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Schadensersatz für Teppichboden nach Auszug


24.11.2008 13:47 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Lars Liedtke



Guten Tag.

Beim Auszug aus unserer alten Wohnung war der Teppichboden in zwei Zimmern über das normale Maß hinaus verschmutzt/abgenutzt, so dass wir uns auch damit einverstanden erklärt haben, den entsprechenden Restwert (Alter des Bodens 2,5 Jahre) von unserer Kaution abziehen zu lassen.

Nun hat der Vermieter uns die Rechnung einer Firma geschickt, die den alten Boden entfernt und entsorgt, und einen neuen Teppichboden verlegt hat. Von diesem Rechnungsbetrag hat er 25 % entsprechend unserer Mietdauer abgezogen.

Zum einen ist dieser neue Teppichboden sehr teuer (ich schätze, mindestens der doppelte Quadratmeterpreis wie bei dem alten Teppichs), außerdem wurde mehr Teppichboden (35 qm) geliefert, als verlegt wurde (27 qm). Deshalb meine Fragen:

1. Ist es zulässig, dass der neue Teppichboden berechnet wird? Meiner Meinung nach müsste hier der Wert des alten Teppichbodens angesetzt werden?

2. Ist es zulässig, dass die Kosten für den Abtransport des alten und Verlegen des neuen Bodens mit berechnet werden?

3. Darf der Vermieter uns den zusätzlichen Boden (immerhin 8 qm), der wohl zum Ausbessern von Schäden aufgehoben werden soll, ebenfalls anrechnen, oder nur die tatsächlich verlegte Fläche?

Kurz: welche Kosten kann uns der Vermieter genau anrechnen: Material des alten oder neuen Bodens - Handwerkerkosten für Entsorgung / Neuverlegung - nur die tatsächlich verlegte Fläche oder auch ein Stück "Ersatzteppich"?

Wenn möglich, könnten Sie mir bitte auch die entsprechenden Quellen (Gerichtsurteile o.ä.) nennen, damit ich gegenüber dem Vermieter argumentieren kann?

Herzlichen Dank!
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Forum lediglich die Funktion hat, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine persönliche Beratung/Vertretung kann und soll hierdurch nicht ersetzt werden. Hinzufügen oder Weglassen wesentlicher Tatsachen kann zu einer anderen Beurteilung des Falles führen. Unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsangaben und des von Ihnen gebotenen Einsatzes beantworte ich Ihre Fragen wie folgt:

1.) Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat gem. § 249 BGB den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn das schädigende Ereignis nicht eingetreten wäre. Dies ist hier jedoch unmöglich, da Sie ja die Abnutzungen des Teppichs nicht ungeschehen machen können. Daher gilt § 251 BGB, wonach Sie den Geschädigten in Geld zu entschädigen haben. Das bedeutet, dass Sie den Vermieter finanziell so zu stellen haben, wie er ohne schädigendes Ereignis stehen würde.

Dann jedoch hätte er keinen neuen Teppich, sondern einen mehrere Jahre alten. Sie sind daher nur zum Ersatz des Wiederbeschaffungswertes verpflichtet (Palandt/Heinrichs, § 251 Rn. 10; BGH NJW 84, 2282). Der Wiederbeschaffungswert meint also den Wert einer gleichwertigen Sache. Die Vorteile, die dem Vermieter dadurch entstehen, dass er nun einen neuen Teppich hat, sonst jedoch einen meherere Jahre alten, haben Sie ihm nicht zu ersetzen. Zudem umfasst die Ersatzpflicht nicht einen qualitativ hochwertigeren, also teureren Teppich, da den Vermieter insoweit die Schadensminderungspflicht des § 254 II BGB trifft.

2.) Hätten Sie den alten Teppich nicht übermäßig abgenutzt, wären dem Vermieter keine Kosten für Abtransport und des alten und Verlegen des neuen Teppichs entstanden. Insoweit liegt ein Schaden vor. Diesen Schaden werden Sie zu ersetzen haben.

3.) Handelt es sich bei dem übrigen Teppich um Verschnitt, weil er aufgrund eines Musters nicht anders zu verlegen gewesen wäre, hätten Sie diese Kosten zu übernehmen. Hat der Vermieter hier aber nur vorgesorgt und mehr als notwendig gekauft, verstößt er hiermit wiederum gegen seine Schadensminderungspflicht. Dies ist von Ihrer Ersatzpflicht nicht umfasst.

Da die Beschädigung des Teppichs durch Fahrlässigkeit Ihrerseits entstanden sein könnte, sollten Sie, bevor Sie diese Kosten dem Vermieter selbst erstatten, unbedingt abklären, ob Ihre Privathaftpflichtversicherung (falls Sie eine abgeschlossen haben) hierfür aufkommt. Sie sollten daher der Versicherung gegenüber unverzüglich den Schaden anzeigen.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben zu haben.

Nachfrage vom Fragesteller 24.11.2008 | 14:27

Sehr geehrter Herr Liedtke,

vielen Dank für Ihre umfassende Antwort.

Verstehe ich Sie zu Punkt 1 denn richtig, dass ich vom Vermieter die Rechnung des alten Teppichs einfordern sollte um ihm dann den Restwert dieses alten Teppichs zu ersetzen?

Was ist, wenn der Vermieter diese Rechnung nicht mehr hat und behauptet, der alte Teppich sei genauso teuer gewesen (was ich wirklich nicht glaube)?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.11.2008 | 14:52

Sehr geehrte Fragestellerin,

gern möchte ich Ihre Nachfrage beantworten. Die Rechnung über den alten Teppich wäre sehr hilfreich, wenn auch nicht maßgeblich. Da es auf den Widerbeschaffungswert ankommt, hätten Sie dem Vermieter nämlich nicht den Preis, den der Teppich damals gekostet hat (abzüglich des Zeitwerts) zu erstatten, sondern den Preis, den ein solcher Teppich heute kosten würde (unter Berücksichtigung des Zeitwerts).

Grundsätzlich trägt der Vermieter die Beweislast hinsichtlich der für die Schadenshöhe relevanten Tatsachen. Behauptet der Vermieter also einen Preis, der Ihnen überhöht vorkommt, sollten Sie die Schadenshöhe bestreiten und den Vermieter auffordern, Ihnen gegenüber einen Nachweis zu erbringen. Hier muss er natürlich nicht den Preis für einen identischen Teppich nachweisen (evtl. gibt es den ja gar nicht mehr), sondern für einen qualitativ gleichwertigen.

Mit freundlichen Grüßen,

Lars Liedtke
Rechtsanwalt

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