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Steuerrecht innergemeinschaftliche Leistungen


| 10.03.2011 12:48 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt MBA in Financial Services (Wales) Ulrich Barth




Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe einen Kunden mit Sitz in Zypern. Für diesen Kunden versende ich innerhalb Deutschlands und weltweit Waren und führe handwerkliche Leistungen aus. Meine Rechnungen erstelle ich über Aufspannservice, Rahmenservice, Versand und Lagerkosten. Muss ich in den Rechnungen USt berechnen und ausweisen und wo wird in den UST- Voranmeldungen diese Leistung ausgegeben?
Vielen Dank
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10.03.2011 | 14:53

Antwort

von

Rechtsanwalt MBA in Financial Services (Wales) Ulrich Barth
10 Bewertungen
Sehr geehrte Fragestellerin,

auf Grundlage Ihrer Angaben antworte ich im Rahmen der hier vorgesehenen überschlägigen Prüfung einer Angelegenheit und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt:

Zunächst müssen Sie 3 verschiedene Konstellationen auseinander halten. Dies sind die Leistungserbringung innerhalb Deutschlands, innerhalb der Europäischen Union und Ihre weltweite Tätigkeit.

1. Leistung innerhalb Deutschlands

Hier gilt, dass für sämtliche innerhalb Deutschlands erbrachte Leistungen in den Rechnungen Umsatzsteuer auszuweisen ist. Soweit Sie in diesem Zusammenhang Leistungen an Unternehmer erbringen, können diese einen entsprechenden Vorsteuerabzug tätigen.

Die Angaben sind in den bekannten Zeilen auf der Voranmeldung zu machen.

2. Leistung innerhalb der EU

Für innergemeinschaftliche Lieferungen und Leistungen ist zu unterscheiden, ob der Empfänger ein gleichfalls umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer oder ein Verbraucher ist.

2.1. Unternehmer

Handelt es sich beim Empfänger um einen umsatzsteuerpflichtigen Unternehmer können Sie in den Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen, müssen dies aber nicht.

Soweit Sie Umsatzsteuer ausweisen, müssen Sie diese an das für Sie zuständige Finanzamt abführen und in die regelmäßigen Meldungen Ihrer Umsätze (monatlich/vierteljährlich) eintragen. Der Unternehmer kann seinerseits im Sitzland einen Vorsteuerabzug geltend machen.

Sofern Sie jedoch auf den Ausweis der Umsatzsteuer auf Ihren an den EU-Unternehmer gerichteten Rechnungen verzichten, müssen Sie diese Umsätze als innergemeinschaftlicher Erwerb in der Steuererklärung anführen.

Hierzu sollten Sie unbedingt beachten, dass Sie anhand der UStId. des ausländischen Unternehmers zwingend dessen Veranlagung zur Umsatzsteuer überprüfen müssen, da Sie sonst persönlich bzw. Ihr Unternehmen für die Umsatzsteuer haftet und diese höchstselbst an das Finanzamt nachentrichten müssen. Das hier über die Jahre leicht einige tausende Euro zusammen kommen und ein Unternehmen in den Ruin treiben können, liegt auf der Hand und sollte Anlass zu höchster Sorgfalt sein.

Prüfen können Sie die Gültigkeit einer UStId. z.B. hier: http://evatr.bff-online.de/eVatR/

Achten Sie ferner unbedingt darauf, dass die dort hinterlegte Adresse des ausländischen Unternehmers identisch mit derjenigen sein muss, unter welcher dieser Unternehmer mit Ihnen in Kontakt getreten ist und wo Sie Ihre Waren hin liefern, Ihre Leistung hin erbringen und auf welchen Ort Sie Ihre Rechnungen ausstellen.

Bitte beachten Sie ferner, dass auf der Rechnung zudem die UStId. des Rechnungsempfängers und ein Hinweis auf die Anwendung des „Reverse Charge Verfahrens" zwingend ist.

Die entsprechenden Steueranmeldungen gehören jetzt in die Zeilen 41 und soweit nicht steuerbar in die 42 auf der Voranmeldung.

2.2. Verbraucher und Nichtunternehmer (ohne UStId. oder mit zweifelhaften Angaben)

Erbringen Sie die innergemeinschaftliche Lieferungen oder Leistungen an einen Verbraucher ist in der Rechnung in jedem Fall zwingend Umsatzsteuer auszuweisen, da der Verbraucher andernfalls Leistungen ohne Umsatzsteuer erwerben würde. Vergssen Sie dies, haften Sie persönlich auf die Nachentrichtung !

3. weltweite Leistungen

3.1. Unternehmer

Soweit weltweit Waren an Unternehmer geliefert werden, handelt es sich um eine Ausfuhrlieferung nach § UStG. Hier gilt wie bei der innergemeinschaftlichen Lieferung, dass diese nach § 4 Nr. 1a UStG steuerfrei ist. Dies müssen Sie auf der Rechnung vermerken, indem Sie etwa den Zusatz „umsatzsteuerfreie Ausfuhrlieferung" anbringen.

Wenn Sie sonstige Leistungen erbringen, dann gelten diese nach § 3a Abs. 2 UStG am Sitz des Unternehmens im Ausland als ausgeführt. Der entsprechende Umsatz ist nicht steuerbar und daher in die Zeile für nicht steuerbare Umsatz auf der Voranmeldung (Zeile 42) einzutragen. Sie müssen jedoch beachten, dass im Ausland eventuell dem entgegenstehende Regelungen bestehen können, welche Sie dann beachten müssen. In der Rechnung erfolgt kein Umsatzsteuerausweis. Bitte bringen Sie aber in eigenem Interesse einen Zusatz dergestalt an, dass die sonstige Leistung umsatzsteuerfrei ausgeführt wird.

3.2. Verbraucher und Nichtunternehmer

Bei Lieferung von Waren gilt das eben für Unternehmer ausgeführte: steuerfrei, kein Ausweis der Umsatzsteuer aber Hinweis auf „umsatzsteuerfreie Ausfuhrlieferung".

Werden sonstige Leistungen erbracht, gilt der Umsatz am Wohnort des Empfängers als erbracht. Der entsprechende Umsatz ist nicht steuerbar und daher in die Zeile für nicht steuerbare Umsatz auf der Voranmeldung einzutragen (Zeile 42). Bitte bringen Sie auch dann einen entsprechenden Zusatz auf der Rechnung an.

Abschließend beachten Sie bitte, dass die Ausführungen hier nur eine erste überschlägige Prüfung darstellen und keinesfalls eine ausführliche Rechtsberatung der sehr umfangreichen und schwierigen Materie ersetzen können. Lassen Sie sich ggf. von Ihrem zuständigen Finanzamt weiterhelfen und fragen Sie bei Zweifeln dort nach !


Bewertung des Fragestellers 2011-03-14 | 07:41


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ANTWORT VON
Rechtsanwalt MBA in Financial Services (Wales) Ulrich Barth
Berlin

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