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Wer hat den Schaden verursacht?


22.09.2017 15:14 |
Preis: 25,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Zusammenfassung: Zur Berechnung eines Schadens.


Hallo.

Nehmen wir mal folgendes an:
Jemand, "Person A" bedruckt ein Blatt Papier und legt dieses Papier auf die Motorhaube des Autos eines anderen ("Person B").
Damit das Papier nicht runterfällt oder vom Wind weggeweht wird befestigt er das Papierblatt an den Ecken mit jeweils einem kleinen Stück Klebeband.
Der Aufdruck auf dem Papier ist eher humoristischer Art und als "Gag" zu verstehen. Außerdem kennen sich die beiden Personen (gut).

Person B sieht beim Eintreffen am Fahrzeug den Zettel und entfernt ihn.
Anscheinend aber hinterlässt das Klebeband dabei vereinzelt Klebereste.

Person B zeigt diese Klebereste nicht Person A.
Person B fährt nun durch die Waschstraße, allerdings sind danach anscheinend noch immer Klebereste vorhanden.
Daraufhin beschließt Person B - Person A wurde noch immer nicht informiert - sich selbst darum zu kümmern und entfernt die Klebereste "von Hand".
Dabei entstehen leichte Kratzer im Lack.
Diese möchte er sich von einem Fahrzeug- Aufbereiter herauspolieren lassen.
Er fragt deshalb in einem (nur einem!) Fachbetrieb nach, der ihm offeriert "er müsse das komplette Fahrzeug polieren, da man ansonsten später einen Unterschied zwischen den polierten und nichtpolierten Teilen sehen würde."
Dieser Service kostet dann 140€.
Person B will natürlich unbedingt dort "reparieren" lassen, obwohl Person A bei mehreren Fachbetrieben nachgefragt hat und diese ihm alle bestätigten, man müsse für einen solch kleinen Schade nicht das ganze Auto polieren, was dann schlussendlich entscheidend billiger wäre!

Person A wäre selbstverständlich damit einverstanden gewesen, die entstandenen Klebereste professionell von einem Fachmann entfernen zu lassen und dafür die Kosten zu tragen.
Seiner Meinung nach ist aber durch die eigenmächtige, unprofessionelle Vorgehensweise von Person B nun ein Schaden entstanden, der erstens viel teurer ist als die reine Entfernung der Klebereste und zum anderen soll er jetzt für einen Schaden zahlen, den ER ja nicht verursacht hat.
Er behauptet, die Kratzer an sich sind ja nicht durch das Anbringen der Klebestreifen entstanden, sondern durch das "rubbeln" an selbigen von Person B.

Nun zur eigentlichen Frage:
Ist Person A verantwortlich für die entstandenen Kratzer und muss daher deren Entfernung bezahlen?

Falls ja: war die Vorgehensweise von Person B korrekt UND kann diese "willkürlich" bestimmen, bei welchem Anbieter der Schaden repariert wird (da dieser ja anscheinend einen größeren Aufwand berechnet als vergleichbare Anbieter)?

Falls nein: was genau hätte Person A bezahlen müssen?

Danke schon mal für die Beantwortung.
22.09.2017 | 16:04

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


In Ihrer Schilderung kommt es in rechtlicher Hinsicht zu zwei Problemfeldern: die Kausalität der schädigenden Handlung für den eingetretenen Schaden (vgl. Punkt 1) und das Bestehen einer Schadensminderungspflicht (vgl. Punkt 2)

(1)
Kausalität bedeutet, dass gerade das schuldhafte Fehlverhalten zu einem Schadenseintritt geführt hat. Das einzige Fehlverhalten was hier A vorzuwerfen ist, ist das Anbringen des Zettels mit Kleber.
Für einen Schaden ist jede Handlung kausal, die nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Schaden entfiele (die sogenannte conditio sine qua non nach der Äquivalenztheorie), siehe hierzu beispielsweise BGH, Urteil vom 5.5.2011, Az. IX ZR 144/10)

Dies führt allerdings zu einer nicht mehr vertretbaren Ausweitung der Haftung, so dass die Rechtsprechung auf zweiter Stufe wieder eine Einschränkung vornimmt. Nach der sogenannten Adäquanztheorie sollen gänzlich unwahrscheinliche Schadensfolgen ausgeschlossen werden.
Ob die Verkratzung des Lackes bei der Entfernung eines Klebers gänzlich unwahrscheinlich ist, sehe ich eher kritisch. Darauf kommt es bei Ihrem Beispiel aber nicht an, da die Rechtsprechung diese Einschränkung ohnehin nur bei fahrlässigen Taten annimmt. In Ihrem wurde die schädigende Handlung aber gerade vorsätzlich ausgeführt (Achtung: es kommt hier auf die Handlung und nicht die Schädigungsabsicht an), vgl. das oben aufgeführte BGH-Urteil.

Damit kommt man in Ihrem Beispiel zu dem Ergebnis, dass die schädigende Handlung kausal für den eingetretenen Schaden war.

(2)
Es stellt sich aber die Frage, in welcher Höhe hier ein Schaden eingetreten ist. Natürlich hat A den Betrag zu erstatten, der notwendig ist um den alten Zustand wieder herzustellen.
A hat auch kein Recht darauf, den Schaden selbst zu beseitigen.

Auch ist B grundsätzlich frei in seiner Entscheidung wo er die Reparatur durchführen lässt. Allerdings trifft B eine sogenannte Schadensminderungspflicht nach § 254 Abs. 2 BGB. A hat hier ganz klar nachgewiesen, dass eine Schadensbehebung kostengünstiger möglich wäre.

Weiter besteht ein sogenanntes Bereicherungsverbot. Dieses besagt, dass der Geschädigte nicht von der Schädigung profitieren darf. Auch dies wäre in Ihrem Beispiel der Fall. Es wäre für B ein „Geschenk" wenn das gesamte Fahrzeug professionell poliert würde. Die Rechnung wäre daher anteilig zu teilen, was in der Praxis natürlich sehr schwer ist.

(3)
Schließlich könnte man noch daran denken, dem B zusätzlich eine Mitschuld nach § 254 Abs. 1 BGB anzulasten. Dazu gibt Ihre Schilderung aber nicht genug Anhaltspunkte her. Wurde der Kleber beispielsweise wirklich und ausschließlich per Hand entfernt, dürfte ein Mitverschulden nicht vorliegen. Anders könnte es sein, wenn der Kleber versucht wurde mit einem spitzen Gegenstand zu entfernen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Johannes Kromer

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