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Umgangsrecht ohne Vaterschaftsanerkennung


| 26.12.2014 21:42 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Oliver Wöhler


Zusammenfassung: Zum Umgangsrecht vor Anerkennung der Vaterschaft.


Hallo, liebe Anwältin/lieber Anwalt,

ich entschuldige mich schon mal für meinen langen Text, aber ich glaube, die eigentliche juristische Frage ist gar nicht so schwer zu beantworten.

Ich bin die Mutter einer 8-jährigen Tochter, Kind aus ganz kurzer Affäre, der Kindvater ist nicht in die Geburtsurkunde eingetragen, es hat nie eine Vaterschaftsanerkennung gegeben.
Unterhalt hat er auch nie gezahlt. Das hatten wir so angemacht, weil er - zumindest damals - recht wenig verdiente. Abgemacht war aber (natürlich), dass er seine Tochter sehen und besuchen darf. Er wohnt (schon immer) ca. 250 km entfernt.
Ich bin seit dem Mutterschutz wieder voll berufstätig, arbeite viel, auch zuhause.
Wir kannten uns nicht gut, eine Freundschaft ist in all der Zeit auch nicht erwachsen. Im Gegenteil.
Der Umgang war in den ersten beiden Lebenjahren chaotisch, er meldete sich, wie er wollte, immer kurz vorher, dann wieder Monate gar nicht, meine Tochter hat ihn z.B,. im zweiten Lebensjahr mal 8 Monate gar nicht gesehen. Er tat sich vor allem schwer, ein passendes Gefährt für die Fahrten zu beschaffen.
Da gab es von Anfang an immer wieder Stress, weil er wollte, dass wir zu ihm kommen. Das habe ich hartnäckig abgelehnt, weil ich weder Zeit noch Lust habe/hatte, mit Kind voll berufstätig ihm auch noch die Fahrt abzunehmen.
Letztlich hatten wir uns seit 2008 auf feste Termine geeinigt, er hatte entschieden, dass er ca. alle 2-3 Monate mal kommt - jeweils nur für ein paar Stunden. Ich hätte ihm mehr sicher nicht verweigert, aber gefragt hat er nie. Kindergeburtstage und Weihnachten haben wir immer leicht versetzt nachgefeiert. Auch daran hat er sich nie gestört.

Jetzt kommt's, wie es kommen musste: Er ist unzufrieden. Er hat jetzt anscheinend seinen gesamten Frust über Jahre angesammelt und nun geht's los:
- Er meldet sich von selbst seit ca. 1,5 Jahren fast gar nicht mehr. Ich habe meine Tochter mehrfach motiviert, ihn anzurufen, aber irgendwie tut sie mir auch leid, dass sie so um Kontakt betteln muss. Letztlich denke ich, es wird ihm alles zu anstrengend.
- Nach vielen Drängen waren wir im Sommer 2013 mal für einen halben Tag bei ihm. Er hatte seine halbe Verwandschaft eingeladen, das Kind hatte jetzt nicht wirklich was davon. Ihm ging er mehr darum, seine Eltern jetzt zu "Oma und Opa" zu machen. Vorher hatten wir nie Kontakt zu denen.
- Dieses Jahr war er genau 3 mal da für seine 2-3 Stunden. Der letzte Besuch war im Sommer, wieder mit seinen Eltern. Freude für meine Tochter fast null, weil man sich miteinander unterhielt über Renovierungen. Meine Tochter weigerte sich übrigens, ohne mich an diesem Besuch teilzunehmen. Das Treffen fand außerhalb statt, weil ich keine Lust auf einen "Überfall" seiner - mir nicht bekannten - Familie hatte.
- Auf diesem Besuch sagte er zu meiner Tochter lapidar "Ruf mich an, wenn ich wiederkommen soll." Ich hatte meine Tochter ein-zwei-mal daran erinnert, aber letztlich hat sie ihn nicht angerufen. Sie fragt auch kaum nach ihm. Von ihm kam auch nicht. Vier Monate Stille.
- (Natürlich) kurz vor Weihnachten meldete er sich dann bei mir per Mail (offiziell an sie adressiert), warum sie sich nicht meldet. Er sehr unpersönlicher, fordernder Ton. Ich habe ihr die Mail "unterschlagen" und ihm nett und freundlich geantwortet, er könne doch einfach anrufen, sie sei doch erst 8.
- Dann kam eine völlig aggressive Mail zurück, in der mich bedrohte (irgendwann werde er dem Kind den ganzen Mailverkehr zukommen lassen - in dem übrigens nicht Schlimmes von meiner Seite drin steht)), mir ohne Ende Vorwürfe machte, mein Verhalten ihm und seinen Eltern gegenüber... alles sehr sehr schräg, konstruiert.

- Endergebnis: Er will nicht mehr zu uns kommen. Das Kind MUSS jetzt in den Ferien zu ihm. Punkt, aus. Außerdem solle ich ihn endlich in die Geburturkunde eintragen.
- Einen ähnlichen Dreizeiler hat meine Tochter noch per Briefpost von ihm bekommen. Sinngemäß "Du muss jetzt in den Ferien zu mir kommen." Ohne Geschenk, ohne alles.
Im Grunde sehr gemein. Den Brief habe ich meiner Tochter gegeben.
Meine Tochter war recht verstört und fragte, ob sie wirklich bei ihm schlafen muss, er sei doch ein "Halbfremder" für sie. Ohne mich wolle sie da nicht hin.

Ich habe jetzt noch einmal geantwortet, so höflich wie möglich, ich könne ihn ja gerne "eintragen lassen", aber dann gibt es auch einen Unterhaltstitel für ihn, das solle ihm klar sein, er solle mir Bescheid geben, ob wir uns von Jugendamt helfen lassen sollen, auch bezüglich des Umganges. Wenn er nicht mehr kommen möchte, sei das okay, aber das Kind möchte definitiv nicht länger zu ihm alleine.

Ich denke auch nicht, dass meine Tochter ein Loyalitätsproblem hat, sie möchte wirklich nicht. Das Verhältnis zu ihrem Vater war aufgrund der wenigen kurzen Besuche immer eher das eines entfernten Bekannten, der halt mal zum Spielen vorbeikommt. Nichtsdestotrotz hat sie sich natürlich gefreut. Dass er aber nie anruft, sich nie nach ihr erkundigt, auch bei mir nicht, sich eigentlich überhaupt nicht für ihr Leben interessiert, dürfte ihr inzwischen auch klar sein. Sie sieht das anscheinend recht gelassen. Sie hatte ein tolles Weihnachten, schöne Geschenke. Meine Ansage, dass ihr Vater wohl dieses Jahr nicht zwischen den Jahre komme, kommentierte sie mit einem Achselzucken.
Ich habe ein fröhliches, selbstständiges, nettes und anscheinend auch ganz kluges Kind hier.

Jetzt endlich mal die Frage(n):

1. Da der Vater ja nicht mal mehr eine Vaterschaftsanerkennung abgegeben hat, hat er doch im Grunde keinerlei Rechte, oder? D.h. wenn er hier in den nächsten Tagen plötzlich vor der Tür steht und sein Kind mitnehmen will (ich traue ihm das glatt zu!), dann kann ich notfalls die Polizei rufen, oder? Von den Großeltern mal zu schweigen, die haben wir zwei Mal gesehen...
2. Wenn er jetzt tatsächlich die Vaterschaft anerkennt und natürlich dann auch Unterhalt zahlen muss, könnte er ja nach neustem Recht auch das gemeinsame Sorgerecht anstreben. Hat er - nach meiner ausführlichen Schilderung - überhaupt eine Chance auf ein gemeinsames Sorgerecht?
3. Er hätte dann ja auch endlich mal ein Umgangsrecht: Eigentlich ist meine Tochter ja schon 8 Jahre, andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass das Umgangsrecht dann so von heute auf morgen ausgestaltet werden kann, dass er sie gar nicht mehr besucht (und auch sonst kaum Kontakt hält) und stattdessen das Kind in den Ferien für ein oder mehrere Wochen zu ihm muss und das auch noch, obwohl es gar nicht will?!
4. Was raten sie mir, wenn er sich gar nicht mehr meldet? Füße stillhalten oder zum Jugendamt und einen Schritt weiter sein als er? Unterhaltsmäßg kommen wir sehr gut ohne ihn klar. Darum geht's nicht. Es geht mir darum, dass wenigstens ich mich im Sinne des Kindes und vernünftig verhalten möchte.



Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Völlig richtig. Die rechtliche Vaterschaft beginnt mit der Anerkennung oder der gerichtlichen Feststellung. Der Vater Ihrer Tochter müsste also zunächst die Vaterschaft anerkennen um sein Recht auf Umgang formal geltend machen zu können.

Aktuell hätte er keinerlei Recht das Kind abzuholen, denn es gibt keine formale Umgangsregelung, also einen gerichtlichen Beschluss oder eine gerichtliche Elternvereinbarung.
Die Polizei ist für zivilrechtliche Streitigkeiten nicht zuständig, falls Sie "bedrängt" werden, können Sie aber natürlich Hilfe rufen. Sie müssen ihm das Kind nicht mitgeben.

2. Das Recht des nichtehelichen Vaters aus § 1626 a II BGB ist zwar stark ausgeprägt, allerdings findet immer eine negative Kindeswohlprüfung statt. Aktuell wären die Aussichten des Vaters auf die gemeinsame Sorge eher gering, weil einfach noch keine tragfähige Beziehung zum Kind besteht und weil auch der Kontakt zu Ihnen in der Vergangenheit sehr sporadisch war. Man muss immer alle Umstände des Einzelfalles abwägen, aber es immer ein Mindestmaß an Kommunikation der Eltern erforderlich, des weiteren ein Mindestmaß an Bindung zum Kind.

Die Chancen des Vaters können in der Zukunft steigen, letztlich ist das aber Spekulation.

3. Das Umgangsrecht muss immer so ausgestaltet werden, dass es dem Wohl des Kindes entspricht. Natürlich gehört zum regulären Umgang auch ein Ferienumgang, allerdings muss man das immer in Abhängigkeit vom Stand der Bindung und dem Alter des Kindes machen. Bei funktionierenden Beziehungen und bei größeren Entfernungen ist es nicht unüblich das der Umgang primär in den Ferien stattfindet. In Ihrem Fall müsste man zunächst die Kontakte intensivieren, vor allem müsste der Vater beweisen, dass er in der Lage ist den Umgang nachhaltig auszuüben und durchzuhalten. Sicher ist Ihre Tochter schon 8, aber dennoch muss man die Kontakte langsam aufbauen.

4. Hier gibt es keine absolut richtige Alternative. Ich würde eher dazu raten den ersten Schritt zu machen und das Jugendamt aufzusuchen. Wenn ein gerichtliches Verfahren zum Umgang oder zur elterlichen Sorge vom Vater eingeleitet würde, dann wäre von Amts wegen das Jugendamt zu beteiligen. Sie können dort Ihr Problem schildern und das Jugendamt wird auch den Vater zum Gespräch laden.

Es sollte immer das Ziel sein sich außergerichtlich über den Umgang zu einigen. Auch die Vaterschaft müsste der Vater ja beim Jugendamt anerkennen.

Ausschließen kann man den Umgang des Vaters natürlich nicht, man sollte daher versuchen möglichst eine konstruktive Lösung zu finden. Der Umgang macht auf Dauer aber nur Sinn, wenn der Vater ihn regelmäßig wahrnimmt.

Abschließend muss man aber festhalten, dass Sie sich bisher völlig korrekt und vorbildlich verhalten haben.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Wöhler, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familien- und Arbeitsrecht


Nachfrage vom Fragesteller 28.12.2014 | 12:33

Vielen Dank für Ihre Antwort. Gut zu wissen, dass ich bisher nichts falsch gemacht habe.
Das mit der Polizei meinte ich auch so: WENN er kommt und auf Rausgabe drängt...

Da die Antwort des Vaters bisher aussteht, was wir machen sollen (Anerkennung der Vaterschaft und Umgangsregelung durch das JA?), habe ich mich vorerst entschieden, die Füße stillzuhalten, um ihm die Möglichkeit einer Antwort zu geben.

Sollte er allerdings gleich zum Anwalt rennen und sein bisher nicht vorhandenes Recht einfordern, was sind dann meine nächsten Schritte? Zum Jugendamt? Oder gleich zum Anwalt?

Danke und ein gutes Neues Jahr!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.12.2014 | 13:08

Sehr geehrte Fragestellerin,

sollte der Kindesvater gleich den Weg zum Anwalt wählen, rate ich ebenfalls zu anwaltlicher Unterstützung. Es ist völlig in Ordnung zunächst abzuwarten, denn es ist ja Sache des Kindesvaters den nächsten Schritt zu machen.

Wenn der Vater ein Verfahren einleitet wird das Jugendamt ja automatisch beteiligt und Sie haben noch Gelegenheit dort Ihre Sicht der Dinge zu schildern.

Auch Ihnen ein frohes neues Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Wöhler, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familien- und Arbeitsrecht

Bewertung des Fragestellers 28.12.2014 | 12:01


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