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Wieviel Arbeitsstunden sind als Kraftfahrer gesetzlich zulässig?


02.06.2009 13:47 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle


in unter 1 Stunde

Hallo,
mein Mann ist seit genau einem Jahr als Kraftafhrer bei einem Silogistic Unternehmen beschäftigt. Im Arbeitsvertrag ist ein Bruttoverdiest von 2300,00 Euro für bis zu 278 Stunden vereinbart. Überstunden müßen laut AV geleistet werden. In den letzten 6-8 Wochen wird die Arbeitszeit täglich länger, so dass mein Mann mittlerweile 15-18 Stunden am Tag hinter dem Lenkrad sitzt....Pausen sind so gut wie gar nicht möglich, höchstens während des Be- und Entladens mal auf die schnelle einen Kaffee... Es haben schon einige Kraftfahrer dieser Firma in den letzten Wochen gekündigt, da es einfach zuviel ist... Ein Privat- oder Familienleben ist bei uns gar nicht mehr möglich, da mein Mann morgens um 4.00 Uhr das Haus verlässt und abends zwischen 20.00 - 22.30 Uhr heim kommt. Ist es als Kraftfahrer überhaupt zulässig so lange zu fahren?? Wenn mein Mann bei seinem Disponenten mal äussert, dass es zuviel ist, bekommt er lediglich zur Antwort, dass er ja gehen könnte , wenn es Ihm nicht passt...
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Diese Antwort ist vom 02.06.2009 und möglicherweise veraltet. Stellen Sie jetzt Ihre aktuelle Frage und bekommen Sie eine rechtsverbindliche Antwort von einem Rechtsanwalt.

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02.06.2009 | 14:10

Antwort

von

Rechtsanwalt Thomas Bohle
1412 Bewertungen
Sehr geehrte Ratsuchende,


sofern Ihr Mann ein Kraftfahrzeug mit mehr als 3,5 t zulässigem Gesamtgewichts (einschließlich Anhänger) oder eines Fahrzeugs zur Personenbeförderung, das einschließlich des Fahrers mehr als 9 Personen befördern kann, lenkt, dürfen die täglichen Lenkzeiten neun Stunden nicht überschreiten; zweimal pro Kalenderwoche darf sie zehn Stunden betragen. Spätestens nach 4,5 Stunden Lenkdauer muss der Fahrer aber auch eine Lenkzeitunterbrechung von mindestens 45 Minuten einhalten.

Die von Ihnen genannten Lenkzeiten sind also nicht zulässig, so dass sich auch ihr Mann hier in die Gefahr begibt, dass er bei einer Kontrolle neben dem Bussgeld sogar mit einem Fahrverbot rechnen muss.

Daneben darf aber auch die Höchstgrenze der Arbeitszeit auch nicht überschritten werden. Die werktägliche Arbeitszeit eines Arbeitnehmers darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten. Der Arbeitnehmer kann jedoch bis zu maximal 10 Stunden täglich beschäftigt werden, wenn die mehr gearbeitete Zeit innerhalb von 6 Monaten bzw. 24 Kalenderwochen wieder ausgeglichen wird, so dass durchschnittlich wieder ein 8-Stunden-Tag vorliegt. Allerdings können Tarifverträge oder auf Basis eines Tarifvertrages geschlossene Betriebsvereinbarungen den Ausgleichszeitraum abweichend regeln.



Leider ist das Verhalten des Disponenten kein Einzelfall, weiß dieser doch, dass dann sofort andere Fahrer bereit wären, diese Gesetzesverstöße hinzunehmen.

Gleichwohl kann man rechtlich gesehen Ihrem Mann nur dazu raten, die Lenk- und Arbeitszeiten auch im eigenen Interesse einzuhalten. Diese sollte er manifestieren und sich weigern, über diese Zeiten hinaus Fahrten verweigern. Denn sicherlich kann Ihr Mann "gehen", allerdings ist der Arbeitgeber gehalten, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten und der Arbeitgeber kann dazu auch mit einem Bußgeld belegt werden.

Hält der Arbeitgeber sich also nicht an die gesetzlichen Gegebenheiten und weigert Ihr Mann sich, weitere Fahrten durchzuführen, wird es vermutlich zu einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung kommen, bei der aber Ihr Mann obsiegen dürfte, wenn man den vorgetragenen Sachverhalt unterstellt und die Fahrten (und damit Überschreitung der Lenk- und Arbeitszeiten) nachgewiesen werden können.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle


ANTWORT VON
Rechtsanwalt Thomas Bohle
Oldenburg

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