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Verbraucherinsolvenzverfahren: Verfahrenseinstellung oder Verfahrensaufhebung?


| 22.07.2010 15:18 |
Preis: ***,00 € |

Insolvenzrecht


Beantwortet von




Folgender Sachverhalt:

Ein Gläubiger wird vom Insolvenzverwalter angeschrieben. Der Inhalt des Schreibens lautet:

"Als Treuhänder im o. g. Verfahren beziehe ich mich auf Ihre zur Insolvenztabelle angemeldeten Forderungen in Höhe von insgesamt x,xx Euro.

Es wurden insgesamt Forderungen in Höhe von x,xx Euro zur Insolvenztabelle festgestellt. Nach dem bisherigen Kenntnisstand werden sich aus der Tätigkeit des Schuldners keine pfändbaren Beträge ergeben. Somit wird nach Abschluss des Verfahrens sowie in der Wohlverhaltensphase voraussichtlich mit einer Quote von 0,00 % zu rechnen sein.

Von dritter Seite wurde zur Gläubigerbefriedigung ein Betrag in Höhe von x,xx Euro zur Verfügung gestellt, wenn die Gläubiger der Einstellung des Verfahrens gem. § 213 InsO zustimmen. Dieser Betrag wurde dem in diesem Verfahren eingerichteten Treuhandkonto gutgeschrieben.

Im Falle der Verteilung dieses Betrages nach Abzug der Verfahrenskosten ergäbe sich eine Quote in Höhe von 100 % der festgestellten Forderung.

Sollten alle Gläubiger der Einstellung gem. § 213 InsO zustimmen, wird der Betrag zur Masse gezahlt und an die Gläubiger in Höhe der genannten Quote verteilt werden können. Der Schuldner wird einen Antrag zur Einstellung des Verfahrens gem. § 213 InsO beim Amtsgericht stellen. Um diesen Antrag stellen zu können, wird die Bestätigung der Gläubiger auf dem beilegenden Formular benötigt.

Ich bitte um Prüfung des Sachverhaltes und im Falle der Zustimmung um Unterzeichnung und Rücksendung der Erklärung bis zum xx.xx. Sodann kann das Verfahren kurzfristig eingestellt werden und die 100 % Quote an Sie überwiesen werden.

Es ist die Zustimmung aller Gläubiger zwingend notwendig, um die Einstellung gem. § 213 InsO zu ermöglichen. Im Falle der Nichtzustimmung oder Nichtrücksendung zu obigem Vorschlag wird das Verfahren kurzfristig eingestellt. Eine Quotenauszahlung kann dann auf Grund des geringen Massebestandes nicht erfolgen.

Bei einer Verfahrenseinstellung gem. § 213 InsO ergibt sich für die Insolvenzgläubiger eine kurzfristige Auszahlung der 100%igen Quote, wobei bei einer Verfahrenseinstellung gem. § 200 InsO die Auszahlung einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen würde. Die Insolvenzgläubiger haben bei einer Einstellung gem. § 213 InsO einen Vorteil."
(Ende des Schreibens)

Hinweis:

Der Schuldner hat aus dem Verkauf des eigenen hälftigen Hauses an die Exfrau das Geld erworben. Diese Vereinbarung der Ex-Partner kam durch den Insolvenzverwalter zustande und wurde auch notariell beurkundet. Dieses Geld wurde also nicht von dritter Seite zur Verfügung gestellt. Dieses Geld gehört dem Schuldner aufgrund des Verkaufs seiner Haushälfte und liegt auf dem Treuhandkonto zur Verteilung an die Gläubiger bereits seit einigen Monaten bereit. Der vorhandene Betrag ist erheblich höher als die Forderungen aller Gläubiger. Dieser Betrag wird nicht wieder an die Exfrau ausgezahlt. Und gehört somit zur Masse des Schuldners (?). Dafür hat sie ja notariell die Haushälfte erworben. Dieses ist den Gläubigern bekannt und es wurde bereits auch von Gläubigerseite angefragt, wann mit der Auszahlung zu rechnen ist. Das Schreiben passt aus der Sicht des Gläubigers nicht ganz auf die eigentliche Situation.

Frage:

Warum also muss dem Antrag auf Einstellung des Verfahrens zugestimmt werden, um eine Auszahlung zu erwirken, wenn das eigene Geld des Schuldners vorhanden ist und eine 100%ige Auszahlung gewährleistet ist. Ohne diese Zustimmung ist eine Auszahlung lt. Schreiben nicht möglich. (0,00 % nach der Wohlverhaltensphase), da keine Masse vorhanden ist. Eine Wohlverhaltensphase des Schuldners ist doch eigentlich gar nicht mehr nötig?

Ist bei einer 100%igen Befriedigung sämtlicher Schulden des Schuldners aus eigenem Kapital eigentlich ein solches Verfahren mit Antrag auf Einstellung nötig? Meines Wissens ist eine Zustimmung auf Einstellung doch nur bei einer minderen Quote als 100 % nötig?

Wie sieht ein Insolvenzverfahren normalerweise aus, wenn der Schuldner im laufenden Verfahren so viel Geld erhält, dass er alle Schulden inkl. Gebühren auszahlen kann?

Wieso wird hier auf eine dritte Seite hingewiesen, die das Geld nur zur Verfügung stellt bei Antrag auf Einstellung? Dieser Einfluss ist doch durch den Verkauf der Haushälfte an die "dritte Seite" herausgenommen. Das Geld für das Haus kann nicht mehr zurückfließen. Somit also Masse des Schuldners?

Gibt es hier überhaupt Vor- und/oder Nachteile für die Gläubiger bei Zustimmung oder Nichtzustimmung zur Einstellung?

Oder gibt es hier vielleicht unterschiedliche Handhabungen im Sinne des Schuldners? (oder gegen den Schuldner?) - § 213 InsO oder § 200 InsO

Also: sollte der Gläubiger im Sinne aller Beteiligten (Gläubiger, Schuldner, Insolvenzverwalter) der Einstellung zustimmen oder lieber die Verfahrensaufhebung abwarten?

Herzlichen Dank für Ihre Mühe und die Bearbeitung
der Fragen!
Mit freundlichen Grüßen

Antwort vom
22.07.2010 | 16:58
Sehr geehrter Fragesteller,

Anhand des geschilderten Sachverhalts beantworte ich Ihre Fragen wie folgt:

1. Frage: Warum also muss dem Antrag auf Einstellung des Verfahrens zugestimmt werden, um eine Auszahlung zu erwirken, wenn das eigene Geld des Schuldners vorhanden ist und eine 100%ige Auszahlung gewährleistet ist. Ohne diese Zustimmung ist eine Auszahlung lt. Schreiben nicht möglich. (0,00 % nach der Wohlverhaltensphase), da keine Masse vorhanden ist. Eine Wohlverhaltensphase des Schuldners ist doch eigentlich gar nicht mehr nötig?
--- Antwort: Ich gehe zunächst von dem aus, was der Treuhänder mitgeteilt hat. Eine dritte Person (also nicht der Schuldner) hat das Geld zur Verfügung gestellt, aber unter der Bedingung der Zustimmung zur Verfahrenseinstellung durch jeden Gläubiger.
Über die Motive mag man spekulieren.
Rechtlich ist die Zustimmung Voraussetzung dafür, dass der Treuhänder etwas zu verteilen hat. Mit anderen Worten, wenn die Bedingung, also die Zustimmungen, nicht erfüllt wird, geht das Geld zurück an den Dritten.
Im Übrigen kann es sein, dass nicht alle angemeldeten Forderungen auch zur Insolvenztabelle festgestellt worden sind. Das Gericht kann gemäß 213 Abs. 2 InsO bei Gläubigern, deren Forderungen bestritten werden, nach freiem Ermessen entscheiden, inwieweit es einer Zustimmung dieser Gläubiger oder einer Sicherheitsleistung gegenüber ihnen bedarf.

2. Frage:
Ist bei einer 100%igen Befriedigung sämtlicher Schulden des Schuldners aus eigenem Kapital eigentlich ein solches Verfahren mit Antrag auf Einstellung nötig? Meines Wissens ist eine Zustimmung auf Einstellung doch nur bei einer minderen Quote als 100 % nötig?
--- Antwort: Das Verfahren nach § 213 InsO ist nicht zwingend aber zeitlich sehr ökonomisch.
Es könnte auch nach § 212 InsO verfahren werden, wenn gewährleistet ist, dass nach der Einstellung beim Schuldner weder Zahlungsunfähigkeit noch drohende Zahlungsunfähigkeit noch, soweit die Überschuldung Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist, Überschuldung vorliegt.
Wenn dies nicht gewährleistet ist, weil etwa noch nicht fest steht, dass der zur Verfügung gestellte Betrag für alle Forderungen (und nicht nur alle bisher festgestellten Forderungen) ausreicht, bleibt das Verfahren nach § 213 InsO mit Zustimmung der Gläubiger.
Eine weitere und übliche Möglichkeit wäre die Aufhebung des Verfahrens nach § 200 InsO, (siehe folgende Antwort).

Frage 3: Wie sieht ein Insolvenzverfahren normalerweise aus, wenn der Schuldner im laufenden Verfahren so viel Geld erhält, dass er alle Schulden inkl. Gebühren auszahlen kann?
--- Antwort: In diesem Fall steht dem Insolvenzverwalter/Treuhänder das Geld ohne Bedingung zur Verfügung. Es wird vom Insolvenzverwalter ein Verteilungsverzeichnis erstellt, § 188 InsO. Es kommt sodann in der Regel mit Zustimmung des Gerichts zu einer Schlussverteilung, § 196 InsO. Es wird ein Schlusstermin bestimmt, § 197 InsO. Schließlich wird das Insolvenzverfahren aufgehoben, § 200 InsO.

Frage 4: Wieso wird hier auf eine dritte Seite hingewiesen, die das Geld nur zur Verfügung stellt bei Antrag auf Einstellung? Dieser Einfluss ist doch durch den Verkauf der Haushälfte an die "dritte Seite" herausgenommen. Das Geld für das Haus kann nicht mehr zurückfließen. Somit also Masse des Schuldners?
--- Antwort: Ich kann nicht beurteilen, wie zutreffend und vollständig Ihre Informationen sind. Es kann ja durchaus sein, dass Ihnen hierzu weitere Hintergrundinformationen fehlen, z.B, ob die Eigentumshälfte des Schuldners vielleicht wertausfüllend belastet war, z.B. durch eine Grundschuld, Hypothek etc. durch Banken oder andere Gläubiger.
Falls es aber zutrifft, dass der Treuhänder aus dem Verkauf der Eigentumshälfte Geld erhalten hat, würde dieses zur Insolvenzmasse gehören. Trifft es außerdem zu, dass dieser Betrag sämtliche Forderungen und übersteigt, wäre er im üblichen Verfahren an die Gläubiger zu verteilen, ohne dass es hierfür eine Zustimmung gemäß § 213 InsO bedarf. Es wäre allerdings sehr seltsam, dass ein gerichtlich bestellter Treuhänder in diesem Fall eine geringere Masse mit einer 0 % -Quote ankündigt.
Letztlich könnte Aufschluss hierüber wohl nur ein Einblick in die Insolvenzakte bei Gericht bzw. die Einschaltung des Insolvenzgerichts als Aufsichtsorgan geben.

Frage 5: Gibt es hier überhaupt Vor- und/oder Nachteile für die Gläubiger bei Zustimmung oder Nichtzustimmung zur Einstellung?
--- Antwort: Der Vorteil bei Zustimmung liegt auf der Hand, die Gläubiger erhalten die Forderungsbeträge, in diesem Fall wohl sogar vollständig. Die Befriedigung der Gläubiger ist das einzige Ziel des Insolvenzverfahrens, § 1 InsO.
Einen theoretischen Nachteil kann ich nur für Gläubiger erkennen, die nicht vollständig befriedigt werden. Anstatt dass für die Gläubiger ein Insolvenzverwalter/Treuhänder die rechtlichen Möglichkeiten der Insolvenzordnung ausschöpft, um die Masse anzureichern wäre nun der Gläubiger wieder darauf angewiesen, seine restlichen Forderungen wie üblich, also durch Einzelzwangsvollstreckung und falls nicht zur Tabelle festgestellt durch vorherige Titulierung, § 201 InsO.

Frage 6: Oder gibt es hier vielleicht unterschiedliche Handhabungen im Sinne des Schuldners? (oder gegen den Schuldner?) - § 213 InsO oder § 200 InsO.
--- Antwort: Der Vorteil für den Schuldner in dem Verfahren nach § 213 InsO liegt in der Abkürzung des Verfahrens, insbesondere dem Wegfall der Wohlverhaltensperiode.
Der Nachteil für den Schuldner ist, dass in dem Schlusstermin keine Restschuldbefreiung erteilt werden kann, § 289 Abs.3 InsO. Der Schuldner muss also weiterhin für noch offene (Rest- ) Forderungen gerade stehen.

Frage 7: Also: sollte der Gläubiger im Sinne aller Beteiligten (Gläubiger, Schuldner, Insolvenzverwalter) der Einstellung zustimmen oder lieber die Verfahrensaufhebung abwarten?
--- Antwort: Der Gläubiger darf und sollte hier seine eigenen finanziellen Interessen verfolgen.
Falls Ihre Forderung vollständig festgestellt wurde, empfehle ich die Zustimmung, denn es wurde eine 100 prozentige Befriedigung angekündigt.
Falls Ihre Forderung nicht vollständig festgestellt wurde, sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht trotzdem zustimmen und den Restbetrag im ordentlichen Verfahren tituieren lassen und anschließend die zwangsvollsteckung betreiben.
Das Risiko, dass tatsächlich keine Verteilungsmasse vorhanden ist, falls nicht zugestimmt wird, sehe ich nach den mir bisher vorliegenden Informationen doch als zu hoch an. In diesem Fall droht der vollständige Forderungsausfall.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Antwort weiter helfen. Für eine weitere Nachfrage stehe ich gerne zur Verfügung.


Bewertung des Fragestellers 2010-07-26 | 14:13


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