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Schmerzengeld


| 19.11.2008 15:30 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von

Rechtsanwalt Martin P. Freisler



Sehr geehrte Damen und Herren,

vor sieben Jahren wurde ich durch einen unverschuldeten Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt.
Als Folge des Verkehrsunfalls kam es zu den nachstehend aufgeführten Verletzungen.
Oberschenkelmehrfragmentbruch mit Beteiligung der Oberschenkelrollen / zweitgradig offen,
komplexe Bandverletzungen linkes Kniegelenk,
Unterschenkelmehrfragmentbruch links / zweit- bis drittgradig offen,
schwere Unterschenkelweichteilquetschung / Hautdefekte am körperfernen Unterschenkel / Fußinnenseite links,
multiple weitere Prellungen.
Ich wurde in verschiedene Krankenhäuser 13 Mal operiert und hatte insgesamt einen Krankenhausaufendhalt von 6 Monaten. Danach wurde ich ambulant behandelt, bekam regelmäßig Krankengymnastik und konnte mich mit Unterarmgehstützen fortbewegen. Mein linkes Bein ist stark verkürzt, dass linke Kniegelenk war steif, sodass ich zu 80% Gehbehindert war.
Vor 2 Jahren erfolgte dann die Implantation einer Rotationsknieendoprothese links mit aufwendiger Rekonstruktion des distalen Femurendes.
Zur Zeit trage ich orthopädische Maßschuhe mit einer Schuherhöhung links von 7 cm und zeige ein linksseitiges Schonhinken.Kurze Wegstrecken kann ich ohne Gehstock absolvieren. Das linke Bein kann ich bis 90% durchbiegen, Probleme bereite mir die mangelnde Stabilisierung des linken Knies, welches in Streckstellung manchmal nicht zu beugen ist.
Zudem leide ich unter einen Tiefsitzenden Kreuzschmerz rechts.
Durch diesen Verkehrsunfall bin ich als 54 jähriger zum Frührentner geworden und durch mehrere Verzögerungen kommt es jetzt zu einer Gerichtsverhandlung.

Meine Frage:

wieviel Schmerzensgeld würde mir in diesem Fall zustehen.

Mit freundlichen Grüßen

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Sehr geehrter Fragesteller,

aufgrund Ihrer Schilderungen beantworte ich Ihre Frage in einer ersten rechtlichen Einschätzung wie folgt:

Schmerzensgeld ist ein immaterieller Schadensersatz. D.h. es wird für immaterielle Verletzungen, Beschwerden, Nachteile etc. ein angemessener Ausgleich in Geld gezahlt. Das Schmerzensgeld soll in diesem Rahmen die Funktion eines Ausgleichs und einer Genugtuung für den Betroffenen haben.

Deshalb ist die Nennung eines konkreten Betrages nicht möglich. Es kommt immer auf die konkrete Situation an, die nicht allein mit der schwere der Verletzungen zu bewerten ist. Vielmehr sind die Gesamtumstände, d.h. z.B. auch das berufliche und private Leben zu berücksichtigen, genauso aber auch wie sich z.B. der Schädiger verhalten hat.

In diesem Rahmen hat sodann zunächst der Betroffenen zu entscheiden, welchen Geld-Ausgleich er vom Schädiger unter Ausgleichs- und Genugtuungsgesichtspunkten verlangen will.

Sodann entscheidet das Verhandlungsgeschick mit der Gegenseite über die mögliche Höhe.

Kann keine Einigung erzielt werden, entscheidet abschließend ein Gericht, welches ein angemessenes Schmerzensgeld nach billigem Ermessen ausurteilt.

Geschädigter und Gericht können sich bei der Bemessung grob an bereits ähnlich ergangenen Entscheidungen orientieren.

Diesen kommt daher eine gewisse Bedeutung zu, wobei aber zu keiner Zeit der konkrete Einzelfall vergessen werden darf. Nicht vergessen werden darf auch, dass die in Deutschland eher als restriktiv zu betrachtende Höhe eines Schmerzensgeldes zwischenzeitlich in leichte Bewegung nach oben geraten ist.

Hier kann ich Ihnen gerne ähnliche Fälle nennen, die Sie als grobe Grundlage nehmen können.

Die Gerichtsentscheidungen sind nach der Schwere der Verletzungen strukturiert, so dass ich auf Ihre genannten Behandlungen abstelle. Beachten Sie, dass dabei etwa eine Lebensgefahr, eine lang andauernde Behandlung, Dauerschäden, das Alter sowie der Umstand der Berufsunfähigkeit/Frühverrentung etc. entscheidende Betrachtung verdienen.

Das OLG München hat am 29.08.1980 – 10 U 1469/80 ein Schmerzensgeld von 25.564,59 € als angemessen angesehen, bei einer Oberschenkeltrümmerfraktur mit Aussparrung sowie Kniefraktur sowie Gehirnerschütterung bei einer Frau, die sich 2 Jahre stationär 9 Operationen unterziehen musste und als Dauerschaden eine Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk und eine Beinverkürzung um 3 cm hat.

Das LG Nürnberg Fürth hat am 07.06.1994 – 2 O 1622/94 ein Schmerzensgeld von 30.677,51 € als angemessen angesehen, bei einer Oberschenkeltrümmerfraktur, Kniefraktur (mit der Gefahr eines künstlichen Kniegelenks), beidseitiger Fußfraktur, Schlüsselbeinfraktur, bei einem 35j. Mann, kompliziertem Heilungsverlauf, 20 Operationen, Berufsunfähigkeit und einer dauerhaften Gehbehinderung.
36.000,00 € hielt das OLG Hamburg am 30.11.2001 – 14 U 125/00 für angemessen bei einer offenen Ober- und Unterschenkelfraktur, einer Oberarmfraktur und Frakturen in der Hand, die 16 Operationen zur Folge hatten und die Gefahr einer Amputation bestand.

Das OLG Celle hat am 30.05.1991 – 14 U 260/88 ein Schmerzensgeld von 40.903,35 € als angemessen angesehen, bei einer Oberschenkel- und Unterschenkelfraktur, in deren Folge die Gebrauchsfähigkeit des Beines nahezu aufgehoben wurde, einer Beckenfraktur bei einer 25j. Frau, Lebensgefahr, Intensivstation, langwierige Heilbehandlung und einer dauerhaften Fußlähmung und Gehbehinderung.

50.000,00 € hielt das OLG Köln am 11.07.2001 – 11 U 177/00 für angemessen bei einem 18j Mann der eine Vielzahl von Frakturen im Bereich des Beckens und Unterkörper erlitten hat, sich während einer 6 monatigen stationären und 5 monatigen teilstationären mehreren Operationen unterziehen musste und als Dauerschaden eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Beine, eine dauerhafte Verkürzung eines Beines und eine Vielzahl unschöner Narben verbleibt. Berücksichtigt wurde dabei auch, dass er seinen Beruf als Mechaniker nicht mehr ausüben konnte und das Verschulden des Unfallgegners als erhöht eingestuft wurde.

Bei beidseitigen Oberschenkel- und Unterschenkelfrakturen mit Beinverkürzung, einer Unterarmfraktur rechts bei einem 18j. Mann und einer dauerhaften erheblichen Funktionseinschränkung des rechten Armes und beider Beine, hat das OLG Köln am 11.07.2001 – 11 U 177/00 ein Schmerzensgeld von 51.129,19 € als angemessenen angesehen.

Anhand dieser Entscheidungen sollten Sie eine Bezifferung in Ihrem Fall vornehmen können, wobei Sie allerdings nicht auch die Verhandlungstaktik und –möglichkeiten außer Acht lassen sollten.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung geben zu haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass eine abschließende rechtliche Bewertung Ihres Problems die Kenntnis des vollständigen Sachverhaltes erfordert. Im Rahmen dieses Forums können sich die Ausführungen aber ausschließlich auf Ihre Schilderungen stützen, und somit nur eine erste anwaltliche Einschätzung darstellen.

Ich empfehle Ihnen daher, einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu beauftragen, sofern Sie eine abschließende Beurteilung erhalten möchten. Bitten beachten Sie, dass dabei weitere Kosten anfallen.

Gerne stehe auch ich Ihnen bei der weiteren Durchsetzung Ihrer Interessen zur Verfügung. Sollten Sie dies wünschen, können Sie sich jederzeit - gerne auch per eMail - mit mir in Verbindung setzen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen


Martin P. Freisler
- Rechtsanwalt -



Bewertung des Fragestellers 21.11.2008 | 11:19


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