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Steuer 2009 für Freelancer in UAE


17.12.2009 14:33 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Marlies Zerban



Sehr geehrte Damen und Herren,
Bis 28.02.2009 war ich von meiner Firma in Deutschland nach Dubai entsandt und dort ca. 5 Jahre als Ingenieur gearbeitet.
Seit 01.03.2009 bin ich Rentner und bin als Freiberufler weiterhin in meiner alten Position im Emirat Dubai tätig, ohne ein eigenes Büro zu haben. Meinen Arbeitsvertrag habe ich jedoch mit der Niederlassung (? Büro) der alten Firma in UAE gemacht in örtliche Währung und örtliche Bezahlung. Mein Wohnsitz blieb weiterhin in Deutschland.
Bis 28.02.2009 bekomme ich eine ATE von meiner Firma. Ich benötige Ihre Hilfe für die Zeit ab 01.03.2009. Folgendes möchte ich wissen.
1. Da z.Z. kein DBA mit Dubai besteht, bin ich in Deutschland voll steuerpflichtig und muss ich Steuer in voller Höhe bezahlen?
2. Bin (wäre) ich verpflichtet meine Beschäftigung an das Finanzamt zu melden ( z.B. nach § 19 Abs. 1 "AO") und was sind die möglichen Konsequenzen, wenn ich es versäumt habe? Soll ich es jetzt nachholen?
3. Muss ich Steuervorauszahlung ohne Aufforderung leisten oder wird sie von FA nach meiner Anmeldung festgesetzt?
4. Falls ein DBA abgeschlossen wird, wie weit ist es von Bedeutung für Freelancer ohne eigene Betriebsstätte? Würden die Einkünfte aus der "Freelancer"-Betätigung unter Berufung auf das DBA VAE in Deutschland steuerfrei behandelt werden können?
5. Bin ich in Deutschland verpflichtet auch Gewerbesteuer zu zahlen?

Hätten Sie für mich eine Steuerberater-Empfehlung im Frankfurter Raum, für solche Fälle spezialisiert?

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir, auch wenn nur ansatzweise helfen könnten.
Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieser Plattform.

Ich weise Sie darauf hin, dass die nachfolgenden Ausführungen nur ein erster steuerrechtlicher Hinweis sein können und die Beratung vor Ort nicht ersetzen können. Ich habe meinen Kanzleisitz in der Nähe von Frankfurt, so dass Sie mich bei Bedarf auch direkt ansprechen können.

Ich führe dazu aus:

1. Seit 1.1.2009 ist ein neues Doppelbesteuerungsabkommen mit den UAE in Kraft. Dadurch wirkt der ATE nicht mehr, diese Regelung gilt nur bei Tätigkeiten mit abkommenslosen Staaten. Außerdem schreiben Sie selbst, dass Sie kein Arbeitnehmer sind.

Die Regelung im neuen Abkommen sieht vor, dass bei Beibehaltung des Wohnsitzes in Deutschland die von natürlichen Personen in den UAE erzielten Einkünfte in Deutschland zu versteuern sind. Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung ist dann die Regelung getroffen, dass die dort gezahlte Einkommensteuer angerechnet wird. Somit haben Sie die deutsche Einkommensteuer zu zahlen, ich gehe davon aus, dass Sie dort keine Steuern zahlen und somit auch nichts zum Anrechnen haben.

2. Ja, Sie müssen Ihre EInkünfte hier in Deutschland erklären. Dabei können Sie allerdings auch Betriebsausgaben, bzw. Werbungskosten (doppelter Haushalt, Reisekosten etc.) geltend machen.

3. Eine Vorauszahlung wird nur nach Kenntnis des FInanzamts von Ihren Einnahmen ermittelt und festgesetzt. Sollten Sie dies durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt vornehmen lassen, sollten Sie die EInnahmen abzüglich der Ausgaben darlegen und dann nur das voraussichtlich zu versteuernde Einkommen angeben mit diesen Erläuterungen.

4. Nur bei Kapitalgesellschaften gibt es Möglichkeiten, die deutsche Besteuerung abzuschirmen, nicht jedoch für natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Eine Besteuerung entfällt nur, wenn Sie den Wohnsitz in Deutschland aufgeben.

5. Das Gewerbesteuergesetz fordert für ein Besteuerungsrecht eine inländische Betriebsstätte. Das liegt bei Ihnen sicher nicht vor, dass dass keine Gewerbesteuer anfällt:

§ 2 GewStG Steuergegenstand

(1) 1Der Gewerbesteuer unterliegt jeder stehende Gewerbebetrieb, soweit er im Inland betrieben wird. 2Unter Gewerbebetrieb ist ein gewerbliches Unternehmen im Sinne des Einkommensteuergesetzes zu verstehen. 3Im Inland betrieben wird ein Gewerbebetrieb, soweit für ihn im Inland oder auf einem in einem inländischen Schiffsregister eingetragenen Kauffahrteischiff eine Betriebsstätte unterhalten wird.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und stehe für eine Nachfrage oder auch eine weitergehende Beratung gerne zur Verfügung,

mit freundlichen Grüßen


Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin

Nachfrage vom Fragesteller 19.12.2009 | 09:09

Sehr geehrte Frau Zerban,

Zi. 1: Nach meinem Kenntnisstand ist das DBA VAE zwar paraphiert aber nicht ratifiziert: Diesbezüglich habe ich folgendes gefunden (Stand November 2009):
„Das Bayrische Landesamt für Steuern (Verfügung vom 28.09.2009) sowie die Oberfinanzdirektion Münster (Kurzinformation vom 30.09.2009) haben nunmehr mitgeteilt, dass nach derzeitigem Kenntnisstand nicht damit zu rechnen sei, dass in Kürze ein neues DBA unterzeichnet werde. Ab dem 01.01.2009 ist damit im Verhältnis zu den VAE von einem abkommenslosen Zustand auszugehen.“ Also das DBA VAE ist noch nicht in Kraft.

Zi. 4: Meine (mehr theoretische) Frage war eigentlich, ob die Einkünfte aus einer "Freelancer-Ingenieur"-Betätigung unter Berufung auf ein DBA VAE in Deutschland steuerfrei behandelt werden könnten, wenn das DBA das so (also ohne Anrechnungsverfahren) regeln würde? Was passiert, wenn VAE die Einkommensteuer einführen würde? Ohne DBA/Anrechnungsverfahren müsste ich in beiden Staaten Steuer zahlen?
Kurz: ist ein DBA auf „Freelancer“ (ohne Innehaben einer Betriebsstätte I festen Geschaftsausrichtung aus eigenem Recht in Dubai) überhaupt anwendbar?
Aus Zi. 1 entnehme ich die Antwort ‚JA’ aus Zi. 4 aber als „NEIN“. Wo liegt die Wahrheit?
Mit freundlichen Grüssen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.12.2009 | 17:08

Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte hier gerne Ihre Nachfrage:


Zu Zi. 4: Meine (mehr theoretische) Frage war eigentlich, ob die Einkünfte aus einer "Freelancer-Ingenieur"-Betätigung unter Berufung auf ein DBA VAE in Deutschland steuerfrei behandelt werden könnten, wenn das DBA das so (also ohne Anrechnungsverfahren) regeln würde?

Doppelbesteuerungsabkommen sollen verhindern, dass eine Doppelbesteuerung erfolgt. Sollte das Abkommen vor dem Inkrafttreten auf Grund der neuen politischen Gegebenheiten noch einmal neu verhandelt werden und diese Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit in Deutschland steuerfrei bleiben, ist auch kein Anrechnungsverfahren erforderlich. Sollte die "Freistellungsmethode" wieder eingeführt werden wird, bleibt es bei der Steuerfreiheit in Deutschland, die Einkünfte aus den VAE können dann in Deutschland eventuell bei dem Steuersatz berückisichtigt werden (Progressionsvorbehalt).

Was passiert, wenn VAE die Einkommensteuer einführen würde? Ohne DBA/Anrechnungsverfahren müsste ich in beiden Staaten Steuer zahlen?

Genau, fehlt eine Anrechnungsvorschrift (oder die Regelung der Freistellung in einem der beiden Länder) dann erfolgt eine Doppelbesteuerung. Bei der Ermittlung des in Deutschland steuerpflichtigen Einkommens können Betriebssausgaben abgesetzt werden, als übten Sie die Tätigkeit in Deutschland aus (Reisekosten, doppelte Haushaltsführung).

Kurz: ist ein DBA auf „Freelancer“ (ohne Innehaben einer Betriebsstätte I festen Geschaftsausrichtung aus eigenem Recht in Dubai) überhaupt anwendbar?

Das hängt letztlich immer von der genauen Ausformulierung des DBA ab. Es gibt ein Musterabkommen der OECD, dieses gilt aber nicht als "Auffangregelung".

Bei Beibehaltung des Wohnsitzes in Deutschland - ohne DBA - erfolgt die Besteuerung für die "natürliche Person" hier in Deutschland


Mit freundlichen Grüssen


Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin

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