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Schwerer Raub


14.12.2009 13:06 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



Hallo,

Mein Sohn ist 17 Jahre Alt und im wird vorgeworfen: Bewaffneter Schwerer Raub.

Er hat vor ca. einer Woche einen DHL Postboten mit einem Messer bedroht und hat im gesagt: Paket auf den Boden und verschwinden Sie!
Aber der Postpote hat im das Paket nicht ausgehändigt. Er hat im Internet ein paar Tagen davor 5 Iphone's per "Nachnahme" bestellt (Wert ca. 3.600Euro) . Er wusste das er das Paket nicht abbezahlen konnte, also hat er den Postboten mit einem Messer bedroht. Am selben Tag hat man in Erwischt und er war 24 Stunden in U-Haft. Welche Strafe würde mein Sohn am Ende erhalten? Er hat keine Vorstrafen.

Vielen Dank!

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Sehr geehrte(r) Rechtssuchende(r),

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Diese möchte ich anhand Ihrer Sachverhaltsdarstellung wie folgt beantworten und vorab darauf hinweisen, dass dieses Forum nur geeignet ist, einen groben Abriss über die rechtliche Lage zu erteilen und kein tiefgründiges Mandantengespräch ersetzen kann, insbesondere das Weglassen wesentlicher Angaben kann das Ergebnis der Beantwortung beeinflussen.

Anhand Ihrer Sachverhaltschilderung ist zu folgern, dass sich Ihr Sohn zum einen wegen Betruges, §263 StGB. Im Weiteren kommt eine Strafbarkeit wegen versuchten schweren Raubes §§249, 250, 23 StGB in Betracht.

Soweit Ihr Sohn 5 I-Phones in dem Bewusstsein und mit dem Willen bestellte, diese nie zahlen zu können, so liegt hierin ein Betrug. Ihr Sohn hat hierbei über seine Zahlungsfähigkeit und seinen Zahlungswillen getäuscht. Der Betrug ist vorliegend auch vollendet, da vorliegend auch die Vermögensverschiebung auf Grund der Täuschung bereits erfolgt.
Mit in die Strafzumessung einfließen wird, dass hierbei wohl ein Schaden i.H.v. 3.600,- EUR verursacht wurde, der nicht mehr als Bagatelle einzustufen ist.

Hinsichtlich des Geschehens gegenüber dem Postboten liegt ein versuchter schwerer Raub vor. Gemäß §§249, 250 StGB macht sich strafbar, wer unter Einsatz von Waffen mit Gewalt gegen eine Person oder Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zu zueignen.
Zunächst stellt sich die Frage, inwieweit es sich bei den IPhones um eine fremde bewegliche Sache gehandelt hat. Der Postbote wird hierbei nur als Erfüllungsgehilfe zur Erfüllung der Schickschuld eingesetzt. Solange der Postbote die Sache noch nicht an den Empfänger übergeben hat, ist diese auch nicht im Eigentum des Empfängers. Es war somit offenbar noch eine fremde bewegliche Sache, insbesondere dann, wenn ein Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Zahlung vereinbart wurde, wovon wohl auszugehen ist.
Ihr Sohn hat hierbei ein Messer eingesetzt, um gerade die Wegnahme zu ermöglichen. Bei einem Messer handelt es sich um zumindest um ein gefährliches Werkzeug, bei bestimmten Arten auch um eine Waffe. Unabhängig hiervon hat Ihr Sohn damit den Qualifikationstatbestand des §250 StGB erfüllt. Es sind auch keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschließungsgründe ersichtlich, welche die Strafbarkeit entfallen lassen könnten.
Der schwere Raub ist jedoch nach Ihren Sachverhaltsangaben im Versuchsstadium stecken geblieben, da der Postbote auf die Drohung gerade nicht reagierte und das Paket zurückbehielt. Insoweit liegt keine Vollendung des Raubes vor.
Bei der Frage nach der zu erwartenden Frage ist vorab mitzuteilen, dass dies derart pauschal nicht sicher beurteilt werden kann. Notwendig ist hierbei eine Gesamtwürdigung der Tat sowie der Täterpersönlichkeit, die insbesondere die Akteneinsicht in die Ermittlungsakte voraussetzt.
Ausgehend davon, dass Ihr Sohn im Zeitpunkt der Tatbegehung erst 17 Jahre alt gewesen ist, wird der vorliegende Sachverhalt nach Jugendstrafrecht abgeurteilt werden.
Hierbei ist von zwei rechtlich selbständigen Handlungen auszugehen, Tatmehrheit. Es ist also sowohl der Betrug als auch der schwere Raub abzuurteilen.
Vom Strafmaß her sieht der Betrug Geldstrafe oder aber Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren. Für schweren Raub ist ein Strafmaß von Freiheitsstrafe von nicht unter 5 Jahren vorgesehen.

In Anbetracht des Umstandes, dass vorliegend die Anwendung von Jugendstrafrecht in Betracht kommt, ist hierbei das Strafmaß an dem Sanktionssystem des Jugendstrafrechts zu messen. Dieses kennt Erziehungsmaßregeln, Zuchtmitteln sowie die Jugendstrafe.
Die Jugendstrafe kommt als ultima ration nur dann in Betracht, wenn der Richter auf schädliche Neigungen des Jugendlichen oder aber auf Schwere der Schuld erkennt. Die Voraussetzung des schädlichen Neigungen wird nur selten anerkannt. Hierbei müssen Sozialisationsmängel im Täter hervortreten, die befürchten lassen, dass der Täter weitere schwere Straftaten begehen wird. Inwieweit dies vorliegend der Fall ist, kann ohne Kenntnis der Täterpersönlichkeit nicht beurteilt werden.
Möglich erscheint die Annahme der Schwere der Schuld. Hierbei kommt es auf die genaue Tatbegehung, den Taterfolg und die Motive des Täters an. Insoweit muss klar gesagt werden, dass Ihr Sohn mit den Taten erhebliche kriminelle Energie gezeigt hat. Es erscheint damit als möglich, dass eine Jugendstrafe ausgeurteilt wird. §18 JGG sieht hierbei ein Mindestmaß von 6 Monaten und ein Höchstmaß von 5 Jahren vor. Wie hoch diese letztlich sein wird, ist anhand der Notwendigkeit erzieherischer Mittel zu beurteilen. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass eine solche zur Bewährung ausgesetzt werden würde, soweit die Jugendstrafe nicht mehr als 1 Jahr beträgt und sich der Jugendliche schon die Verurteilung als Warnung dienen lässt.
Soweit Ihr Sohn nicht vorbestraft ist und die Tat an sich auch keine weitere Folgen nach sich gezogen hat, erscheint es auch als möglich, dass gegen Ihn lediglich Arrest verhängt wird. Dieser kann maximal 4 Wochen in Form des Dauerarrestes betragen.
Erschwerend kommt aber hinzu, dass Ihr Sohn bereits 17 Jahre ist und insoweit die Konsequenzen seines Verhaltens einschätzen kann. Auch zeugt ein schwerer Raub und ein Betrug in derartiger Höhe von gesteigerter krimineller Energie.
Zugute kommt Ihm, dass er nicht vorbestraft ist und der Raub im Versuch stecken geblieben ist.

Ob letztlich Arrest oder Jugendstrafe verhängt wird, hängt von der Kenntnis der Ermittlungsakte, der Täterpersönlichkeit und dem Verfahrensverlauf ab. Zumindest Arrest kann ich jedoch in Aussicht stellen.

Es ist Ihrem Sohn dringend anzuraten, sich anwaltlicher Hilfe zu bedienen. Möglich erscheint hierbei auch eine Pflichtverteidigung, die in jedem Fall beantragt werden sollte.
Für eine weitere anwaltliche Hilfe stehe ich gern zur Verfügung.
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