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Umzug von der Schweiz nach Deutschland infolge Heirat in Deutschland


| 06.11.2014 18:08 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle



Guten Abend

Ich, geboren am 18.4.1983 in VS-Schwenningen arbeite seit dem 17.11.2008 in einem schweizer Unternehmen zu 100%. Seit Februar 2009 in der Schweiz im Kanton Aargau wohnhaft und besitze seit Februar 2014 eine Niederlassungsbewilligung C. Folglich im ordentlichen Steuerverfahren mit Vorauszahlungsverpflichtung für das laufende Steuerjahr. Bin nicht verheiratet, habe keine Kinder.
Bezüglich der schweizer Altersvorsorge besitze ich nebst den Säulen 1 und 2, zwei Säule-3a Konten. Zudem in Deustchland seit 2011 eine Eigentumswohnung zwecks Kapitalanlage.

Am 15.1.2015 werde ich in Deutschland standesamtlich heiraten und einen neuen Familiennamen annehmen. Der Lebensmittelpunkt wird in Deutschland sein. Daher beabsichtige ich den Wohnsitz nach Deutschland zu verlegen.

Arbeitsbedingungen ab 2015:
- 100% Anstellung
- 2tage homeoffice,D
- 3tage office, CH

Fragen:

Welches Vorgehen zu o.g. Betreff würden Sie uns empfehlen?

Inwieweit ist es sinnvoll, meinen Wohnsitz schon per 1.1.2015 nach Deutschland zu verlegen inkl Umzug und Wohnungskündigung in der Schweiz? Was sind die steuerlichen und versicherungstechnischen Konsequenzen?

Mit welche steuerlichen Veränderungen (Veranlagungen) müssen ich und meine künftige Ehefrau rechnen? In welchen Steurklassen werden wir eingestuft? (Brutto Jahreseinkommen Ich ca. 100'000 SFr, Sie ca. 30'000€)

Was passiert mit meinem Guthaben in den Vorsorgekonten Säule 3a?

Freundliche Grüsse





Einsatz editiert am 07.11.2014 13:24:18
Sehr geehrter Ratsuchender,

die aufgeworfenen Fragen beantworte ich gern anhand Ihrer Darstellung des Sachverhaltes wie folgt.

Mit der Errichtung eines Wohnsitzes in Deutschland, sind Sie in Deutschland nach § 1 Abs. 1 EStG unbeschränkt steuerpflichtig.
Insoweit Sie auch in der Schweiz noch eine Steuerpflicht trifft (Wohnsitz, ständiger Aufenthalt) wäre insoweit das deutsch/schweizerische Doppelbesteuerungsabkommen einschlägig.

Bei einer Tätigkeit in der Schweiz und der Entlohnung durch ein in der Schweiz ansässigen Unternehmens würde insoweit dieses Arbeitsentgelt in der Schweiz zu versteuern sein.

Ihre Grenzgängereigenschaft führt indes dazu, dass Ihr Arbeitgeber die schweizerische Quellensteuer in Höhe von 4,5 % einbehält und abführt. Diese wird regelmäßig auf die in Deutschland geschuldete Steuer angerechnet.
Im Übrigen können Sie sich gemeinsam mit Ihrer Ehefrau zusammen Veranlagen lassen. Angesichts Ihrer Einkommensverhältnisse wäre zu überlegen, ob eine Steuerklassenverteilung 3/5 für die entsprechenden Steuervorauszahlungen für Ihre Lebenssituation geeigneter erscheint als eine 4/4 Verteilung. Dabei ist regelmäßig das höhere Einkommen der Lohnsteuerklasse 3 zuzuordnen, damit sich daraus eine geringere Vorausbelastung ergibt. Ob sich dieser Weg wirklich lohnt, sollten Sie anhand Ihrer konkreten Situation mit einem Steuerberater Ihrer Wahl besprechen.
Sie werden vom zuständigen Finanzamt aufgefordert werden, bis zum 31.05. eines Jahres eine entsprechende Einkommenserklärung abzugeben, diese sollten Sie angesichts Ihrer persönlichen Situation nicht ohne die Hilfe eines Steuerberaters anfertigen lassen.

Das Steuersparmodel Säule 3a kann jederzeit beim endgültigen Verlassen der Schweiz aufgelöst werden. Ansonsten kann diese gebundene Vorsorgeversicherung bestehen bleiben.

Als Grenzgänger besteht in der Schweiz eine Krankenversicherungspflicht, von der man sich innerhalb von drei Monaten befreien lassen kann. Es besteht jedoch die Möglichkeit innerhalb der 3 Monatsfrist sich hiervon befreien zu lassen und einer deutschen Versicherung den Vorzug geben. Das Optionsrecht kann nur einmal genutzt werden, soweit Sie sich für eine deutsche Krankenversicherung entscheiden, muss sichergestellt werden, dass diese auch für die Schweiz gilt.

Sie sollten zeitnah die entsprechenden Voraussetzungen für die einzelnen Aufenthaltsbewilligungen (L, B, G oder C) in Erfahrung bringen, damit Ihnen angesichts der bevorstehenden veränderten Situation agiert werden kann. Ihr Arbeitgeber ist Ihnen in der Regel dabei behilflich.

Gern stehe ich Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 10.11.2014 | 10:09

Herzlichen Dank für Ihre detaillierten Ausführungen

Wie ich - hoffentlich richtig - entnehme, ist alles vom Zeitpunkt der Errichtung des Wohnsitzes in Deutschland abhängig.

Die Vorabklärungen zum Antrag der Grenzgängerbewilligung laufen bereits. In diesem Zusammenhang ist mir der richtige Zeitpunkt zum Wohnsitzwechsel wichtig.

Deshalb ist mir die indirekte Beantwortung der diesbezüglich gestellte Frage (Anmeldung per 1.1.2015) noch unklar.

Konkret:
Wohnsitz anmelden vor der standesamtlichen Hochzeit (alter Name) oder danach, bzw. dies erfolgt doch mit der Hochzeit automatisch? Oder ist diese Frage für die zukünftige Besteuerung irrelevant?

vorab ein dankeschön von mir und meiner künftigen Frau

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.11.2014 | 10:41

Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihr Wohnsitzwechsel und der steuerlich relevante Wohnsitzwechsel hängen nur bedingt voneinander ab. Soweit Sie erst nach Ihrer Heirat den Wohnsitz in der Schweiz aufgeben und behördlich abmelden und mit dieser Abmeldung in Deutschland anmelden, unterfallen Sie ggf. noch der schweizerischen Steuergesetzgebung, bei der das eheliche gemeinschaftliche Einkommen progressiv berücksichtigt wird. Es könnte insoweit dazu kommen, dass Ihr Einkommen höher besteuert wird, als sonst.
In Deutschland gilt hingegen der Grundsatz der Einzelveranlagung. Ehegatten können grundsätzlich zwischen folgenden Veranlagungsarten wählen:
- Zusammenveranlagung ( § 26 EStG und § 26b EStG )
- getrennte Veranlagung ( § 26 EStG und § 26a EStG )
- besondere Veranlagung im Jahr der Eheschließung ( § 26 EStG und § 26c EStG )

Das Wahlrecht kann aber von Ehegatten nur ausgeübt werden, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:
- Rechtsgültigkeit der Ehe
Anerkannt werden auch nach ausländischem Recht rechtsgültig geschlossene Ehen.

- Unbeschränkte Einkommensteuerpflicht beider Ehegatten
Dazu ist es erforderlich, dass die Ehegatten einen Wohnsitz (nach den persönlichen Lebensbedürfnissen eingerichtete Wohnung) oder zumindest einen gewöhnlichen Aufenthalt (Aufenthalt über 6 Monate) im Inland haben. Alternativ reicht es auch aus, wenn der Ehegatte seinen Wohnsitz in einem EU/EWR- Staat hat ( § 1a Abs. 1 Nr. 2 EStG )

- Die Ehegatten dürfen nicht dauernd getrennt leben. Darunter ist die Trennung von "Tisch und Bett" zu verstehen, die von den Ehegatten mit Wissen und Wollen herbeigeführt wird, um die bestehende eheliche Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft auf Dauer aufzulösen.

Hinsichtlich Ihrer konkreten Frage, kann ich nur aus meiner Warte und Erfahrungen in Deutschland antworten. Es macht Sinn bereits zum 01.01.2015 den einzigen Wohnsitz nach Deutschland umzumelden. Zum einen haben Sie eine scharfe kalenderjährliche Trennung der fiskalischen Zuständigkeiten und zum anderen keine weitere Vermischung Änderung der steuerlichen Merkmale. Aus eigener Erfahrung kann ich nicht dazu raten mehr als notwendig mehr als eine Behörde/einen Sachbearbeiter mit solchen Sachverhalten zu behelligen.

Eine automatische Wohnsitzummeldung gibt es bei Heirat nicht unbedingt. Zwar ist das Standesamt ein Teil der Behörde "Gemeinde" und damit wären bei Erklärung gegenüber dem Standesamt die notwendigen Informationen auch dem Einwohnermeldeamt zugegangen. Verlassen würde ich mich dennoch nicht darauf, dass die Kommunikation der Ämter untereinander immer klappt. Daher rate ich, das einfach schon vorher bei den dafür zuständign Stellen selbst in die Wege zu leiten, dann sollte so wenig wie möglich schief gehen können.
Ich wünsche Alles Gute und stehe Ihnen bei Fragen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Bewertung des Fragestellers 10.11.2014 | 13:03


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