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Beziehung mit einer Minderjährigen - mache ich mich strafbar?


17.11.2009 12:38 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von




Guten Tag,

ich selbst bin 33 Jahre alt und habe einen 14-jährigen Freund. Wir sind noch nicht sehr lange zusammen aber wenn es weiterhin so gut läuft, dann werden wir in den nächsten Monaten auch miteinander schlafen wollen. Bisher küssen und streicheln wir uns nur ein bisschen.

Wie sieht hier die Rechtslage aus? Wenn wir dann irgendwann weiter gehen ... wäre das für mich dann eine sexuelle Straftat? Und gehört Petting hier auch schon dazu? Und was können die Eltern von ihm sagen?

Ich überrede meinen Freund zu nichts und er ist sich der Sache auch voll bewusst. Wir führen eine sehr zärtliche und liebevolle Beziehung.

Es weiß natürlich keiner etwas davon, was das Ganze sehr schwer macht. Aber bevor ich keine Info bezüglich der Gesetzeslage habe, können wir es keinem sagen.

Ich bitte um eine ausführliche Antwort. Ich will mir sicher sein was was erlaubt ist.

Vielen Dank!

Jeanny

Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 54 weitere Antworten zum Thema:
Antwort vom
17.11.2009 | 14:42

Sehr geehrte Fragende,
sehr geehrter Fragender,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich auf der Grundlage Ihrer Angaben und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes gerne wie folgt beantworte:

Auf Grund Ihrer Darstellungen setze ich voraus, dass es sich um einverständliche, sexuelle Kontakte zwischen Ihnen und einer 14-jährigen und damit jugendlichen Person handelt.

Ich setze weiter voraus, dass zwischen Ihnen keinerlei Erziehungs-, Ausbildungs- oder Betreuungsverhältnis besteht.
In diesem Fall sind sexuelle Kontakte zwischen einem Erwachsenen (mindestens 18 Jahre alt) und einem Jugendlichen (mindestens 14, aber noch nicht 18 Jahre alt) nur unter den Voraussetzungen des § 182 StGB strafbar. Dieser lautet:


§ 182 Sexueller Missbrauch von Jugendlichen
(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren dadurch missbraucht, dass er unter Ausnutzung einer Zwangslage
1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder
2. diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird eine Person über achtzehn Jahren bestraft, die eine Person unter achtzehn Jahren dadurch missbraucht, dass sie gegen Entgelt sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt.
(3) Eine Person über einundzwanzig Jahre, die eine Person unter sechzehn Jahren dadurch missbraucht, dass sie
1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder
2. diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen,
und dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(4) Der Versuch ist strafbar.

(5) In den Fällen des Absatzes 3 wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

(6) In den Fällen der Absätze 1 bis 3 kann das Gericht von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn bei Berücksichtigung des Verhaltens der Person, gegen die sich die Tat richtet, das Unrecht der Tat gering ist.



Für eine Strafbarkeit nach Abs. 1 ist demnach die Ausnutzung einer Zwangslage des Opfers erforderlich. Hierunter fällt nicht nur wirtschaftliche Not, sondern auch persönliche Bedrängnis oder psychische Beeinträchtigungen wie z.B. Notsituationen von Obdachlosen oder Drogenabhängigen. Hierfür ergeben sich nach Ihren Schilderungen keine Anhaltspunkte.

In Betracht kommt allerdings eine Strafbarkeit nach Abs. 3, da Sie Ihren Angaben zufolge über 21 Jahre alt und Ihr Freund unter 16 Jahre alt ist. In diesem Fall sind sexuelle Kontakte strafbar, wenn der Erwachsene „dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt“. Wann das der Fall ist, ist äußerst schwierig und immer im Einzelfall zu untersuchen. Notwendig für eine Strafbarkeit ist, dass der Jugendliche wegen altersbedingter Unreife nicht dazu in der Lage ist, die von ihm getroffene Entscheidung in seiner vollen Tragweite zu erfassen. Hierbei spielt auch das konkrete Verhältnis zu dem Erwachsenen eine Rolle. Je größer der Altersunterschied ist, desto eher wird ein Machtgefälle zwischen dem Erwachsenen und dem Jugendlichen auf Grund unterschiedlicher Reifestadien angenommen. Das Vorliegen eines solchen Machtgefälles kann dann als Indiz für eine mindestens eingeschränkte Selbstbestimmungsfähigkeit angesehen werden. Ob Ihr Freund im konkreten Fall die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung in diesem Sinne hat, ist hier nicht zu sagen. Ihre Angaben, er sei sich der Sache voll bewusst, könnten dafür sprechen. Allerdings beruhen diese Aussagen auf Ihrer persönlichen Einschätzung und sind damit nicht objektiv.

Sexuelle Handlungen im Sinne der Vorschrift sind jedenfalls Handlungen, die objektiv, also nach dem äußeren Erscheinungsbild die Sexualbezogenheit erkennen lassen. Wenn also ein Außenstehender den sexuellen Charakter erkennt, reicht das aus. Dies kann schon bei einem Kuss oder Streicheln der Fall sein. Das von Ihnen angesprochene „Petting“ oder der Geschlechtsverkehr fallen also in jedem Fall darunter.

Diese Voraussetzungen würden letztlich von der Staatsanwaltschaft bzw. einem Gericht geprüft werden.

Im Ergebnis ist es also durchaus möglich, dass die von Ihnen bereits geführte oder beabsichtigte sexuelle Beziehung nicht strafbar ist. Allerdings setzen Sie sich in jedem Fall der Gefahr aus, dass jemand (insbesondere die Eltern) Strafanzeige gegen Sie erstatten. In diesem Fall müssten Sie auch mit Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft rechnen. Über den Ausgang eines solchen Verfahrens lässt sich von hier keine verlässliche Aussage treffen.

Ich hoffe Ihnen mit der Beantwortung Ihrer Frage weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen nutzen Sie bitte die Möglichkeit der kostenlosen Nachfrage.

Bitte berücksichtigen Sie, dass diese Plattform eine ausführliche und persönliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann, sondern ausschließlich dazu dient, eine erste überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems von einem Rechtsanwalt zu erhalten. Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen.


Mit freundlichen Grüßen

Martin Sattler
Rechtsanwalt


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