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Unfall mit Beinfraktur auf einem Ausflugsschiff in Alaska, USA


| 24.12.2012 13:43 |
Preis: ***,00 € |

Internationales Recht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Anja Merkel, LL.M.



Am 18. Juni 2012 befand ich mich auf dem Ausflugsschiff TANAINA der Firma Kenai Fjords Tours, welches von Seward, Alaska, Halbinsel Kenai, Richtung Gletscher der Resurrection Bay unterwegs war. Als ich mich während schneller Fahrt Richtung Bug bewegte, fuhr das Schiff über eine besonders große Welle, die vielleicht von einem kalbenden Gletscher ausgelöst worden sein könnte. Der Bug schlug unvermittelt und ruckartig nach oben, riss mir die Beine weg und dadurch erlitt ich eine Fibula-Fraktur (Wadenbeinbruch).

Es waren zuvor keine Warnungen oder andere Hinweise an die Fahrgäste gegeben worden, sich bei der schnellen Fahrt ins Innere der Fahrgastkabine zurückzuziehen oder Platz zu nehmen.

Direkt nach dem Zwischenfall schmerzte mein Bein so stark, dass ich nicht mehr laufen konnte. Es zeigte sich sofort eine Schwellung. Ich ging in diesem Augenblick von einer Verstauchung aus. Der Vorfall war von einigen anderen Fahrgästen gesehen worden, die schon in der Nähe des Bugs vor mir angekommen waren und sitzend den Unfall mitbekommen hatten. Leider habe ich keine Adressen von Augenzeugen.

Auf einem Bein hüpfend erreichte ich das Oberdeck und meinen Sitzplatz, was von der Crew bemerkt worden war. Auf meine Bitte hin versorgte man mich mit Eisbeuteln, was zur Schmerzlinderung beitrug. Der Unfall ereignete sich gegen 11 Uhr Ortszeit, die Ausflugsfahrt war bis ca. 17 Uhr veranschlagt. Ich verblieb während der Zeit auf meinem Sitzplatz und kühlte die verletzte Stelle fortan mit Eis, welches mir zur Verfügung gestellt wurde. Der Kapitän erkündigte sich nach meinem Befinden und fragte nach einem Transport in eine Klinik nach der Rückkehr, was ich befürwortete.

Nach meinem Unfall wurden die Passagiere über die Lautsprecher darauf hingewiesen, sich während hoher Reisegeschwindigkeit in das Innere des Schiffes zu begeben. Ein Besatzungsmitglied nahm einen Unfallbericht auf, von dem ich aber keine Kopie erhielt. Ein Mitreisender aus Deutschland hatte zwar nicht den Unfall direkt beobachtet, aber alle weiteren Umstände auf dem Schiff.

Vor der Rückkehr nach Seward war ein Abendessen auf einer vorgelagerten Insel vorgesehen, wofür mir die Crew einen Rollstuhltransport organisierte, so dass ich auch daran teilnehmen konnte.

Nach der Rückkehr nach Seward gegen 17 Uhr Ortszeit fuhr mich der Shuttlebus von Kenai Fjords Tours direkt in die Klinik. (Providence Medical Center). Dort wurden Rötngenaufnahmen gemacht und die Fraktur diagnostiziert. Da es kein MRT (Magnetresonanztomographie) gab, konnte nur die Fraktur festgestellt werden, nicht aber die Verletzung der den Knochen umgebenden haltgebenden Weichteile. Eine Entscheidung, ob der Bruch operativ fixiert werden solle oder nicht, ist maßgeblich davon abhängig, ob diese Knochenumhüllung intakt war oder nicht.

Aufgrund der Positionierung der Fraktur riet man mir von einem operativen Eingriff ab, zumal ich als Deutscher auch bei längerer Arbeitsunfähigkeit keinerlei Existenzgefährdung ausgesetzt sei (anders als bei oft unversicherten US-Bürgern). Ich erhielt eine Unterschenkelorthese (Moon-Boot zur Fixierung des Fußes) und Achselgehstützen.

Am Folgetag beglich ich die Krankenhausrechnung per Kreditkarte und fragte bei Kenai Fjords Tours nach der Rechtsabteilung wegen Kompensation wahrscheinlich entstehender finanzieller Nachteile. Man übergab mir den Namen einer Mitarbeiterin vom "Legal Risk Management" in der Hauptverwaltung in Anchorage.

Das Providence Medical Center verabreichte mir keinerlei Thromboseprophylaxe, was bei meinen später in Deutschland behandelnden Ärzten mit Entsetzen zur Kenntnis genommen wurde. Der geplante Rückflug von Anchorage nach Frankfurt war am 23. Juni 2012. Von Seward bis Anchorage lag eine ca. dreistündige Fahrt. Die Verbindung von ANC nach FRA wird von Condor auch im Sommer nicht täglich bedient.

In Anchorage stellte ich am 21. Juni 2012 eine für meine Beurteilung starke Schwellung des Fußes fest, als ich die Orthese für eine Kröperreinigung abgenommen hatte. Mein Reisebegleiter war nicht erreichbar, so begab ich mich zum Platzwart des Wohnmobil-Stellplatzes und dieser schlug vor, eine Ambulanz zu bestellen. Dies geschah und ich wurde ins Providence Medical Center von Anchorage gefahren. Dort diagnostizierte man nur eine Schwellung, aber nicht das befürchtete Kompartment-Syndrom, untersuchte die Beinvenen mittels Ultraschall und entließ mich wieder mit der Maßgabe, das Bein so oft wie möglich erhöht zu lagern. Auch hier erfolgte keine Gabe von Thromposeprophylaxe / Heparin, wohl wissend, dass ich noch einen Langstreckenflug vor mir hatte. Condor brachte es nicht fertig, mir einen Rollstuhl am Flughafen zu organisieren, ich musste mich selbst kümmern, was mühevoll und nervend war.

In Deutschland wurde die Verletzung der Knochenhülle festgestellt durch ein MRT, welches ich selbst zahlen musste, da es sich um einen Privatarzt einer Gemeinschaftspraxis handelte. Es folgte am 29.6.2012 die Operation am St.-Martinus-Hospital in Düsseldorf mit dem Einsatzen einer Titanplatte. Daraufhin nachsorge mit Physiotherapie und Manueller Lymphdrainage.

Da ich als Besatzungsmitglied einer Fluggesellschaft tätig bin, gelten für mich strengere Gesundheitsanforderungen für die Flugdiensttauglichkeit als für "normale" Beschäftigungsverhältnisse, Mein Wiedereinstieg begann mit der Wiedereingliederung ab 1. November 2012 (mit weiterem Bezug von Krankengeld), voll einsatzfähig mit 100% Wiederherstellung der Flugdiensttauglichkeit bin ich seit 1. Dezember 2012.

Meine finanziellen Einbußen durch den Unfall betreffen die Differenz zwischen Krankengeld und üblicher Gehaltszahlung sowie die Zusatzkosten für Rezeptgebühren, Taxifahrten, die selbst bezahlte MRT-Untersuchung.

Ich denke auch an die Nichtausübung der Fürsorgepflicht durch den Betreiber des Ausflugsschiffes: Passagiere wurden nicht auf die Gefahren hingewiesen bis es zum Unfall kam. Schadenersatzklagen haben, wie man es aus zahlreichen Presseberichten kennt, in USA oft bessere Chancen als in Deutschland, was den Erfolg und auch die Höhe der Entschädigung betrifft.

Bis Mitte August 2012 war ich auf Krücken unterwegs und so lange musste ich täglich Heparin spritzen, um die Thrombosegefahr zu mindern.

Ich frage mich auch, ob dies noch fristgerecht passieren könnte. Den Mailverkehr mit der Mitarbeiterin vom Risk Management von Kenai Fjord Tours habe ich noch, wenn dies zur Fristwahrung ein entscheidender Bestandteil wäre. Sie nannte mir auch die Adresse der Versicherungsunternehmens, bei dem die Firma Kenai Fjords Tours Kunde ist.

Ich würde mich freuen, wenn sich ein fachlich kundiger Anwalt die Mühe machen würde, meinen Fall zu beurteilen. Leider habe ich keine Rechtsschutzversicherung. Die Kosten der beiden Kliniken in Seward und Anchorage sowie des Krankentransportes in Anchroage wurden inzwischen von meiner Auslandskrankenversicherung erstattet.
Sehr geehrte Fragestellerin,
sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst möchte ich Sie darauf hinweisen, dass dieses Forum eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern vor allem dafür gedacht ist, eine erste rechtliche Einschätzung zu ermöglichen. Durch Hinzufügen oder Weglassen relevanter Informationen könnte die rechtliche Beurteilung Ihres Anliegens anders ausfallen.

Ihre Fragen beantworte ich hinsichtlich Ihrer Angaben und unter Berücksichtigung des Umfangs Ihres ausgelobten Einsatzes folgendermaßen.


Neben den von Ihnen bereits vorgetragenen Schadenspositionen - die Differenz zwischen Krankengeld und üblicher Gehaltszahlung sowie die Zusatzkosten für Rezeptgebühren, Taxifahrten, die selbst bezahlte MRT-Untersuchung – haben Sie noch einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Haushaltsführungsschaden.

Der Schmerzensgeldanspruch in den USA umfasst den Ausgleich für erlittene Schäden „Compensatory Damages", aber auch den so genannten „Punitive Damages", einen Strafschadensersatz. Das heißt, der Schadensersatz in den USA kann auch eine Bestrafung beinhalten, was in Deutschland grundsätzlich ausgeschlossen ist. Daher sind die Schmerzensgeldzahlungen in den USA soviel höher als in Deutschland.
In Ihrem Fall also kann der im Rahmen vom Schadensersatz zu zahlende Schmerzensgeldanspruch, neben dem Ausgleich für Ihre Schmerzen auch die Bestrafung des Unternehmens beinhalten, die Passagiere nicht ausreichend vor den Gefahren bei schneller Fahrt gewarnt zu haben.
Der Haushaltsführungsschaden stellt einen Ausgleich dafür dar, wenn Sie verletzungsbedingt Ihren Haushalt nicht mehr so führen konnten. Ausgangspunkt bzw. Orientierung sind hierbei die Kosten einer Haushaltshilfe und die Anzahl der Tage, in denen Sie verletzungsbedingt bei der Verrichtung ihrer Haushaltstätigkeiten eingeschränkt gewesen sind.
In den USA muss der Schadensausgleich gerecht und angemessen sein, so dass der Schaden nicht bewiesen werden muss, sondern lediglich vermutet wird.

Die bereits von Ihrer Auslandskrankenversicherung gezahlten Kosten, können Sie nicht mehr geltend machen. Der Ausgleichsanspruch ist auf die Auslandskrankenversicherung übergegangen.


Hinsichtlich der Geltendmachung des Schadens gegenüber der Versicherung der amerikanischen Ausflugstourgesellschaft, weisen Sie auf die Schadensanzeige beim Legal risk management hin.


Möglicherweise können Sie zusätzlich noch einen Anspruch gegen das Providence Medical Center wegen der unterlassenen Thromboseprophylaxe trotz Kenntnis der transatlantischen Rückfluges.


Zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche sollten Sie einen Anwalt vor Ort beauftragen. Eine Rechtsschutzversicherung würde auch nur dann eintreten, wenn diese anwaltliche Leistungen in den USA mit versichern. Da in den USA Erfolgshonorarvereinbarungen insbesondere in Schadensersatzhaftungsprozessen üblich sind, erhält der Anwalt nur dann eine Vergütung in Höhe von xy % der Schadensersatzsumme, wenn er erfolgreich ist. Dies minimiert Ihr Prozesskostenrisiko.

Zur Höhe Ihres Schadensersatzanspruches kann ohne Einsicht in alle Unterlagen hier keinerlei seriöse Aussage gemacht werden.


Hilfe beim Finden eines Anwaltes in den USA bieten die deutschen Botschaften in den USA an.

http://www.germany.info/Vertretung/usa/de/01__Botschaft/Washington/03/Anwaelte__Uebersetzer.html


Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben.

Beste Grüße

Anja Merkel, LL.M.
Rechtsanwältin

Nachfrage vom Fragesteller 29.12.2012 | 10:40

Liebe Frau Merkel,

Vielen Dank für die erhellende Antwort. Eine Frage habe ich zur Fristenwahrung. Den Mailkontakt zur Rechtsabteilung von Kenai Fjords Tours habe ich wenige Tage nach meiner Rückkehr aus Deutschland aufgenommen. Ist die Fristwahrung gegeben, wenn ich nun mit der Vorbereitung einer Klage gegen den Schiffsbetreiber und die Kliniken in Alaska beginne?

Vielen Dank!
Mit freundlichem Gruß

der Fragesteller

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 29.12.2012 | 12:29

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Schadensersatzansprüche durch fahrlässiges oder grob fahlässiges Handeln inklusive medizinischer Kunstfehler verjähren in Alaska/USA innerhalb von 2 Jahren. Die Frist beginnt ab der Verletzungshandlung zu laufen.

Insofern sind Ihre Ansprüche, zumindest im Bundesstaat Alaska noch nicht verjährt.

Beste Grüße und einen guten Rutsch!

Bewertung des Fragestellers 29.12.2012 | 13:05


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"Ich bin mit dieser Antwort sehr zufrieden. Durch die Antwort fühle ich mich ermutigt, den Schritt mit einer Klage in USA gegen den Schiffsbetreiber und die beiden behandelnden Kliniken zu wagen. Nochmals vielen Dank und ein Frohes Neues Jahr."