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Sorge- und Umgangsrecht bei Scheidung oder Getrenntleben


27.06.2004 17:29 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von



Meine Frau und ich sind seit 6 Jahren verheiratet und haben zusammen zwei Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren. Wir wohnen gemeinsam in einem Haus, welches sie von Ihrer Oma hat überschrieben bekommen (vorgezogene Erbfolge oder so ähnlich hieß es)

Schon seit längerem wird deutlich, dass wir keine gemeinsame Zukunft mehr haben. Unsere Auffassungen von Werten, Weltanschauungen driften immer mehr auseinander. Insbesondere was die Kindererziehung betrifft, können wir uns nicht mehr einigen. Jetzt meine Frage(n):

Im Falle einer Scheidung oder Trennung oder eines Getrenntlebens (wenn das möglich ist), wie sind dann erst einmal das Sorge- und Umgangsrecht geregelt? Bekommt sie sofort beides? Hab ich bei einer beantragten Scheidung (durch wen?) das Recht, weiterhin das Haus zu bewohnen oder kann sie mich dann sofort des Hauses verweisen. Und was genau ist der Unterschied zwischen Sorge- und Umgangsrecht.

Wie sieht es mit Unterhaltszahlungen aus. Sie hat nur einen Aushilfsjob (weil sie nicht richtig arbeiten will, was eines unserer grundsätzlichen Probleme ist), ich bin als selbständiger Handelsvertreter mit schwankenden Einkünften tätig. Gegen mich privat läuft außerdem noch ein Insolvenzverfahren aus meiner inzwischen erloschenen Firma.


Wenn die Beantwortung meiner Fragen in keinem Verhältnis zu dem angebotenen „Honorar“ steht, interessiert mich zuerst die Regelung des Sorge- und Umgangsrechtes. Wie konkret sieht dann die Praxis aus.

Wie oft kann ich die Kinder sehen / haben oder kann ich vielleicht sogar das alleinige Sorgerecht erlangen, wenn ja, unter welchen Voraussetzungen. Mir liegt sehr viel an unseren Kindern, und im Falle der Tatsache, dass ich meine Kinder wohl nur noch selten oder überhaupt nicht mehr haben kann, würde ich auf eine Scheidung verzichten, nur um bei ihnen sein zu können

Vielen Dank im voraus
Ein Mann, 30 Jahre
27.06.2004 | 19:04

Antwort

von


162 Bewertungen
Sehr geehrter Rechtssuchender,

vielen Dank für Ihre freundlichen Anfrage.

1. Sorgerecht

Vorab muß klar getrennt werden. Es gibt das Sorgerecht und das Umgangsrecht. Auch derjenige, der nicht das Sorgerecht hat, hat ein Umgangsrecht.

Sie haben derzeit das gemeinsame Sorgerecht. Aber auch nach der Trennung und Scheidung verbleibt Ihnen das gemeinsame Sorgerecht. Nach der Trennung wird das Kind zu einem Elternteil ziehen.

Dies hat folgende Auswirkungen.

a) Der Elternteil, bei dem sich das Kind gewöhnlich aufhält, hat die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens (§ 1687 Abs. 1 Satz 2 BGB). Dies sind solche Angelegenheiten, die häufig vorkommen und die keine schwer abzuändernden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben.

Darunter fallen z.B.:
- normaler Ablauf des Schullebens (z.B. Teilnahme an Klassenfahrten)
- Teilnahme an Tagesausflügen oder Ausübung einer Sportart
- gewöhnliche medizinische Versorgung (z.B. Schluckimpfung, Zahnarztbesuche)
- Anträge in Pass- und Ausweisangelegenheiten
- Fragen der Ernährung und des Fernsehkonsums etc.

b) Gem. § 1687 BGB müssen die dauerhaft getrennt lebenden Eltern im gegenseitigen Einvernehmen Regelungen über Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für das Kind treffen.

Grundsätzlich gehören zu den Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung:
- Aufenthaltsbestimmungsrecht
- Ferienaufenthalt im Ausland
- schulische und berufliche Ausbildung des Kindes (z.B. Wahl der Schulart)
- religiöse Erziehung
- größere Operationen

c) Das alleinige Sorgerecht gibt es zwar auch, doch es muß dann durch einen Beteiligten für sich beantragt werden.

Wichtig ist:
Die Frage für die Übertragung des Sorgerechts wird anhand des Kriteriums "KIndeswohl" beantwortet. Ihre Gefühle weren dort kaum berücksichtigt.

Das Gericht prüft in der "Kindeswohlprüfung" verschiedne Fragen, z.B. welcher Elternteil die Hauptbezugsperson ist, wer das Kind am besten persönlich betreuen und fördern kann. Auch wird überprüft, wer für die Erziehung besser geeignet ist, etc.
Wenn das Kind 14 Jahre alt ist, kann es dem gestellten Sorgerechtsantrag widersprechen.

Häufig werden Sachverständigengutachten eingeholt; außerdem wird auf jeden Fall das Jugendamt angehört.

Bevor Sie aber éinen Sorgerechtsantrag stellen, sollten Sie sich auch fragen, ob sich das gemeinsame Sorgerecht wirklich zum Nachteil des Kindes auswirkt und welche Gründe für das alleinige Sorgerecht vorliegen.


2. Umgangsrecht
Sollte das Kind zu Ihrer Frau ziehen, so steht Ihnen ein Umgangsrecht zu.

Eine allgemein übliche Regelung sieht folgendermaßen aus:
a) alle 14 Tage erhält derjenige das Umgangsrecht, bei dem das Kind nicht lebt. Das Umgangsrecht wird dann von Samstag 9 bis Sonntag 18 Uhr gewährt;
b) die großen Feiertage werden derart gestaltet, daß der jeweils zweite Feiertag Ihnen zustehen würde;
c) die Ferien werden hälftig geteilt.

Sollte Ihre Frau Ihnen nicht das Umgangsrecht gewähren - was leider nicht selten ist - dann sollten Sie sofort einen Rechtsanwalt einschalten.


3. Unterhalt
Trennen Sie sich, dann schulden Sie Ihrer Frau Trennungsunterhalt.

Leben die Kinder bei Ihrer Frau, müssen Sie für die Kinder auch noch Kindesunterhalt zahlen.

Im übrigen:
Ihre Frau muß - wenn Sie die Kinder betreut - nicht zwingend mehr arbeiten. Erst wenn das jüngste Kind 9 Jahre alt wird, hat sie die Verpflichtung mindestens einen Halbtagsjob aufzunehmen.

Die Höhe der Unterhaltszahlungen richtet sich nach Ihrem Einkommen. Der Unterhalt für die Kinder wird anhand der Düsseldorfer Tabelle gemessesn. Die Düsseldorfer Tabelle ist zwar keine Gesetz, doch sie ist als Richtlinie für die Unterhaltsberechnung anerkannt.


4. Haus/Wohnung
Ihre Frau könnte u.U. auch erreichen, daß ihr die Wohnung zugewiesen wird. Sie kann zunächst für die Trennungszeit erreichen, daß Ihr vorläufig die Wohnung zugewiesen wird. Dies kommt dann in Betracht, wenn die Zuweisung notwendig ist, um auch unter Berücksichtigung Ihrer Belange eine unbillige Härte zu vermeiden.

Dies kann z.B. dann sein, wenn das Kindeswohl beeinträchtigt wird. Es ist daher ausreichend, wenn allein die Kinder unter den Spannungen und Streitigkeiten zwischen den Eltern leiden.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, daß das Alleineigentum Ihrer Frau in einem Wohnungszuweisungsverfahren besonderes zu berücksichtigen ist. Sollten Sie daher - als NIchteigentümer - beantragen, daß Ihnen die Wohnung zugewiesen wird, so sind die Anforderungen höher.

Ein Wohnungszuteilungsverfahren ist ein gerichtliches Verfahren. Da dieses Verfahren nicht unkompliziert ist und weitreichende Folgen hat, sollten Sie sich auf jeden Fall anwaltlich beraten lassen.

Besteht bei der Scheidung immer noch Streit über die Nutzung der Wohnung, so kann Ihre Frau auch die endgültige Zuweisung der Ehewohnung ab Rechtskraft der Scheidung beantragen.
Auch hier gilt obiges, d.h. es wird z.B.geprüft, was für die Kinder das Beste ist oder welcher Ehegatte finanziell auf die Wohnung angewiesen ist.

Damit sind Ihre Fragen wohl erschöpfend beantwortet.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wille
Rechtsanwalt

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Rechtsanwalt Klaus Wille
Fachanwalt für Familienrecht

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