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Frage geschrieben am 09.11.2011 19:45:53

Wem gehört der Hund im Trennungsfall.

Rechtsgebiet: Tierrecht, Tierkaufrecht | Einsatz: € 50,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 888
Bewertung der Antwort vom Fragesteller:
Sachverhalt:

Im Jahr 2007 kauften meine damalige Freundin und ich einen Hund. Kaufvertrag und Übergabe erfolgten an mich, ich habe auch den Kaufpreis an den Züchter gezahlt, den ich aber später zur Hälfte von meiner Freundin wiederbekam (kann sie aber nicht beweisen). Ursprünglich war abgemacht, dass der Hund bei mir bleibt, da Sie bereits 2 Hunde hatte.
Ein Jahr später trennten wir uns. Wir trafen damals eine Absprache wonach der Hund von mittwochs bis samstags/sonntags (im 14-täglichen Wechsel) bei mir war und die übrigen Tage bei ihr. Tierarzt, Steuern und Versicherung wurden in dieser Zeit immer geteilt, laufen tut aber alles auf mich, inkl. dem Heimtierausweis, wo ich als Eigentümer eingetragen bin. Die Absprache funktionierte bis dato problemlos.

Berufsbedingt bin ich vorkurzem in eine andere Stadt gezogen und nur an den WE zuhause. In dieser Zeit passen meine Eltern auf den Hund auf. Meine EX fing vor kurzem ein Studium an, ist unter der Woche wohl wenig zuhause, wohnt aber noch bei Ihren Eltern (zumindest ist sie jeden Abend zuhause). Auch hier passen die Eltern, wenn Sie nicht zuhause, auf den Hund auf. Auch ich habe bis vor kurzem noch bei meinen Eltern gewohnt.

Nun möchte Sie eine Änderung der Tage herbeiführen, da sie unter der Woche studiumsbedingt nicht so viel Zeit für den Hund habe wie vorher. Sie unterbreitete mir einige Tauschvorschläge, die ich aber alle ablehne weil ich den Hund an den WE dadurch weniger sehen würde. Ich wehre mich aber auch deswegen gegen einen tausch der bisherigen Vereinbarung (mittwochs - samstags/sonntags im 14-tägigen Wechsel ist er bei mir), da ich ja nur noch an den WE zuhause bin und sie, zumindest abends, die ganze Woche. Zusätzlich hat man als Student lange Semesterferien in denen Sie de facto täglich für den Hund Zeit hat.

Wird sie vor Gericht Erfolg haben? Ich möchte ihr den Hund nicht abnehmen, sondern lediglich die alte Regelung beibehalten.
Könnte ich auch darauf bestehen, dass der Hund dauerhaft bei mnir bleibt?






Antwort geschrieben am 09.11.2011 21:22:58
Rechtsanwältin Nele Trenner
Fehrbelliner Str. 50, 10119 Berlin, Tel: 030/81893843, Fax: 030/89648121
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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich unter Berücksichtigung Ihrer Angaben wie folgt beantworten möchte:

1. Nach Ihren Angaben haben Sie zunächst mit Ihrer damaligen Freundin gemeinsam den Hund erworben, so dass Sie beide Eigentümer sind. Daher sind Sie grundsätzlich gemeinsam mit Ihrer ehemaligen Freundin zu gleichen Teilen verpflichtet, für den Hund zu sorgen, § 748 BGB, was Sie offensichtlich auch tun. Auch im Trennungsfall gehört der Hund grundsätzlich Ihnen gemeinschaftlich.


2. Im Falle eines in der Ehe gemeinsam angeschafften Hundes wurde bereits mehrfach (sehr kontrovers) entschieden, dass der Hund wohl als zugehörig zum Hausrat anzusehen ist.
Im Rahmen der Hausratverteilung kann dann dem Ehegatten, der den Hund nicht erhalten hat, eine Art "Umgangsrecht" eingeräumt werden. (So zB AG Bad Mergentheim vom 19.12.1996, 1 F 143/95)
Das OLG Hamm (19.11.2010, Az. 10 WF 240/10) hat hingegen entschieden, dass zwar die Regelungen zur Hausratsteilung Anwendung finden, aber nicht zu einem Umgangsrecht des anderen Partners führen. Es führt weiter aus, dass demjenigen Partner, der den Hund nicht erhält, auch nach anderen Vorschriften kein Umgangsrecht zusteht. Insbesondere die Vorschriften zum Umgangsrecht mit Kindern sind nicht analog anzuwenden. (Ebenso auch OLG Bamberg, 10.06.2003, Az. 7 UF 103/03)
Nach diesen Vorschriften wird entsprechend im Rahmen der Trennung einem der Ehegatten der Hund zugewiesen.


3. Bei der Trennung einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ist die Sache jedoch komplizierter. Wie gemeinschaftlich angeschaffte Gegenstände aufgeteilt werden, müssen die beiden Partner grundsätzlich auch gemeinschaftlich entscheiden. Das haben Sie bisher offenbar ganz gut geschafft, da die "Aufteilung" über mehrere Jahre funktioniert zu haben scheint.

Ist diese Lösung jedoch nicht mehr praktikabel, kann von jedem der Partner jederzeit die Auflösung der Gemeinschaft verlangt werden. Hierzu wird (sofern keine Einigung erzielt werden kann) durch einen der beiden Miteigentümer Leistungsklage mit dem Antrag auf Vornahme oder Duldung der zur Teilung des Gemeinschaftseigentums notwendigen Handlungen erhoben.
Das AG Walsrode hat mit Urteil vom 23.12.2003, Az. 7 C 1028/03, in einem solchen Fall entschieden, dass bei Auflösung einer Miteigentumsgemeinschaft der eine Partner das Eigentum am Tier durch Zahlung einer angemessenen Entschädigung erwerben kann.
Es hat festgestellt, dass die tatsächliche Teilung ("in Natur") nicht möglich und die Teilung durch Verkauf ausgeschlossen sei, so dass nach billigem Ermessen entschieden wurde. Für die Entscheidung, wer den Hund dann tatsächlich erhielt, wurden zB die Zahlung der Hundesteuer, Tierarztbehandlungen usw. herangezogen.
Das ist hier in Ihrem Fall jedoch problematisch, da zwar nach außen hin alles durch Sie getragen und erledigt wurde, Sie aber intern die Kosten geteilt haben. Auch die Betreuung des Hundes haben Sie immer vernünftig untereinander geregelt, so dass ein Gericht Schwierigkeiten haben wird, den Hund nur Ihnen oder nur Ihrer ehemaligen Freundin nach Billigkeitserwägungen zuzusprechen.

Entsprechend können Sie zwar grundsätzlich ebenso Leistungsklage erheben und die Zuweisung des Hundes beantragen, aber auch in diesem Fall wird die Entscheidung schwierig und das Ergebnis ist so nicht vorhersehbar. Zu Ihren Gunsten spricht letztlich aufgrund der Teilung sämtlicher Kosten nur der Nachweis, dass Sie den Kaufpreis (zunächst) alleine getragen haben.

Da die bisherige Regelung gut funktioniert hat und weder Sie noch Ihre damalige Freundin unter der Woche richtig Zeit für den Hund haben, halte ich nach erster Einschätzung Ihre bisherige Lösung ebenfalls für die sinnvollste. Offensichtlich konnten Sie sich bisher auch vernünftig darüber auseinandersetzen, so dass Sie hier nochmal eine einverständliche Lösung zu erreichen versuchen sollten.

Ich kann Ihnen daher nur dringend empfehlen, sich auch im Interesse des Hundes, nochmals mit Ihrer damaligen Freundin (und ggf. auch den Eltern, die sich jeweils um den Hund kümmern) zusammenzusetzen und nach einer tragfähigen Lösung zu suchen.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit den obigen Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung geben. Bitte beachten Sie jedoch, dass dieses Forum keine persönliche Rechtsberatung ersetzen kann und dass durch Hinzufügen oder Weglassen wichtiger Informationen die rechtliche Bewertung anders ausfallen kann.

Bei Nachfragen nutzen Sie gerne die kostenlose Nachfragefunktion.


Ich wünsche Ihnen noch eine angenehme Woche und hoffe sehr, dass Sie eine vernünftige Lösung finden können!

Mit freundlichen Grüßen

Nele Trenner
Rechtsanwältin

Fehrbelliner Str. 50, 10119 Berlin
Telefon: 030 / 81893843

kontakt@nele-trenner.de
www.nele-trenner.de

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