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Werkstatt Ersatzwagen Unfall


15.09.2010 17:46 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Felix M. Safadi


| in unter 2 Stunden

Hallo,

Ich habe mein Auto für eine Umrüstung in einer Werkstatt abgegeben. Dafür erhielt ich einen Ersatzwagen für die Zeit der dauer.

Leider bin ich mit dem Auto gegen eine Leitplanke gekommen welches Blech und Lack schäden verursacht hat.

Nach einem Telefonat mit einem Mitarbeiter der Werkstatt wurde mir erzählt das Auto sei Privat angemeldet und hätte nur die Gesetzliche mindest Versicherung. Daher soll ich selbst für den schaden aufkommen.

Allerdings habe ich bei dem erhalt des Autos nie irgendwas unterschrieben und wurde auch nicht darauf hingewiesen das Auto sei nicht Vollkasko versichert. Deswegen bin ich davon ausgegangen das dies der fall ist da es sich ja immerhin um einen Ersatzwagen handelt welches von viele Menschen gefahren wird.

Soll ich bezahlen oder würde es sich lohnen gegen an zu gehen?

Das Auto ist älter und schätze das Baujahr irgendwo zwischen 95-98

Vielen dank schonmal
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 32 weitere Antworten zum Thema:
15.09.2010 | 18:56

Antwort

von

Rechtsanwalt Felix M. Safadi
146 Bewertungen
Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne nehme ich zu Ihrer Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Angaben und Ihres Einsatzes wie folgt Stellung:

Hier werden Sie im Ergebnis leider nicht umhinkommen zu zahlen. Der Eigentümer des Fahrzeugs hat gegen Sie als Schadensverursacher einen Schadensersatzanspruch aus unerlaubter Handlung gemäß § 823 Abs. 1 BGB, sollten Sie den Leihwagen fahrlässig beschädigt haben. Leichte Fahrlässigkeit würde für die Haftungsbegründung ausreichen, wovon in Ihrem Fall wohl auszugehen ist. Eine Hinweispflicht seitens der Werkstatt auf eine nicht bestehende Vollkaskoversicherung für den Werkstattersatzwagen gibt es nicht.

Die Werkstatt hätte grundsätzlich auch einen Anspruch auf Ersatz der Rechtsverfolgungskosten (Anwaltskosten). Hier sollte also in Ihrem eigenen Interesse möglichst zügig eine Einigung erzielt werden, damit nicht auch noch ein Kollege an dem Schadensereignis mitverdient.

Leider ist es auch so, dass in der Regel die privaten Haftpflichtversicherungen den Eintritt für solche Schäden ausschließen, die durch den Gebrauch von Kraftfahrzeugen verursacht werden. Sofern Sie eine private Haftpflichtversicherung haben, sollten Sie sich hier aber dennoch vergewissern, ob ein solcher Leistungsausschluss in den Versicherungsbedingungen Ihres Vertrags enthalten ist. Nichtsdestotrotz kann eine Anfrage bei Ihrer Versicherung sicherlich nicht schaden.

Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine für Sie günstige Antwort geben konnte, hoffe aber, Ihnen dennoch einen hilfreichen Überblick über die Rechtslage verschafft zu haben, und wünsche Ihnen für das weitere Vorgehen viel Erfolg.

Bei weiteren Unklarheiten verwenden Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Felix M. Safadi
Rechtsanwalt

_________
Allgemeine Hinweise:

Bitte erlauben Sie mir noch den obligatorischen Hinweis, dass es sich bei dieser Antwort lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des allein auf Ihren Angaben basierenden Sachverhalts handelt. Diese kann eine umfassende Begutachtung nicht ersetzen. Durch Hinzufügen oder Weglassen weiterer Angaben kann die rechtliche Beurteilung völlig anders ausfallen.


Felix M. Safadi, Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 15.09.2010 | 19:54

Guten tag,

unerlaubte handlung? Fahrlässig? Wäre super wenn sie mir das nochmal erklären könnten. Das Auto zu beschädigen ist ja wohl kaum meine absicht gewesen.

Ich habe keinerlei vertrag oder sonstiges für den ersatzwagen abgeschlossen. Das Auto ist als privat Auto angemeldet. Kaum versichert. Das kann doch im grunde nicht sein das er sich sowas erlauben kann?

MfG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.09.2010 | 21:25

Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne nehme ich zu Ihrer Nachfrage wie folgt Stellung:

Wenn jemand die Sache eines anderen beschädigt, dann nennt das der Jurist eine „unerlaubte Handlung". Ich möchte die Vorschrift des § 823 Abs. 1 BGB nachfolgend zitieren; Sie können dann leicht erkennen, dass es nicht notwendig ist, dass die Handlung „absichtlich" war:

„Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet."

Zu den einzelnen Voraussetzungen dieses Anspruchs:

- Rechtsverletzung, hier: Verletzung des Eigentums durch Beschädigung am Pkw
- Verletzungshandlung, hier: mit Pkw gegen Leitplanke gefahren
- Ursächlichkeit zwischen Verletzungshandlung und Beschädigung des Pkw: liegt vor
- „widerrechtlich": die Beschädigung war nicht gerechtfertigt und vom Geschädigten hinzunehmen

- VERSCHULDEN: Die Beschädigung muss vorsätzlich ODER fahrlässig erfolgt sein. Dem „ODER" ist zu entnehmen, dass es für die Schadensersatzpflicht KEINEN Unterschied macht, ob die Beschädigung vorsätzlich (also auch absichtlich) oder fahrlässig passiert ist. Mit anderen Worten: Auch leichte Fahrlässigkeit begründet eine Haftung genau wie Absicht. Auch ein geringes Maß an Verschulden ist ein Verschulden und führt nicht dazu, dass man etwa keinen oder weniger Schadensersatz leisten müsste.

Was Fahrlässigkeit bedeutet, definiert § 276 Abs. 2 BGB: Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.

Wenn man mit dem Pkw gegen eine Leitplanke fährt, liegt regelmäßig Fahrlässigkeit, jedenfalls leichte Fahrlässigkeit vor. Etwas anderes würde gelten, wenn bspw. ein Reifenplatzer ursächlich für den Kontrollverlust am Pkw gewesen ist. Dann würde es am Verschulden fehlen und Sie müssten dann keinen Schadensersatz leisten.

Diese Haftung nach § 823 Abs. 1 BGB ist eine gesetzliche Haftung und keine vertragliche, d. h., Sie brauchen mit der Werkstatt keinen Vertrag geschlossen zu haben. Auch dass das Auto privat angemeldet ist, spielt keine Rolle. Ersatzberechtigter wäre hier der Eigentümer des Pkw als Geschädigter, ersatzverpflichtet ist der Schadensverursacher.

Ich hoffe, die verbliebenen Unklarheiten damit ausgeräumt zu haben, auch wenn das Ergebnis für Sie natürlich sehr ärgerlich ist. Ich versichere Ihnen aber, wenn ich es in Ihrem Sinne ändern könnte, würde ich es tun.

Mit freundlichen Grüßen

RA Safadi

ANTWORT VON
Rechtsanwalt Felix M. Safadi
Berlin

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