen. Und jetzt ging es richtig los: Dabei stellte sich heraus, dass das Haus unter Denkmalschutz steht (mir ebenfalls nicht bekannt). Es wird als Fachwerkhaus aus dem 17./18. Jahrhundert geführt. Der Witz ist: aus alten Unterlagen haben wir ersehen können, dass mein Vater das gesamte Fachwerk schon in den 60er Jahren - vom Bauamt genehmigt - hat entfernen lassen. Es ist also gar kein Fachwerkhaus mehr seit über 50 Jahren!! Denkmalschutz besteht erst seit 1988 - mir auch nicht bekannt, da ich damals vier Jahre alt war -, also viel später. Jedenfalls genehmigt der Denkmalschutz den Wintergarten nicht nachträglich...Ich habe Angst davor, den Wintergarten jetzt abreißen zu müssen! Was kann geschehen und kann ich gegen den Denkmalschutz vorgehen, da es gar kein Fachwerkhaus mehr ist!?! Auch die Begründung der Ablehnung durch den Denkmalschutz finde ich gewagt: Der Anbau würde das Gesamtbild des Denkmal zu sehr verändern. Wie gesagt, der Wintergarten ist von der Straße aus nicht zu sehen und befindet sich im Innenhof.
Vorab schonmal vielen Dank für Ihre Antwort.
Sehr geehrter Ratsuchender,



zunächst sollten Sie genau alle Unterlagen, insbesondere hinsichtlich der damals genehmigten Entfernung des Fachwerkes prüfen, da insoweit ggfs. das Haus aus der Denkmalliste entfernt worden ist, bzw. zu entfernen ist.


Das ist dann möglich, wenn das Objekt nicht unter den Vorschriften des Denkmalschutzes des jeweiligen Bundeslandes zu subsumieren ist, so dass in der Tat eine Streichung aus der Liste dem Grund nach möglich ist (leider wird kein Ort angezeigt, so dass das Bundesland nicht erahnt werden kann).


Aber insoweit ist natürlich Vorsicht zu walten:

Die Entfernung muss tatsächlich von der Behörde genehmigt worden sein, da es ansonsten ein sehr teurer Boomerang werden wollte (durch Wiederherstellung des Denkmals; Rückzahlung möglicher Steuervergünstigungen).

Eine Einsicht und Prüfung der Akte beim Denkmalamt ist also unverzichtbar.


Sollte das Fachwerk das wesentliche Merkmal gewesen sei, dieses Merkmal mit Billigung der Behörde entfernt worden sein, kann man sich jetzt nicht auf eine vielleicht gar nicht mehr vorhandendes Denkmaleigenschaft berufen und ein Bescheid der Behörde wäre dann angreifbar.


Sollte es trotz Entfernung Fachwerk als Denkmal wirksam zählen (weil eben andere Kriterien noch ausreichend vorhanden sind), gilt für äußerliche Veränderungen (also auch Anbauten), dass das Erscheinungsbild des Denkmals nicht wesentlich beeinträchtigt werden darf.

Und das dürfte nach Ihrer Sachverhaltsdarstellung nicht vorliegen, wenn der Wintergarten an einer nicht einsehbaren Stelle erbaut worden ist (aber auch hier ist wieder die Amte beim Denkmalschutz dafür wichtig, wie dieser Schutz begründet worden ist, ob also. z.B. die unveränderte Frontfassade das wesentliche Merkmal darstellt).

Entscheidend ist daher, ob das Vorhaben die Denkmalwürdigkeit des Objektes erheblich beeinträchtigt, wovon - zumindest derzeit - nicht auszugehen ist.



Sie werden also unbedingt zunächst die Akte bei der Denkmalschutzbehörde einsehen müssen.

Wichtig ist weiter die genehmigte bauliche Veränderung durch das Entfernen des Fachwerkes.

Dann kann ggfs. gegen eine in der Tat mögliche Abrissverfügung erfolgreich vorgegangen werden, weil es a) kein Denkmal ist; b) aus der Denkmalliste zu entfernen wäre und c) keine erhebliche Beeinträchtigung der Denkmalwürdigkeit vorliegt.



Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle, Oldenburg







Nachfrage vom Fragesteller 15.12.2014 | 17:06

Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Es handelt sich um ein Haus in Nordrheinwestfalen, Kreis Euskirchen.
Der genehmigte (Um-)Bauantrag für die Fassade aus dem Jahr 1965 liegt uns vor. Damals stand das Haus noch nicht unter Denkmalschutz, d.h. die Denkmalschutzbehörde wurde damals nicht beteiligt. Das Haus ist aber definitiv als Fachwerkhaus in die Denkmalliste eingetragen worden. Demnach wäre dies dann also anfechtbar, wenn ich Sie richtig verstehe?! Die "schützenwürdige Bausubstanz" bestand ja zum Zeitpunkt der Vereinnahmung durch den Denkmalschutz gar nicht mehr...

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.12.2014 | 17:20

Sehr geehrter Ratsuchender,


ja, nach Ihrer Sachverhaltsdarstellung wäre ein Vorgehen wohl erfolgreich möglich, da dass die Eintragung in die Denkmalliste mit gar nicht vorhandenen Merkmalen erfolgt ist.


Lassen Sie die Akte bei der Denkmalbehörde daher unbedingt prüfen; auch unter Hinweis des damaligen Baubescheides.


Der jetzige Hinweis auf den Denkmalschutz wird dann nicht mehr haltbar bleiben.



Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle, Oldenburg

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