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Völlig übertriebene Anschuldigungen in Strafanzeige


01.12.2004 15:58 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht



sgd+h,
ich brauche dringend ihren verlässlichen rat. ich bekam heuer per post eine anzeige zugestellt, weil ich angeblich einen anderen autofahrer vor 9 wochen auf der autobahn genötigt haben soll.

die version des anzeigers:
älteres ehepaar, sie (ehefrau des anzeigers) am steuer, er (anzeiger) hinten drin. überholen mit ihrem pkw einige lkw. ich bei 150 auf 1 m (!) dicht aufgefahren, lichthupe und blinker links. sie noch weiter links um noch langsamen pkw zu überholen. ich den scheibenwischer gezeigt und rechts neben ihr gefahren. folgende § wurden in dem zusammenhang genannt 185, 240, 315c.

ich kann mich nach 9 wochen an die geschichte ehrlich gesagt nicht präzise genau erinnern und habe dem wohl keine große bedeutung zugemessen, weiß aber, dass ich niemals so dicht aufgefahren bin. da ich viel in süddeutschland (viele abstandsmessungen) unterwegs bin und schon vor 4 jahren ein fv deswegen hatte, weiß ich wie das geahndet wird.
ich kann mir im nachhinein nur folgende situation vorstellen:
die lücke nach dem letzten lkw war groß und ging davon aus das der pkw nach links wechselt. deshalb kurzzeitig zu dicht. mit abstand dann vielleicht lichthupe und blinker. ggf. nach rechts gewechselt (nicht auf gleicher höhe), sonst hat man keine möglichkeiten bei dauerlinksfahrern. handzeichen wurden vielleicht missverstanden.

meine frage ist nun wie ich mich vor solchen abenteuerlichen beschuldigungen schütze und wie ich mich nun verhalten soll?
was erwartet mich im worst case hier?
kann jeder alles behaupten und dabei völlig übertreiben?
was ist von der laienhaften abstandsangabe zu halten?
was für ein gewicht hat eine ehefrau als zeuge?

meine vita: 1 pkt. wg. geschwindg., keine vorstrafen etc., fahre ca. 70tkm/a und bin jobmäßig auf meinen führerschein angewiesen.

ich bitte hier um ihre schnelle hilfe.
danke.

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Sehr geehrter Ratsuchender,

generell schützen können Sie sich gegen "falsche" oder "übertriebene" Anzeigen nicht. Sie haben ja keinen Einfluß auf andere Leute.
Selbstverständlich darf niemand wider besseres Wissen Behauptungen in einer Strafanzeige aufstellen. Wer dies nachweislich tut, riskiert seinerseits Strafverfolgung wegen falscher Verdächtigung oder Vortäuschung einer Straftat.

Schildern Sie in Ihrer in Kürze folgenden Vernehmung bzw. Anhörung den Sachverhalt aus Ihrer Sicht. Ihrer Aussage wird nicht weniger Gewicht beigemessen, als der des Anzeigenden oder der Zeugin. Im "worst case" kann ein Strafbefehl gegen Sie ergehen oder ein Strafverfahren vor Gericht eingeleitet werden.

Was von der Abstandsangabe zu halten ist, lässt sich von hier aus nicht beurteilen. Polizei und Staatsanwaltschaften wissen aber durchaus mit oft subjektiv verzerrten Aussagen beteiligter umzugehen.
Der Aussage der Ehefrau als Zeugin kommt grundsätzlich die gleiche Bedeutung zu, wie der eines Dritten. Es wird aber geprüft, ob evtl. die persönliche Verbundenheit zu einer tendenziellen "Gefälligkeitsaussage" führen kann und daher "mit Vorsicht zu genießen" ist.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas J. Lauer
Rechtsanwalt

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