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Stornierung einer Pauschalreise wegen erheblicher Flugänderung


| 17.09.2010 11:40 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht



Ich habe am 16.09.2010 eine Pauschalreise nach Kreta bei dem Anbieter lastminute.de für zwei Personen für 1204 Euro gebucht. Die angegeben Flüge waren Direktflüge:

Hinflug (26.09.2010): Direktflug München-Kreta mit Ankuft um 9:30
Rückflug (03.10.2010): Direktflug Kreta-München mit Abflug um 10:30

Eine Stunde später habe ich die Bestätigung über die Buchung erhalten, jedoch mit geänderten Flügen:

Hinflug (26.09.2010): Ein-Stop-Flug München-Kreta mit Ankuft um 23:30
Rückflug (03.10.2010): Ein-Stop-Flug Kreta-München mit Abflug um 6:30

Damit geht mir aufgrund der unterschiedlichen Ankuftszeiten ein Tag verloren (der 26.10.2010) und auch die Rückreise muss mitten in der Nacht angetreten werden. Aus meiner Sicht könnte hier schon § 323 gelten.

Ich habe natürlich sofort beim Anbieter angerufen. Dort sagte man mir (1) ihre Aufzeichnung zeigen ich hätte nicht den Direktflug gebucht und (2) sind alle Flüge sowieso unverbindlich. Bzgl. (1) habe ich einen Screenshot, der beweist, dass ich sehr wohl den Direktflug gebucht habe. Bzgl. (2) steht auf der Webseite unter den Flügen, aber nicht in der AGB, folgender Text:

„Unverbindliche Flugzeiten - Änderungen vorbehalten !
- Die oben angezeigten Flugdaten wurden uns vom Veranstalter als mögliche Flüge für das Angebot übermittelt. Eventuell werden Ihnen auch mehrere Flugverbindungen angezeigt. In dem Fall bucht der Veranstalter entsprechend der freien Flugplätze die bestmöglichen Flüge für Sie und informiert Sie mit den Reisedokumenten. Bitte beachten Sie, dass unter Umständen auch Flugkombinationen eingebucht werden, die nicht aufgeführt sind, da aus technischen Gründen in seltenen Fällen nicht alle möglichen Flugverbindungen aufgelistet werden können. Gegebenenfalls werden seitens des Veranstalters auch Umsteigeflüge eingebucht, obwohl nicht alle Zwischenstops aufgeführt werden.
- Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Flugdaten der Reiseveranstalter immer unverbindlich sind. Auch kurzfristig sind Änderungen der Flugzeiten, Streckenführung sowie des Fluggerätes oder der Fluggesellschaft durch den Reiseveranstalter möglich."

Der Anbieter bot mir stattdessen an für 150 Euro den Direktflug zu erhalten. Er war also nicht ausgebucht. Ich habe daraufhin storniert mit dem Hinweis, dass ich nicht bereit bin die Stornokosten zu tragen, weil ich mich getäuscht fühle. Die Stornierung wurde akzeptiert mit der Rechnung von 1023 Euro (laut AGB 85% weil ich 10 Tage vor Reiseantritt zurück getreten bin). Hierbei erfolgte die Stornierung nur wenige Stunden nach der Buchung, ist das wirklich angemessen? Ich selbst sehe mich im Recht, weil ich glaube, dass ich, was die Flüge angeht, bewusst getäuscht wurde, denn selbst einen Tag später wird auf der Webseite die gleiche Reise mit dem Direktflug geführt. Davon habe ich auch ein Video gemacht.

Nur weil ich mich im Recht fühle, heißt das natürlich nicht, dass ich Recht habe. Deshalb suche ich hier erst mal Hilfe. Da alles per Rechnung läuft, hat mir der Anbieter folgendes angekündigt, falls ich nicht zahle: 1. Mahnung, 2. Mahnung, Inkasso. Die Frage ist, was kann ich tun? Habe ich eine reelle Chance, dass ich mein Geld behalten kann?
Sehr geehrter Fragesteller,

Es geht hier um eine Leistungsänderung, die sich der Reiseveranstalter in seinen AGB vorbehalten hat (auch der Hinweis zu den Flugzeiten zählt zu den AGB, wenn er deutlich sichtbar auf der Website erschien). Sofern es sich um eine erhebliche Änderung einer wesentlichen Reiseleistung handelt, hat der Reisende ein Rücktrittsrecht (§ 651a Abs. 5 Satz 2 BGB).

Vorliegend handelt es sich um eine erhebliche Änderung, die Sie zum Rücktritt berechtigte. Nach der Rechtsprechung gibt eine erhebliche Änderung der Flugzeiten ein Rücktrittsrecht jedenfalls dann, wenn der Anreise-/Abreisetag überschritten oder die Nachtruhe beeinträchtigt wird. Das ist hier der Fall. Sie durften also vom Reisevertrag zurücktreten.

Eine Entschädigung in Form der sog. Stornogebühr schulden Sie nicht. Sie können also die Zahlung der geforderten 85 % verweigern.


Mit freundlichen Grüßen

M. Juhre
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 17.09.2010 | 15:31

Sehr geehrter Herr Juhre,
vielen Dank für die Antwort. Ich werde das dem Veranstalter so mitteilen. Noch eine abschließende Frage: Wenn der Veranstalter das nicht einsieht, darf ich Sie dann anrufen bzw. anschreiben und könnten Sie mir dann ein Angebot machen den Fall zu übernehmen?

Nochmals besten Dank und Viele Grüße.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 17.09.2010 | 15:48

Was die Vertretung angeht, ist die Entfernung leider zu weit. Falls Gerichtstermine wahrzunehmen wären, müssten erhebliche Reisekosten berechnet werden, wobei dann auch noch die Frage der Erstattung (von der Gegenseite) problematisch werden kann. Kostengünstiger ist es für Sie jedenfalls, einen Anwalt in der Nähe aufzusuchen.

Beim weiteren Vorgehen in der Sache wünsche ich Ihnen den größtmöglichen Erfolg!


Mit freundlichen Grüßen

M. Juhre
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 31.01.2011 | 23:42


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"Danke, Herr Juhre. Der Reiseveranstalter hat sich nicht mehr gemeldet und ich habe so über 1000 Euro gespart!"
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