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Scheidung ich will nicht


07.07.2004 23:06 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Ich lebe seit ca 1 Jahr in Trennung. Mein Mann will sich scheiden lassen ich aber nicht. Gibt es Möglichkeiten eine Scheidung hinauszuziehen oder wird man automatisch geschieden wenn der Expartner nach Ablauf des Trennungsjahres die Scheiung einreicht??? Aus dieser Ehe gingen 3 gemeinsame Kinder hervor die auch sehr darunter leiden.
Guten Morgen,

gem. § 1565 BGB kann eine Ehe geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. Sie ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen.

In aller Regel ist Voraussetzung, dass die Eheleute mindestens seit einem Jahr getrennt leben (ergibt sich aus Abs. 2 des § 1565 BGB).

Eine Ehe kann nur durch Urteil geschieden werden (§ 1564 BGB). Ein Scheidungsprozess ist damit dringend erforderlich. In diesen Prozess müssen die Scheidungsvoraussetzungen vorgetragen und im Zweifel auch bewiesen werden. Die zu beweisenden Scheidungsvoraussetzungen habe ich im ersten Absatz benannt. Während die Trennungszeit in aller Regel leicht zu beweisen sein wird, kann es oft nur weitaus schwerer zu beweisen sein, dass die Ehe gescheitert ist, also eine Wiederherstellung nicht mehr zu erwarten ist.

Ich kann hier keine Aussage darüber treffen, ob es Ihrem Mann gelingen wird, diesen Beweis zu führen. Gelingt ihm das jedoch nicht, so gilt folgendes:

Gem. § 1566 BGB werden zwei Fälle konstruiert, in denen es eines Beweises nicht bedarf. In diesen Fällen gilt die Ehe als gescheitert.

1. Die Eheleute leben seit mindestens einem Jahr getrennt und wollen BEIDE die Scheidung.
2. Die Eheleute leben seit mindestens seit drei Jahren getrennt. Hier kommt es auf Ihren Willen nicht mehr an.

Für Sie ist derzeit entscheidend, dass Sie ein Scheitern der Ehe nicht anerkennen. Ihr Mann ist damit in der Pflicht den entsprechenden Beweis zu führen.


In § 1568 BGB gibt es eine zu beachtende Härteklausel. Danach soll die Ehe nicht geschieden werden, obwohl sie gescheitert ist, wenn und solange die Aufrechterhaltung der Ehe im Interesse der Kinder ausnahmsweise notwendig ist. Dieser Härtefall kann insbesondere auf psychische Gründe in der Person des Kindes gestützt werden, die letztlich das Kindeswohl gefährden würden. Das einfache Interesse des Kindes daran, dass sich die Eltern nicht scheiden lassen, ist kein ausreichender Grund. Dies Kindesinteressen wird das Gericht von Amts wegen überprüfen. Die Härteklausel ist auch dann anwendbar, wenn es für den die Scheidung ablehnenden Ehegatten selbst zu einem solchen Härtefall kommen würde.


Eine weitere Möglichkeit liegt in der Ausnutzung des Verbundeffektes. Der Gesetzgeber hat in der Zivilprozessordnung vorgesehen, dass zusammen mit dem Scheidungsverfahren auch das Versorgungsausgleichsverfahren durchgeführt wird. Dieses regelt den Ausgleich der während der Ehe erworbenen Anwartschaften auf eine Altersversorgung. Die Scheidung kann daher nur erfolgen, wenn auch alle Informationen im Versorgungsausgleichsverfahren vorliegen. Das kann zu einer Verzögerung führen.

Diesen Verbundeffekt kann man auch in anderen Fällen nutzen. Sie können im Scheidungsverfahren auch andere Verfahren (z.B. nachehelicher Unterhalt, Zugewinnausgleich, Hausratsaufteilung, Sorge- und/oder Umgangsrecht mit den Kindern) anhängig machen. Geschieht dies, so müssen grds. alle Verfahren zur Entscheidung reif sein, bevor die Ehe geschieden werden kann. Allerdings können einzelne oder mehrere Verfahren von der Scheidung wieder abgekoppelt werden.


Einige Zeit gewinnen Sie, wenn Sie sich „reglos“ stellen. Zum Scheidungsantrag Ihres Mannes nehmen Sie dem Gericht gegenüber keine Stellung. Erst einmal nichts machen. Sie beauftragen keinen Anwalt. Zum ersten Termin den das Gericht festlegt, gehen Sie nicht hin. Im Folgetermin müssen Sie sich allerdings dafür entschuldigen (ärztliches Attest).

Die letzte Möglichkeit kann man dann in der Berufung gegen das Scheidungsurteil sehen.


Bei all diesen für Sie vermutlich positiv klingenden Maßnahmen sollten Sie sich aber auch über die Folgen im klaren sein. Sie setzen alle, auch sich selbst, einer unnötigen Belastung aus. Bitte denken Sie an Ihre Kinder, diese werden auch unter eine langen Scheidungsphase leiden. Deren Leben kann sich insoweit nicht beruhigen. Auch bringt es nichts die Scheidung zu verzögern, wenn offensichtlich ist, dass die Ehe nicht mehr zu retten ist. Ihre neue Zukunft wird in aller Regel erst am Tag der Scheidung wirklich beginnen.


Mit freundlichen Grüßen

Simon Jäschke
Rechtsanwalt aus Minden (NRW)
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