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Sportunfall


06.12.2008 09:13 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht



Hallo,

ich hatte am vergangen Wochenende einen Sportunfall beim Squash.
Mein Gegener hat leider einen Querschschläger direkt in meine Augenhöhle verwandelt. Ich war für ca. 24Std. blind auf diesem Auge. Die Verletzung wurde in der Notaufnahme eines Krankenhauses untersucht. Seitdem bin ich bis auf unbestimmte Zeit krank geschrieben. Laut ärztlicher Diagnose ist mit Folgeschäden zu rechnen. Meine Sehstärke habe ich zwar zu 100% wieder, allerdings hat die Pupille einen Schaden, der irreperabel ist. Die Funktion des reagieren auf Licht/Dunkelheit (Pupille groß/klein) ist nicht mehr gegeben. Dieses bedeutet eine Dauerhafte Beeinträchtigung.

Ich besitze eine private Unfallversicherung, wo der Unfall bereits gemeldet worden ist.

Ist es nötig/wichtig das mein Gegener diesen Unfall seiner Privathaftpflicht meldet? Und welche Versicherung springt dann in diesem Fall ein. Welche Posten kann ich geltend machen, welche weiteren Schritte soll ich einleiten, und soll ich dieses mit Hilfe eines Anwalts durchführen.

Mit bestem Dank für Ihre Unterstützung .....

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Sehr geehrter User,
Sehr geehrter Ratsuchender,

ihrer Frage

„ 1. Ist es nötig/wichtig das mein Gegner diesen Unfall seiner Privathaftpflicht meldet?
2. Und welche Versicherung springt dann in diesem Fall ein?
3. Welche Posten kann ich geltend machen,
4. welche weiteren Schritte soll ich einleiten,
5. soll ich dieses mit Hilfe eines Anwalts durchführen.“

beantworte ich gerne wie folgt:

zu 1. Der Gegner sollte umgehend seiner Privathaftpflichtversicherung den Schaden melden!!!

zu 2. Die Leistungen der Privathaftpflicht des Gegners und ihrer private Unfallversicherung stehen nebeneinander. Es ist möglich, dass Sie von beiden Versicherungen Leistungen erhalten.

zu 5. Sie sollten unbedingt einen Anwalt aufsuchen, der ihre Recht wahrnimmt. Der hier vorliegende Fall ist rechtlich kompliziert und erfordert rechtlichen Beistand!!! Das werde ich nachfolgend erläutern.

zu 4. Als weitere Schritte kommen noch die Meldung bei der Versicherung des Sportvereins in betracht, wenn das Spiel im Rahmen einer Vereinsveranstaltung stattfand.

zu 3. Ersatzansprüche bei Personenschäden:

Heilbehandlungskosten
Tatsächlich entstandene Kosten
Arzt-/Krankenhauskosten, kosmetische Operationen, Aufenthalt in Kur- und Reha-Kliniken

Vermehrte Bedürfnisse
Unfallbedingte Aufwendungen, die Nachteile infolge dauernder Beeinträchtigung ausgleichen sollen
Kosten einer Haushaltshilfe, behindertengerechter Umbau von Wohnung oder Auto

Verdienstausfall
Verlust des Einkommens und sonstige wirtschaftliche Beeinträchtigung
Lohn, Gehalt einschließlich Urlaubsgeld, Nebeneinkünfte, Gewinnentgang durch Selbständigkeit, Rentenminderung

Schmerzensgeld
Siehe Schmerzensgeld

Nun zu Rechtslage

Der Fall ist nicht einfach zu beurteilen:

Um den Gegner und die dahinter stehende Privathaftpflichtversicherung in Anspruch zu nehmen ist nach § 823 BGB immer eine rechtwidriges Handeln und ein Verschulden des Gegners erforderlich.

Die Beurteilung der Rechtswidrigkeit und des Verschuldens eines Schädigers bei Sportverletzungen – insbesondere solchen bei Ausübung von Kampfsportarten – ist in der dogmatischen Einordnung problematisch. Gleichwohl herrscht insoweit in der Rechtsprechung seit längerem Einigkeit darüber, dass die Herbeiführung einer Verletzung des Kontrahenten (Gegenspielers) bei Einhaltung der Spielregeln regelmäßig eine Haftung des Schädigers aus § 823 Abs. 1 BGB nicht begründen kann (vgl. BGH, Urt. v. 5.11.1974 – VI ZR 100/73 – BGHZ 63, 140 [147] = MDR 1975, 128 = NJW 1975, 109 ff.; Urt. v. 10.2.1976 – VI ZR 32/74, NJW 1976, 957 [958]; Urt. v. 16.3.1976 – VI ZR 199/74, NJW 1976, 2161). Bei Kampfsportarten treten die gegeneinander spielenden Personen nach denselben Regeln an; jeder Mitspieler erkennt die Teilnahmebedingungen als für ihn verbindlich an, so dass unterstellt werden kann, dass er in das Risiko des Eintritts einer durch regelrechte Spielweise verursachten Verletzung einwilligt und dementsprechend keine ihm etwa erwachsenen Schadensersatzansprüche geltend machen wird (vgl. BGH, Urt. v. 5.11.1974 – VI ZR 100/73 – BGHZ 63, 140 [147] = MDR 1975, 128 = NJW 1975, 109 ff.; Urt. v. 10.2.1976 – VI ZR 32/74, NJW 1976, 957 [958]; Urt. v. 16.3.1976 – VI ZR 199/74, NJW 1976, 2161; LG Marburg v. 19.5.1986 – 2 O 310/87, NJW-RR 1988, 1243 [1244]). Welche Gefahren im einzelnen hingenommen werden müssen, ist primär nach den Spielregeln zu bestimmen, nach denen die Spieler angetreten sind (BGH, Urt. v. 5.11.1974 – VI ZR 100/73 – BGHZ 63, 140 [147] = MDR 1975, 128 = NJW 1975, 109 [111]; LG Marburg v. 19.5.1986 – 2 O 310/87, NJW-RR 1988, 1243 [1244]). Bei Mannschafts-Kampfsportarten wie etwa Squash werden hohe Anforderungen an die physische und psychische Kraft, an Schnelligkeit, Geschicklichkeit und körperlichen Einsatz der Spieler gestellt. Für sie ist bezeichnend, dass gewisse Kampfhandlungen, die praktisch auch von einem sorgfältigen Spieler nicht zu vermeiden sind und darüber hinaus bei realistischer Betrachtung nicht aus dem Spiel hinweggedachtwerden können.

An die „im Verkehr erforderliche Sorgfalt” (§ 276 BGB) ist ein besonderer, durch die jeweilige Eigenart des Spieles geprägter Maßstab anzulegen, nach welchem ein die Gefahr vermeidendes Verhalten im gegebenen Falle zuzumuten sein muss (BGH, Urt. v. 5.11.1974 – VI ZR 100/73 – BGHZ 63, 140 [147] = MDR 1975, 128 = NJW 1975, 109 [111]). In der Rechtsprechung ist daher anerkannt, dass nicht jede geringfügige Verletzung einer dem Schutz der Spieler dienenden Regel als fahrlässiges Verhalten zu bewerten ist, insbesondere dann nicht, wenn sie – wie häufig der Fall – aus Spieleifer, Unüberlegtheit, technischem Versagen, Übermüdung oder ähnlichen Gründen geschehen ist (OLG Frankfurt v. 22.3.1990 – 15 U 195/88, NJW-RR 1991, 418 [419] m.w.N.). Für die Bewertung eines Regelverstoßes als fahrlässiges Verhalten im Sinne eines Verstoßes gegen die im Verkehr erforderliche Sorgfalt ist mithin ein besonderer, durch die Eigenart des Spiels geprägter Maßstab anzulegen und ferner die Häufigkeit von Regelverstößen der fraglichen Art in der betroffenen Sportart mit zu berücksichtigen (BGH NJW 1976, 2161, 2162; LG Marburg v. 19.5.1986 – 2 O 310/87, NJW-RR 1988, 1243 [1244]). Dies gilt in ausgeprägter Weise beim Squash.

Voraussetzung für ein haftungsbegründendes Verhalten ist das Vorliegen einer groben Verletzung einer zum Schutz von Spielern bestimmten Wettkampfregel (OLG Frankfurt v. 22.3.1990 – 15 U 195/88, NJW-RR 1991, 418 [419]). Zu solchen zum Schutz der Gesundheit der Spieler bestimmten Wettkampfregeln gehört möglicherweise das Verbot den Gegner mit dem Schläger zu berühren. Hier ist das Regelwerk einzeln zu prüfen.

Für Tennisspieler hat das OLG Hamm (Urteil vom 15.11.1999 - 6 U 32/99) wie folgt entschieden:


"Sachverhalt:
Schadensersatzleistung und die Feststellung künftiger Schadensersatzverpflichtung des Beklagten begehrt der Kläger aus Anlass eines Tennissportunfalles.

Am Abend des 23.5.1995 nahm der Kläger als Gast an einem unter seinen Mitspielern regelmäßig ausgetragenen Freundschaftsspiel teil, es fand auf einem Außenplatz mit Aschebelag statt. Nach einem Spiel innerhalb eines noch nicht beendeten Satzes, bei dem der Kläger mit seinem Doppelpartner, dem Zeugen W., gegen den Beklagten und dessen Doppelpartner, den Zeugen Dr. K., gekämpft hatte, wurden die auf dem Platz herumliegenden Bälle aufgesammelt. Sie sollten dem Kläger überlassen werden, der im nächsten Spiel ohne Seitenwechsel den Aufschlag hatte. Als der Kläger mit der linken Schulter zum Netz ca. 1,5 m vom Netz entfernt gerade einen Ball aufgehoben hatte und sich aufrichtete, wurde sein linkes Auge von einem Tennisball getroffen, den der Beklagte mit dem Schläger diagonal aus dem gegenüberliegenden Feld über das Netz befördert hatte, und zwar aus einer Position im Bereich zwischen Grundlinie und T-Linie.

Der Kläger zog sich eine Augenverletzung mit Dauerschaden zu und war einige Zeit als Zahnarzt arbeitsunfähig.

Das LG hat die Klage abgewiesen, weil der Beklagte nicht schuldhaft gehandelt habe. Das Verhalten des Beklagten, der den Ball nicht schnell und flach, sondern in einem Bogen über das Netz befördert habe, entspreche, wie das Gutachten ergebe habe, den heutigen Gepflogenheiten auf einem Tennisplatz und verstoße nicht gegen den Verhaltenskodex des Deutschen Tennisbundes.

Mit seiner Berufung verfolgt der Kläger sein Klageziel mit überwiegendem Erfolg unter Wiederholung und Vertiefung seines erstinstanzlichen Vortrags weiter und meint, der Beklagte habe fahrlässig gehandelt, weil er den Ball vor seiner, des Klägers, Annahmebereitschaft geschlagen habe.

Gründe:

Der Beklagte schuldet dem Kläger materiellen und immateriellen Schadensersatz in einem um 1/3 Mitverschulden des Klägers gekürzten Umfang. 20.000 DM stehen dem Kläger als Schmerzensgeldkapital zu.

1. Der Beklagte haftet dem Kläger für den durch den Unfall vom 23.5.1995 entstandenen Schaden gem. § 823 Abs. 1 BGB, weil er die Körperverletzung des Klägers durch pflichtwidriges und auch subjektiv vorwerfbares Verhalten verursacht hat.

a) Das Prinzip allgemeiner Fairness muss als oberster Grundsatz bei der Ausübung jeder Sportart beachtet werden (vgl. OLG Köln v. 30.12.1993 – 1 U 66/93, OLGR Köln 1994, 94 = VersR 1994, 1072 [1073]). Speziell für die Sportart Tennis gilt außerdem für jeden Tennisspieler im Hinblick auf die Verletzungsgefahr die ungeschriebene Regel, dass er den Ball erst dann in Richtung auf den gegnerischen Mitspieler schlagen darf, wenn er davon ausgehen darf, dass dieser nicht unaufmerksam oder anderweitig abgelenkt, sondern annahme- bzw. abwehrbereit ist (Fritzweiler, DAR 1997, 137 [140]; Günther/Kern, VersR 1993, 794 [795]; Gaisbauer, VersR 1975, 502). Für die Dauer des Ballwechsels während des Spiels, d.h. während des Kampfes um den Punktgewinn, darf er ohne weiteres davon ausgehen; in dieser Spielphase ist der gegnerische Mitspieler i.d.R. voll für sich verantwortlich. Zu Ballwechseln außerhalb des eigentlichen Spiels, z.B. während des Einspielens vor Spielbeginn, darf er den Ball aber erst in Richtung auf den gegnerischen Spieler schlagen, wenn er sich zuvor vergewissert hat, dass dieser nicht unaufmerksam, z.B. durch das Aufsammeln von Bällen abgelenkt, sondern annahme- bzw. abwehrbereit ist (Weisemann/Spieker, Sport, Spiel und Recht, 2. Aufl. 1997, Rz. 109; Wussow/Kuntz, UHR, 14. Aufl., TZ 315; Pardey, ZfS 1995, 281 [283]). Das gilt auch dann, wenn er während der Spielpause einen Ball auf die gegenüber liegende Seite in Richtung auf denjenigen Mitspieler schlagen will, der als nächster aufzuschlagen hat (OLG Braunschweig v. 7.2.1990 – 3 U 145/89, VersR 1991, 1066 = NJW-RR 1990, 987; OLG München VersR 1970, 958 = NJW 1970, 2297; LG Wuppertal VersR 1969, 337; Günther/Kern, VersR 1993, 794 [795]).

b) Der Beklagte hat den Ball in die Richtung geschlagen, in der sich der Kläger aufhielt und getroffen werden konnte. Er wollte den Ball nicht dem Kläger zuschlagen, sondern über ihn hinweg in die hintere Ecke des Platzes schlagen. Als der Beklagte den Ball abschlug, befand sich der Kläger – aus Sicht des Beklagten – dicht hinter dem Netz in gebückter Haltung, um einen Ball aufzuheben. Ein Tennisspieler, der in dieser Weise Bälle aufsammelt, ist erkennbar abgelenkt und signalisiert erkennbar seine fehlende Annahmebereitschaft (Günther/Kern, VersR 1993, 794 [795]). Für den Beklagten war auch vorauszusehen, dass sich der Kläger aus seiner gebückten Haltung alsbald wieder aufrichten würde. Es war deshalb regel- und damit pflichtwidrig, den Ball so auf die andere Spielfeldseite zu schlagen, dass der sich wieder aufrichtende Kläger getroffen werden konnte.

Dem stehen die Ausführungen des vom LG als Sachverständigen vernommenen Tennislehrers S. nicht entgegen. Zwar hat dieser ausgeführt, die frühere Gepflogenheit, dem aufschlagenden Spieler den Ball zuzuschlagen und ihn vor dem Zuspiel durch Zuruf zu warnen, sei in letzter Zeit zunehmend verflacht. Hier geht es aber nicht um die Gepflogenheiten, die gegenüber dem Aufschlagspieler bestehen, wenn ihm, sich im Bereich der Grundlinie aufhaltend, die Bälle für den nächsten Aufschlag zugespielt werden – üblicherweise werden ihm die Bälle so zugespielt, dass sie zuvor mindestens einmal den Boden berührt haben, so dass ihre Geschwindigkeit verlangsamt ist und er ihre Annäherung nicht nur optisch, sondern auch akustisch wahrnehmen kann, u. zw. über einen entspr. längeren Zeitraum –, sondern um das Verhalten gegenüber einem gegnerischen Mitspieler, der sich Bälle aufsammelnd und erkennbar unaufmerksam in der Nähe des Netzes bewegt. In dieser Situation ist es nach den Erfahrungen der Mitglieder des Senats, die – worauf der Senat die Parteien hingewiesen hat – selbst im Tennis über – z.T. erhebliche – Erfahrung verfügen, jedenfalls nicht üblich, einen Ball so dicht in die Nähe des erkennbar unaufmerksamen Spielers zu schlagen, dass dieser beim Aufrichten getroffen werden kann. Abgesehen davon kann sich ein etwa zu beobachtendes sorgloseres Verhalten auf dem Tennisplatz nicht auf den Maßstab der erforderlichen Sorgfalt i.S.d. § 276 BGB, bei dem es sich um einen objektiven Maßstab handelt, auswirken.

c) Der Beklagte hat auch subjektiv vorwerfbar gehandelt. Zwar muss nach dem Beweisergebnis davon ausgegangen werden, dass er den Ball mit geringer Geschwindigkeit im Bogen über den Kläger hinweg auf die andere Seite in die hintere Ecke des Platzes schlagen wollte. Er musste aber damit rechnen, dass sich der Kläger alsbald wieder aufrichtete. Wenn er sich in dieser Situation entschloss, den Ball über den erkennbar abgelenkten Kläger hinweg zu schlagen, statt zu warten, bis der Kläger annahmebereit war, musste er ihn jedenfalls so hoch über den Kläger hinwegspielen, dass selbst nach dem Wiederaufrichten des Klägers und unter Berücksichtigung der möglichen „Streubreite” des Schlages noch ein ausreichender Sicherheitsabstand bestand. Zwar gehen derartige „Treffer” in der Regel glimpflich aus. Dass aber dann, wenn das Auge unglücklich getroffen wird, eine Augenverletzung entstehen kann, ist bekannt und vorhersehbar.

Der Beklagte kann sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, der Kläger sei das Opfer einer „missglückten Bogenlampe” geworden. Denn selbst wenn der Ball nicht die vom Beklagten gewollte Flugrichtung genommen haben sollte, würde dies ihn nicht entlasten. Da der Kläger erkennbar abgelenkt und damit weitgehend schutzlos war, musste der Beklagte sicherstellen, dass die Flugbahn des Balles weit genug vom Kläger entfernt war. War der Beklagte sich seiner Treffsicherheit nicht sicher, musste er den Kläger vorher warnen oder einen derartigen Schlag über diesen hinweg ganz unterlassen. Im Übrigen lässt sich dem erstinstanzlichen Vortrag des Beklagten und den eigenen Bekundungen bei seiner Anhörung nicht entnehmen, dass der Unfall die Folge eines aus irgendwelchen Gründen völlig missglückten Schlages ist. Der Beklagte spielt nach eigener Darstellung seit 40 Jahren Tennis. Daran, dass er – zumal nicht unter Zeitdruck stehend – bei gehöriger Konzentration in der Lage gewesen wäre, den Ball in einem so hohen Bogen über den Kläger hinweg zu schlagen, dass dieser nicht gefährdet wurde, besteht kein Zweifel.

Abgesehen davon hätte der Beklagte die Verletzung des Klägers selbst nach einem völlig missglückten Schlag noch vermeiden können und bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt auch vermieden. Denn in einer derartigen Situation ist es – zumindest unter erfahrenen Tennisspielern – üblich, sich durch Zuruf zu warnen. Zumindest dann, wenn der Ball nicht flach und scharf, sondern weich und im Bogen gespielt war, hätte der Kläger bei einem sofortigen Warnruf des Beklagten auch noch ausreichend Zeit gehabt, sich abzuwenden und so die Verletzung zu vermeiden. Ein erfahrener Tennisspieler wie der Kläger hätte bei einem derartigen Warnruf auch sofort gewusst, was er bedeutet und was zu tun ist, und sich danach gerichtet. Dem steht auch die Aussage des Zeugen W., er habe zwar den Ball auf den Kläger zufliegen sehen, aber keine Zeit mehr gehabt, diesen zu warnen, nicht entgegen. Denn der Zeuge konnte als Zuschauer die Gefahr erst später erkennen als der Beklagte als Handelnder.

d) Irgendwelche Haftungsbeschränkungen bestehen nicht. Sie kommen im Rahmen des Tennissports allenfalls für Verletzungen in Betracht, die während des eigentlichen Spielgeschehens, also beim Kampf um den Punktgewinn, zugefügt werden (Günther/Kern, VersR 1993, 794 [795 ff]). Jedenfalls besteht zu einer Haftungsbeschränkung für Verletzungen, die unter erfahrenen Tennisspielern beim Ballaustausch zwischen zwei Spielen zugefügt werden, kein Anlass.

2. Den Schaden des Klägers muss der Beklagte jedoch nicht in vollem Umfang tragen, weil den Kläger ein mitwirkendes Verschulden trifft, das gem. § 254 BGB mit 1/3 zu bemessen ist.

Der Kläger wusste, dass in der Spielfeldhälfte des Beklagten Bälle lagen, die er als Aufschläger des nächsten Spiels erhalten musste. Als seit 30 Jahren aktivem Tennisspieler war auch ihm bekannt, dass der Ballaustausch zwischen zwei Spielen nicht immer in der disziplinierten Weise erfolgt, wie er erfolgen sollte. Zudem nahm er an dem Doppel als Gast teil, er kannte deshalb die Verhaltensweisen seiner Mitspieler nicht. Abgesehen davon muss ein Tennisspieler immer damit rechnen, dass ein Ball aus irgendeinem Grund, z.B. aus Leichtsinn oder infolge mangelnder Konzentration, „verschlagen” wird. Hinzu kommt, dass er sich in der Nähe des Netzes aufhielt, ein vom Beklagten geschlagener Ball also auf relativ kurze Entfernung und relativ schnell in seine Richtung fliegen konnte. Ein erfahrener Tennisspieler wie der Kläger war deshalb in dieser Situation verpflichtet, zum eigenen Schutz den gegnerischen Mitspieler beim Bälle aufsammeln am Netz im Auge zu behalten oder jedenfalls akustisch auf einen derartigen Ballabschlag zu achten und sich ggf. vorsorglich abzuwenden. Dazu reichte auch trotz der kurzen Entfernung die Zeit aus. Hätte der Kläger diese von ihm zu fordernde Sorgfalt beachtet, wäre er jedenfalls nicht am Auge getroffen worden und unverletzt geblieben.

Nach den Bekundungen der Zeugen W. und Dr. K. hat der Beklagte den Ball nicht besonders hart geschlagen. Der Ball ist auch nicht etwa nur in Netzhöhe geflogen, sondern in einem Bogen, wobei er den Kläger traf, als dieser schon fast wieder aufrecht stand. Unter Berücksichtigung aller Umstände erscheint es sachgerecht, die Unfallverantwortlichkeit des Beklagten lediglich doppelt so hoch zu veranschlagen wie diejenige des Klägers.

3. Im Alter von 38 Jahren hat sich der Kläger eine Augenverletzung links mit Prellung und Quetschung des Augapfels zugezogen. Es kam zu einer Aderhauptruptur am hinteren Pol neben der Stelle des schärfsten Sehens und zu einem Netzhautriss. 3 Tage lang musste der Kläger stationär behandelt werden und es war eine schmerzhafte Laserkoagulationsabriegelung des Netzhauteinrisses erforderlich. Vier Monate lang war der Kläger vollständig und weitere drei Monate lang halbtags arbeitsunfähig. Die Gebrauchsfähigkeit des linken Auges ist auf Dauer um 17/30 gemindert. Durch die unfallbedingt erforderliche Sehbrille kann der Sehfehler nicht vollständig korrigiert werden. Der Kläger leidet unter Blendungsempfindlichkeit wegen ständiger Erweiterung der linken Pupille, einer damit einhergehenden leichten äußeren Entstellung sowie einer Sicht wie durch eine Gardine. Der Kläger muss mit einer Verschlechterung der Sehfähigkeit des linken Auges und daraus möglicherweise resultierenden Folgen für seine berufliche Tätigkeit als Zahnarzt rechnen. Auch bei Mitberücksichtigung des Eigenverantwortlichkeitsanteiles des Klägers von 1/3 erscheint ein Schmerzensgeld des haftpflichtversicherten Beklagten i.H.v. 20.000 DM angemessen. Dabei steht die Ausgleichsfunktion des Schmerzensgeldes im Vordergrund, während der Genugtuungsfunktion angesichts dieses unglücklichen Sportunfalles nur untergeordnete Bedeutung zukommt.

4. Ausweislich der Bescheinigung des Augenarztes Dr. R. vom 11.2.1998 muss der Kläger mit dem Auftreten unfallbedingter Spätkomplikationen rechnen. Aus diesem Grunde war dem Feststellungsbegehren des Klägers in dem durch das Eigenverschulden eingeschränktem Umfange stattzugeben. …."

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Prüfung der Rechtslage eine erste rechtliche Orientierung vermittelt zu haben. Nutzen sie gegebenenfalls die Nachfrageoption.

Bitte haben sie Verständnis dafür, dass ohne die genaue Kenntnis der wohl umfangreichen Unterlagen/ Verträge nur allgemeine Ratschläge erteilt werden können. Die Plattform 123 Recht kann eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen. Falls Sie eine genaue Überprüfung an Hand des Vertrages und der sonstigen Unterlagen durch mich wünschen, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

Bitte beachten Sie, dass auf der Plattform 123 Recht das Portal „Frag-einen-anwalt.de“ keine Upload-Funktion anbietet. Nur bei dem Portal „Anwalt Direktanfrage“ können Sie Ihren Fall schriftlich schildern und Dateien und Dokumente anhängen.
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