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Wie verhalten bei Überbuchung? Bin derzeit vor Ort!


| 20.11.2008 21:27 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stefan Steininger



[Evtl. möchte ich den antwortenden Anwalt als Vertretung im folgenden Rechtstreit bemühen - Rechtschutzversicherung wird eintreten]
----
Folgender Sachverhalt:

1. Gebucht im Reisebüro am So den 16.11.2008
2. Auftragsbestätigung per Post am 18.11.2008 erhalten
3. Reiseunterlagen (Voucher) am 20.11.2008 Morgens am Flughafen abgeholt
4. Abflug am 20.11.2008 um 8.30 ab Düsseldorf
5. Ankunft in Hurghada am 20.11.2008 um 14.30h
6. Mitteilung durch Asisstentin, dass gebuchtes 5* Hotel (Steigenberger) ausgebucht sei und man in ein "ebenbürtiges" (Interconti) geschickt würde

Wir haben darauf bestanden ins Steigenberger gebracht zu werden, das wurde uns verwehrt. Auch wurde abgelehnt die Beschwerde schriftlich aufzunehmen oder die Nummer der Reiseleitung herauszugeben.
Die Reiseleitung sei am Folgetag im Alternativhotel.

Um nicht am Flughafen schlafen zu müssen sind wir ins Interconti, wollen dort aber nicht den Urlaub verbringen!
Haben Abends noch mit der Reiseleitung telefoniert und gefordert am Folgetag entweder ins Steigenberger zu kommen oder einen Heimflug zu bekommen. Reiseleitung meinte Rückflug sei erst am Samstag möglich - also nach insg. 3 Tagen / 2 Nächten im Alternativhotel.

Wie sollen wir uns verhalten? Die gebuchten 7 Tage hier bleiben und dann zu Hause eine Preisminderung fordern? Oder besser direkt zurückfliegen?

Wie stehen die Chancen besser und kann man ungefähr sagen, was man als Minderung fordern kann?

Danke

Folgende Mängelliste habe ich aufgestellt und möchte diese an den Reiseveranstalter übermitteln:

1. Alleine schon durch die negative Überraschung nicht das gebuchte Hotel zu erhalten hat der Urlaub
mit mehr Stress begonnen als man zu Hause hatte – es ist also genau das Gegenteil von Urlaubsentspannung eingetreten. Zudem fragen wir uns warum die Überbuchung noch nicht bekannt war als wir am Sonntag den 16.11.08 gebucht haben, oder als man uns am Dienstag den 18.11.08 die Buchungsbestätigung geschickt hat, oder als wir am Morgen vor dem Abflug die Unterlagen am Thomas Cook Schalter abgeholt haben. Es klingt unrealistisch, dass in den 5 Stunden zw. Abholung der Unterlagen und Landung in Hurghada das Hotel plötzlich überbucht wurde. Es klingt vielmehr als sei diese Auskunft bewußt in Deutschland unterblieben.

2. Das Steigenberger wurde durch uns sorgfältig und nach Studium verschiedener Kritiken im Internet ausgewählt. Heranziehen kann man u.a. die bekannte und gebräuchliche Seite www.holidaycheck.de auf der das Steigenberger durch Besucher 5.2 von 6 Punkten sowie eine Weiterempfehlungsrate von 87% erhält. Das Interconti hingegen hat lediglich 4.7 von 6 Punkten und wird nur von 73% der Besucher weiterempfohlen. Des weiteren sind insbesondere die aktuelleren Bewertungen des Interconti deutlich schlechter als die des Steigenberger.

3. Das Steigenberger liegt nur knapp 6km vom Flughafen entfernt. Das war für uns auch ein Auswahlkriterium weil man so als erster am Hotel durch den Bus abgeliefert wird, was uns wichtig ist, da uns beiden stets übel wird auf einer längeren Busfahrt. Die Fahrt zum Interconti dauerte hingegen knapp 100min (16.28 – 18.07h) durch die Dunkelheit und kurvige Strassen.

4. Das Steigenberger hat offizielle 5 Sterne, das Interconti hingegen nur 4.5 Sterne.

5. Das Steigenberger liegt in Hurghada, das Interconti in Soma Bay – einfache Entfernung 36km.

6. Die Optik des Hotels ist vollkommen unterschiedlich. Das Steigenberger hat einen unauffälligen Charme in modernem weiß, das Interconti hingegen ist eher im Stil der 70er/80er Jahre mit protzigen Gold etc.

7. Die Poollandschaft des Steigenberger ist deutlich größer als die des Interconti.

8. Das Zimmer im Interconti hat keinen direkten Meeresblick, wie gebucht und in der Auftragsbestätigung durch Thomas Cook aufgeführt. Man sieht direkt auf die Wüste und kann nur wenn man ganz seitlich am Balkon nach vorne sieht das Meer gerade noch so sehen.

9. Das Zimmer im Interconti ist nicht sauber. Sand und Staub sind überall verteilt, die Gläser sind ebenfalls dreckig. Die Minibar kann aufgrund fehlendem Schlüssel nicht genutzt werden. Das Bett ist steinhart und entspricht nicht dem Standard den wir von unserem Urlaubshotel erwarten.

10. Der Speisesaal erinnert an eine Großkantine, die Auswahl sowie Qualität des Essens kann nicht mit einem 5 Sterne Hotel gleichgesetzt werden; zB rochen und schmeckten sämtliche Brotsorten am ersten Abend schimmelig – es scheint so, dass evtl. das Mehl schimmelig war mit dem die Teigwaren hergestellt wurden.

11. Die „Gästestruktur“ im Interconti erscheint bereits auf den ersten Blick anders als es Berichte vom Steigenberger wiedergeben; so sind hier deutlich mehr Russen anzutreffen, die oftmals lautstark und damit störend ihren Urlaub „geniessen“.

12. Das Interconti liegt vollkommen abseits, beim Steigenberger hat man durch die Nähe zu Hurghada deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten (Wasser, Lebensmittel etc.).
Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragensteller,

Ihre Online-Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Informationen summarisch wie folgt beantworten:

Ganz wichtig: Dokumentieren Sie die Mängel, machen Sie Fotos, notieren Sie sich Adressen von Zeugen und lassen Sie diese ggf. Ihre Mängelrüge bei der Reiseleitung mit anhören.

Eine Kündigung des Reisevertrages wäre mit Kostenerstattung dann möglich, wenn die Reise erheblich beeinträchtigt ist. Hierbei müssen 50% Minderung vorliegen (LG Ffm, st. Rspr.).

Die genannten Mängel könnten diese Schwelle nicht erreichen, ohne weitere Kenntnis kann von 25% für die abweichende Unterbringung ausgegangen werden. Der fehlende Meerblick könnte mit weiteren 5 % berücksichtigt werden. Hinzu kommen die Verschmutzungen etc. mit evtl. 10%.
Inwieweit die anderen Abweichungen als Unannehmlichkeit oder als Mangel zu bewerten sind, müsste im Einzelfall geklärt werden.

Mit der Rechtsprechung des AG Bad Homburg (zuständig für Oberursel) ist ein Mangel nicht in der Abweichung der Sterne als solche zu sehen, es müssen konkrete weitere Umstände hinzutreten.

Gerne übernehme ich hier Ihre Vertretung, am besten wenden Sie sich bei Bedarf mit einer genauen Schilderung und Fotos per Mail an mein Büro. Ich werde den Vorgang prüfen und mich bezüglich des weiteren Vorgehens dann mit Ihnen in Verbindung setzten.

Achten Sie bei diesem Veranstalter darauf, dass Ihnen eine Gesprächsnotiz über die Rüge erteilt wird. Beachten Sie den Eintrag „Mängel erstmals gemeldet am…“ und die Aufzählung aller Mängel! Hierbei ergeben sich oft Schwierigkeiten, zumal das AG Bad Homburg der Gesprächsnotiz einen hohen Indizwert zuordnet.

Ich hoffe, Ihren einen hilfreichen ersten Überblick verschafft zu haben. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanke ich mich recht herzlich. Bitte beachten Sie, dass diese Beratung eine umfassende Prüfung an Hand aller Unterlagen nicht ersetzen kann. Für Rückfragen und die weitere Interessenvertretung stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Steininger
Rechtsanwalt

www.anwalt-for-you.de

Nachfrage vom Fragesteller 21.11.2008 | 13:45

Hallo,
leider sind sie auf die dringendste Fragestellung nicht eingegangen, und zwar wie wir uns konkret jetzt verhalten sollen:

1.) In diesem Hotel bleiben (in dem auch das Frühstück nun nicht gut war und wir noch bemerken mussten, dass der Pool ungeheizt ist)...
2.) oder besser nach Hause fliegen?

Unzufrieden sind wir auf jeden Fall, auch wenn man uns heute Morgen knapp 25% Preisminderung angeboten hat. Wir hatten etwas anderes gebucht und wollen den Preis komplett zurück - ist dies realistisch?

Zum Rückflug wäre noch zu sagen, dass man uns diesen nicht garantiert, sondern uns gesagt hat es seien 4 Plätze frei und wir müssten es am Flughafen einfach probieren Morgen.

Danke.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.11.2008 | 20:53

Sie können den reisevertrag kündigen und erhalten Ihr Geld zurück, wenn die Reise erheblich beeinträchtigt war.
Diese Entscheidung werden Sie treffen müssen, eine Minderung von 100% ist sicherlich nicht realistisch. Problematisch könnte wie gesagt die Erheblichkeitsschwelle bleiben. Da ich die Situation nicht komplett beurteilen kann, würde ich zum Verbleiben tendieren und eine Minderung (evtl. au.ch über 50%) geltend machen.
Wenn Sie kündigen, muss der Veranstalter Sie zurückbefördern.

Maßgeblich Norm:

§ 651e
Kündigung wegen Mangels

(1) Wird die Reise infolge eines Mangels der in § 651c bezeichneten Art erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende den Vertrag kündigen. Dasselbe gilt, wenn ihm die Reise infolge eines solchen Mangels aus wichtigem, dem Reiseveranstalter erkennbaren Grund nicht zuzumuten ist.

(2) Die Kündigung ist erst zulässig, wenn der Reiseveranstalter eine ihm vom Reisenden bestimmte angemessene Frist hat verstreichen lassen, ohne Abhilfe zu leisten. Der Bestimmung einer Frist bedarf es nicht, wenn die Abhilfe unmöglich ist oder vom Reiseveranstalter verweigert wird oder wenn die sofortige Kündigung des Vertrags durch ein besonderes Interesse des Reisenden gerechtfertigt wird.

(3) Wird der Vertrag gekündigt, so verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Er kann jedoch für die bereits erbrachten oder zur Beendigung der Reise noch zu erbringenden Reiseleistungen eine nach § 638 Abs. 3 zu bemessende Entschädigung verlangen. Dies gilt nicht, soweit diese Leistungen infolge der Aufhebung des Vertrags für den Reisenden kein Interesse haben.

(4) Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die infolge der Aufhebung des Vertrags notwendigen Maßnahmen zu treffen, insbesondere, falls der Vertrag die Rückbeförderung umfasste, den Reisenden zurückzubefördern. Die Mehrkosten fallen dem Reiseveranstalter zur Last.

Bewertung des Fragestellers 23.11.2008 | 09:59


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