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Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung


| 22.12.2012 21:27 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking



Es handelt sich im Folgenden um rein fiktive Fallbeispiele. Ich interessiere mich für die Rechtslage.
Sehe ich das richtig, dass eine Person über 18 Jahre (Ü18), die ja pornographisches Material konsumieren darf, einer 14jährigen Freundin / Freund (Person 14, P14) dieses zwar nicht vorspielen oder ausleihen darf, aber Ü18 macht sich nicht strafbar damit, den Inhalt des gesehenen Videos der P14 zu erzählen, davon zu berichten, es zu beschreiben und letztendlich, wenn von beiden gewollt, auch nachzuspielen? Wäre Ü18 22 Jahre alt (P22), kommt ja §182 (3) StGB ins Spiel. Wäre es ein Ausnutzen der fehlenden Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung, würde P22 P14 auf Gedanken bringen, die sie vorher noch nie hatte und spontan ja dazu sagt und von beiden dann auch sofort praktiziert wird? Also auf die Idee eine solche sexuelle Handlung auszuführen soll sie (in diesem Fallbeispiel) bisher nicht gekommen sein. Des Weiteren bitte ich sie um eine möglichst genaue Definition dieser schwammig formulierten Bedingung des §182 (3). Was muss ein Jugendlicher (weiblich und männlich) können, wissen usw. um die Fähigkeit zu haben sexuell über sich selbst bestimmen zu können? Stimmt das Gerücht, dass nach diesem Paragraphen eher Männer bestraft werden, die mit männlichen Jugendlichen sexuelle Erfahrungen austauschen, als Männer, die das mit weiblichen Jugendlichen tun? Also sprich, dass praktisch oft nicht ganz objektiv geurteilt wird, sondern z.B. mit homophobem Unterton?
Vielen Dank

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Sehr geehrter Ratsuchender,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Tatgegenstand des § 184 StGB sind pornographische Schriften einschließlich Ton- und Bildträger (§ 11 Absatz 3 StGB). Mündliche Erzählungen fallen hierunter nicht, diese wären nur gegenüber Personen unter 14 Jahren strafbar (§ 176 Absatz 4 Nr.4 StGB). Ihr erstes fiktives Fallbeispiel würde daher straffrei bleiben, solange der Sex einvernehmlich und ohne Ausnutzung einer Zwangslage oder eines Abhängigkeitsverhältnisses oder gegen Entgelt erfolgt.

Die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ist tatsächlich schwer zu definieren, daher ist die Tauglichkeit dieses Merkmals zur Abgrenzung strafwürdiger Fälle durchaus umstritten. Regelmäßig wird angenommen, dass diese Fähigkeit Personen unter 14 Jahren fehlt und ab dem 16. Lebensjahr vorhanden ist.
In dem Zwischenbereich ist der Entwicklungsprozess sexueller Reife typischerweise noch nicht abgeschlossen. Hier kommt es darauf an, ob der Täter erkennen kann, dass das Opfer aus Gründen altersbedingter Unreife außerstande ist, die Entscheidung über die Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen intellektuell, moralisch und emotional in ein Selbstbild und Lebenskonzept zu integrieren, welches der Bedeutung sexueller Selbstbestimmung gerecht wird. Ob dies der Fall ist, kann nur anhand des Einzelfalls festgestellt werden, wobei es auch auf das konkrete Verhältnis zum Täter ankommen kann. Die individuelle Fähigkeit oder Unfähigkeit des Jugendlichen zu sexueller Selbstbestimmung und gegebenenfalls das Ausnutzen durch den Täter muss daher in jedem Einzelfall überprüft werden (BGH 1 StR 481/95 - Beschluss vom 23. Januar 1996). Allein aus der sexuellen Unerfahrenheit des Jugendlichen kann das Fehlen der Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung aber nicht abgeleitet werden (BGH 5 StR 6/08 - 16. April 2008), so dass auch das "auf den Gedanken bringen" nicht zwangsläufig als Ausnutzen fehlender Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung einzustufen ist.

In der strafrechtlichen Praxis spielt § 182 Absatz 3 StGB aber eher eine untergeordnete Rolle. Sex zwischen Volljährigen und Jugendlichen wird gesellschaftlich mittlerweile toleriert, so dass es nur noch selten zu Strafanträgen der Erziehungsberechtigten kommt. Eine Tendenz, homosexuelle Kontakte eher nach § 182 Absatz 3 StGB zu verurteilen als heterosexuelle, ist mir nicht bekannt. Vorstellbar wäre aber, dass aufgrund der nach wie vor geringeren Tolerierung in der Gesellschaft in diesen Fällen öfter Strafantrag gestellt wird.


Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen
Bewertung des Fragestellers 27.12.2012 | 22:48


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