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Steuerneutrale Umwandlung einer GbR in eine Holdingstruktur


09.01.2017 23:12 |
Preis: 60,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alexander Busch



Hallo,

folgende Fragen haben wir:

Ist es möglich eine GbR mit 2 Gesellschaftern (jeder hält 50% der Anteile) im ersten Schritt steuerneutral in eine GmbH umzuwandeln?

Und dann nach erfolgter Umwandlung in eine GmbH (beide Gesellschafter halten weiterhin jeweils 50%) im zweiten Schritt die jeweiligen Anteile steuerneutral in 2 weitere GmbH´s (Holdings) zu überführen, welche von den selben Gesellschaftern aber jeweils zu 100% gehalten werden?

Sprich die Struktur wäre am Ende wie folgt:


GmbH 1 / Holding
(Gesellschafter Meyer 100%)

GmbH 2 / Holding
(Gesellschafter Müller 100%)

GmbH
(Operatives Geschäft)
(Gesellschafter GmbH 1 - 50% und Gesellschafter GmbH 2 - 50%)

Hintergrund: Die beiden Gesellschafter möchten die Gewinne der operativen GmbH mit geringer steuerlicher Belastung in die jeweilige eigene Holding transferieren, um dann von dort aus eigenständig (also jeder Gesellschafter nach seinem Ermessen), das Kapital in neue Projekte wie Start-Ups zu investieren oder ggf. natürlich auch bei Bedarf teilweise an sich auszuschütten etc.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Der erste Schritt - die Umwandlung der GbR in eine GmbH ist steuerneutral möglich.

Der zweite Schritt Ihres Vorhabens dagegen lässt sich im Wege einer Umwandlung nicht mehr steuerneutral lösen. Zwar ist dem Grunde nach auf der Ebene der (ich nenne Sie einmal untechnisch so) Gesellschaftergesellschaften oberhalb der Holding eine Einbringung der Anteile des jeweiligen Gesellschafters im Wege einer Sachkapitalerhöhung möglich. Da Sie aber eine 50/50 Struktur bzgl der Anteile an der Holding andtreben, ist dies nicht steuerneutral möglich, denn § 20 des Umwandlungssteuergesetzes setzt dafür voraus, dass die jeweils die Anteile aufnehmende Gesellschaft (das wäre die, die am Ende jeweils zu 100% vom Gesellschafter gehalten wird) sodann die Mehrheit an der darunter "hängenden" Gesellschaft hält. Dies ist bei einer 50/50 Struktur aber gerade nicht der Fall.

Die einzig denkbare steuerneutrale Gestaltung (die jedoch eher theoretischer Natur ist) hierzu wäre also ein zweistufiges Verfahren:
Jeder Gesellschafter gründet seine Gesellschaft und verkauft dann seine Anteile an der Holding zum an diese Gesellschaft.
Dies ist zwar dem Grunde nach theoretisch weitestgehend steuerneutral möglich, faktisch aber hochgradig aufwändig.
Der Kaufpreis muss aber exakt ermittelt werden, denn die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung an den Gesellschafter (diese Annahme entsteht durch einen zu geringen Kaufpreis) muss vermieden werden. Zugleich muss § 17 Abs. 2 S.1 EStG beachtet werden.
Steuerneutral ist der Vorgang nur dann, wenn der Kaufpreis für die Anteile den Anschaffungskosten entspricht, diese müssen sauber ermittelt und herausgearbeitet werden, was im Rahmen von Umwandlungsvorgängen oftmals nicht einfach ist.
In der Praxis ist es jedoch oftmals so, dass der reale Wert der Anteile deutlich über den Anschaffungskosten liegt, was wiederum dazu führt, dass sich die Entstehung eines Gewinnes im Rahmen der Veräußerung nach Umwandlung nicht vermeiden lässt.

Ob diese Transaktionen und die damit verbundenen Kosten außerdem in einem angemessenen Verhältnis zum gewünschten Ergebnis stehen, vermag ich nicht zu beurteilen, mehrfach werden Sie einen Notar und auch individuelle Berater hierzu benötigen, um Ihr Vorhaben erfolgreich umsetzen zu können.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 10.01.2017 | 09:46

Vielen Dank erstmal für die ausführliche Antwort, welche uns bereits sehr weitergeholfen hat.

Wir haben noch ein paar Rückfragen und würden uns freuen, wenn Sie uns hier nochmal kurz weiterhelfen könnten.

"Die einzig denkbare steuerneutrale Gestaltung (die jedoch eher theoretischer Natur ist)" - Sie schreiben, theoretischer Natur, wenn wir aber nun entsprechende Experten finden und den angesprochenen Aufwand auf uns nehmen, wäre es dann steuerneutral in der praktischen Umsetzung möglich oder ist das einfach in der praxis letztlich nicht möglich?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.01.2017 | 09:55

Sehr gerne beantworte ich die Nachfrage:

Im Falle des Anteilsverkaufes fällt dann eine Steuerlast seitens des verkaufenden Gesellschafters an, wenn der Kaufpreis exakt den Anschaffungskosten des zu verkaufenden GmbH-Anteils entspricht.

Darüber hinaus sind Sie aber jeweils mittelbar auf der Käuferebene beteiligt, da die Anteile an der Käufer-GmbH jeweils zu 100% dem Verkäufer gehören.
Wenn nun die Anteile zu einem geringeren Wert als dem Teilwert (dies wäre ein durch Bewertung zu ermittelnder Marktwert) veräußert werden, fingiert das Finanzamt das Vorliegen einer verdeckten Gewinnausschüttung an den jeweiligen Verkäufer, was zu einem fiktiven Zufluss in Höhe der Differenz von Marktpreis und Verkaufspreis führt und damit zu einer Steuerlast auf der Ebene der Gesellschafter.

In der Praxis ist aber davon auszugehen, dass die Anschaffungskosten deutlich geringer sind als der Marktpreis. Daher "beißen" sich diese zwei Aspekte.

Veräußern Sie also die Anteile zum Wert der Anschaffungskosten, werden Sie höchstwahrscheinlich einen Preis unterhalb des Marktwertes haben - damit die verdeckte Gewinnausschüttung und eine Besteuerung aufgrund des fiktiven Zuflusses.

Veräußern Sie die Anteile zum Marktwert, dann liegt dieser sehr wahrscheinlich über den Anschaffungskosten, wonach gemäß § 17 EStG der Gewinn aus der Veräußerung zu versteuern wäre.

In Ihrem Fall müssten also die Anschaffungskosten dem Marktpreis der Anteile entsprechen, dies ist aber tatsächlich sehr unwahrscheinlich.

Es kommt hier also nicht nur auf die richtigen Berater an, sondern auch auf die tatsächlichen Wertverhältnisse und diese entziehen sich leider einer Beeinflussung.

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