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Unfallversicherung sagt es sei kein Unfall und zahlt Krankenhaustagegeld nicht


| 08.12.2016 10:51 |
Preis: 70,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Brigitte Draudt



Ich bin im Februar 2016 gestürzt, habe mir vier Wirbel und zwei Rippen gebrochen. Unter dem Einfluss starker Medikamente wurde ich in der Notaufnahme gefragt wie das passiert sei. Ich VERMUTETE dass mir im Bad schwarz vor Augen geworden sei. Dies wurde so im Arztbericht festgehalten. Im März stellte ich den Antrag auf Auszahlung des Krankenhaustagegeldes bei meiner privaten Unfallversicherung (HUK-Coburg). Dies wurde verneint, weil kein Unfall vorliegt, sondern der Sturz durch eine Kreislaufschwäche/Bewusstseinsstörung gekommen ist. Dieses habe ich erstmal so hingenommen. Nach langer Krankheit dadurch, zwei Operationen und einer langen Reha kann ich mich nunmehr wieder an den genauen Ablauf des Unfalls erinnern und habe keine Lücken mehr. Ich wollte aus der Wanne aussteigen, bin auf dem nassen Boden ausgerutscht, gegen die Badezimmertür geknallt (Tür musste danach ausgetauscht werden, Totalschaden) und kam dann zwischen Klo und Schrank zum liegen.

Dadurch das ich mir im klaren bin wie der Unfall wirklich abgelaufen ist würde ich gerne mit anwaltlicher Hilfe das Krankenhaustagegeld versuchen einzuklagen bzw. gibt es lt. Vertag sogar noch Geld für jeden einzelnen Knochenbruch. Wie stehen da die Chancen im Hinblick das ich zuerst einen anderen Unfallhergang angegeben habe?

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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte Ihre Frage gerne wie folgt:

Wenn Sie eine Klage führen möchten, so müssen Sie die Tatsachen, die Sie vortragen wollen, beweisen können, damit die Klage schlüssig ist. Hier ist nun die missliche Situation eingetreten, dass Sie zunächst einen anderen Unfallhergang angegeben haben und daher dem ersten Anschein nach dieser von der Versicherung als maßgebend angesehen wird.
Sie haben hier nur Chancen, wenn Sie den Ihnen nun klar gewordenen tatsächlichen Unfallhergang beweisen können. Dazu müssten Sie alle Beweise, die Sie finden können zusammentragen. Dies können sein: etwaige Zeugen, Diagnosen von Ärzten, Arztberichte aus dem Krankenhaus. Sie müssten diese dort anfordern unter Entbindung der Ärzte von der Schweigepflicht.
Letztlich wird es aber wohl auf ein Sachverständigengutachten hinauslaufen, das sich mit der Frage beschäftigen wird, ob die Verletzungen von dem Unfallhergang herrühren können, der Ihnen nun klar geworden ist. Auch ein Sachverständigengutachten ist ein Beweismittel im Prozess.
Hier ist ein gerichtlich bestellter und vereidigter Sachverständiger besser als etwa ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten, weil er einen Beweiswert hat im Gegensatz zu einem Privatgutachten, welches nur als Parteivortrag zu werten ist.


Ich empfehle Ihnen daher, dass Sie sich auf jeden Fall einen Anwalt nehmen sollten und diesem alle Unterlagen zeigen, die Sie bisher schon haben. Das ist für eine nähere Einschätzung der Klagechancen unumgänglich. Der Anwalt kann dann auch für Sie die Unterlagen bei Ärzten und Krankenhäusern anfordern, denn erfahrungsgemäß ist es ohne Anwalt schwer, diese zu erlangen. Möglicherweise macht es auch Sinn, zunächst ein selbständiges Beweisverfahren bei Gericht durchzuführen, das sich nur gutachterlich mit der Beweisfrage des ursächlichen Zusammenhangs zwischen Verletzung und Schaden beschäftigt. Das kann aber nur abschließend anhand der genannten Unterlagen beurteilt werden.
Möglicherweise ist es auch zunächst sinnvoll, wenn ein Anwalt erst einmal mit der Versicherung außergerichtlich in Kontakt tritt und nochmals versucht, so Ihre Ansprüche durchzusetzen.

Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben
und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Draudt
Rechtsanwältin
Bewertung des Fragestellers 10.12.2016 | 12:30


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