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Versuchte Erpressung nach Nachbarschaftsstreit


| 24.11.2014 00:02 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Lars Liedtke



Seit einigen Jahren hatte ich mit einem benachbarten Lebensmittelbetrieb einen heftigen Nachbarschaftsstreit. Nach einer falschen Verdächtigung meines Nachbars zu meinem Nachteil (Tatbestand: Nötigung) wurde ein erstes Strafverfahren gegen mich eingeleitet, später dann eingestellt. Dass ich in dieser Situation meine Anwaltskosten tragen musste, hat mich sehr gekränkt, und ich wollte mich an meinem Nachbarn rächen: im Frühjahr habe ich Sachbeschädigungen am Dienstwagen meines Nachbarn begangen. Als die Polizei mich ermittelte, hatte mich das schlechte Gewissen schon geplagt und ich legte ein umfassendes Geständnis ab. Ein Strafverteidiger handelte bei der Staatsanwaltschaft eine Verfahrenseinstellung nach § 153a gegen Zahlung einer Geldauflage. In der zivilrechtlichen Aufarbeitung hat mein Nachbar versucht die Sache auszureizen: er verdächtigte mich weiterhin, versucht zu haben, in seinen Lagerraum eingebrochen zu haben und gegen ihn ein unberechtigtes Lebensmittelüberwachungsverfahren gegen ihn angestrengt zu haben. Da ist mir nun der Kragen geplatzt: in der Absicht, meinem Nachbarn Angst einzujagen, habe ich in einem anonymen Brief gedroht, einen der Betriebe meines Nachbars durch einen Sprengstoffanschlag zu zerstören, wenn er nicht einen Bargeldbetrag im mittleren fünfstelligen Betrag bis zu einem bestimmten Datum an einem bestimmten Ort hinterlegt. Drei Wochen später wiederholte ich diese Aufforderung. In beiden Fällen konnte die Tatvollendung allein deswegen nicht gelingen, weil ich zum Übergabezeitpunkt und -ort nicht erschienen bin, weil ich andere Termine hatte. An der geforderten Geldsumme hatte ich auch selbst kein Interesse. Es ging mir ausschließlich darum, meinen Nachbarn einzuschüchtern. Es ist mir klar, dass ich damit eine weitere rote Linie überschritten habe und es tut mir auch sehr Leid. Damit die Situation nicht weiter eskaliert, bin ich in der Zwischenzeit da weggezogen, habe mich von meinem Auto getrennt, so dass ich nicht mehr ohne Schwierigkeit zu meinem ehemaligen Wohnort komme. Zudem habe ich freiwillig einen Pfefferspray bei der Polizei abgegeben, da ich befürchtete, meinen Nachbarn damit anzugreifen. Ich habe folgende Fragen:
- Eine versuchte Erpressung nach § 253 StGB bzw. räuberische Erpressung nach § 255 StGB dürfte ich damit begangen haben. Sehen Sie das so?
- Gleichzeitig frage ich mich, ob hier nicht eine Strafbefreiung eintreten kann, da ich mich nach meiner Darlegung und auch nach meiner Vorstellung ernsthaft darum bemüht habe, dass die Taten nicht zum Erfolg führen, bzw. die Tatausführung nicht weiterverfolgt habe. Inzwischen befinde ich mich auch in psychologischer Beratung, um das Ganze zu verarbeiten bzw. die Hemmschwelle wiederaufzubauen, die mir zur Ausführung dieser Taten verloren gegangen war, was Sie mir bestimmt ohnehin empfohlen hätten.
- Bislang wurde ich nicht ermittelt. Ausreichende verwertbare Beweise liegen auch nicht vor. Doch habe ich große Angst davor. Sollte es doch kommen, weiß ich schon jetzt, dass ich nicht die Kraft aufbringen werde, zu schweigen. Ich würde mich zu meiner Tat bekennen. Müsste ich dann mit einer Strafe rechnen? Wenn dann, mit welchem Strafmaß? Käme noch eine Strafbefreiung in Betracht?
Ich bin Mitte 30 und war vor dieser Situation mit dem Nachbarn nie im Konflikt mit dem Gesetz gekommen, abgesehen von ein paar Strafzetteln. Und ich hoffe doch sehr, dass ich nie wieder in so einer Situation gerate.
Für Ihre Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Einsatz editiert am 24.11.2014 00:05:11
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Erpressungsdelikte setzen im subjektiven Tatbestand voraus, dass der Täter in der Absicht handelt, sich oder einen Dritten rechtswidrig zu bereichern. Wenn Sie jedoch nie vorhatten, das Geld zu nehmen, haben Sie sich weder wegen vollendeter noch wegen versuchter Erpressung strafbar gemacht.

In Betracht kommt allerdings eine Strafbarkeit wegen Nötigung und/oder Bedrohung. Diese Delikte sehen jedoch ein geringeres Strafmaß vor als eine Erpressung. Zudem würde der Umstand, dass Sie freiwillig eine Therapie machen, sicherlich vom Gericht strafmildernd berücksichtigt werden. Aufgrund der Vorgeschichte halte ich eine nochmalige Einstellung jedoch für eher unwahrscheinlich. Sollten Sie hier tatsächlich als Täter ermittelt werden können, wäre eine Geldstrafe wahrscheinlich.

Allerdings sollten Sie das Tatgeschehen nicht unmittelbar gestehen sondern einer ersten Beschuldigtenvernehmung erst einmal aus dem Weg gehen, indem Sie einen Rechtsanwalt mit einer Akteneinsicht beauftragen, um prüfen zu lassen, welche Beweismittel oder Indizien überhaupt gegen Sie vorliegen. Sollte es überhaupt so weit kommen, können Sie sich diesbezüglich auch gern an mich wenden.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Bewertung des Fragestellers 24.11.2014 | 00:59


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