Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
466.110
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Rücktritt der KV wegen falscher Angabe bei Gesundheitsfragen


19.12.2009 21:12 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger



Im Juni 2009 mußten wir Aufgrund von Hochzeit entscheiden, ob wir unsere Kinder weiterhin freiwillig bei meiner Frau in der öffentlichen KV belassen oder sie bei meiner Private KV unterbringen. Da ich schon seit 10 Jahren privat versichert bin und die Kosten sich die Waage hielten, nur mit besseren Leistungen, haben wir uns für die Private KV entschieden.

Die Beantragung der Versicherung erfolgte am 15.06.09 mit den Standard- Gesundheitsfragen. Inklusive der Frage nach physischen Vorerkrankungen. Die wir verneinten.

Im August hatte dann unser Sohn eine Untersuchung in der Kinderpsychologie, wo uns zur Diagnostik eine ambulante Behandlung empfohlen wurde. In diesem Zuge haben wir einen Kostenübernahmeantrag für Behandlung und Fahrkosten an die KV gestellt.

Im Rahmen der Prüfung der Versicherungspflicht hat sich herausgestellt, dass die Erstüberweisung vom Arzt vor dem 15.06.09 erfolgte! Diese Überweisung erfolgte auf unseren ausdrücklichen Wunsch um auszuschließen, dass das teilweise schwierige Verhalten unseres Sohnes auf Krankheitsbilder wie ADHS o.ä. Beruht. Weil die Überweisung vor dem Ausfüllen der Gesundheitsfragen stattfand, schlussfolgert die KV nun, dass uns "Vorerkrankungen" bekannt waren und will vom Vertrag zurücktreten. Allerdings hat sich bis dato mein Sohn niemals in Behandlung befunden und mir war in dieser Situation nicht bewußt, dass eine „Überweisung“ ohne Behandlung oder Befund schon eine Vorerkrankung sei.

Laut Aussage meines Versicherungsmaklers wird wohl die Möglichkeit einer Weiterversicherung bestehen- allerdings zu veränderten (=höheren) Beiträgen. Genau dies bringt mich nun zur Fragestellung: Variante eins: die Versicherung verlangt so viel Prämie, dass eine Weiterversicherung nicht wirtschaftlich tragbar ist oder Variante zwei: die Weiterversicherung wird abgelehnt.

Da eine Behandlung mittlerweile läuft und eine ambulante Behandlung fünf Tage die Woche nicht ganz so günstig ist stellt sich nun die Frage, was für Optionen zur Verfügung stehen.

1. Aussichten auf Weiterversicherung bei der KV mit Recht oder Geld
2. Besteht die Möglichkeit oder der Anspruch, rückwirkend zum 01.06.09 wieder in die öffentliche KV zu wechseln?
3. Besteht die Gefahr, dass mein Sohn versicherungslos wird und wir die gesamten Kosten für die Behandlung und auch in Zukunft bezahlen?
Sehr geehrter Fragesteller,

ich bedanke mich für Ihre online-Anfrage, zu der ich wie folgt Stellung nehme:

Das Rücktrittsrecht des Versicherers besteht nur im Falle einer grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Anzeigepflichtverletzungen. D.h. ein Anspruch auf Weiterversicherung in der privaten Krankenversicherung zu den bisherigen Bedingungen wird voraussetzen, dass Sie eine vorvertragliche Anzeigenpflichtverletzung weder grob fahrlässig noch vorsätzlich verletzt haben. Ist Ihnen einfache Fahrlässigkeit vorzuwerfen, hat die PKV nur die Möglichkeit eine höhere Prämie zu verlangen.

Ob die unstreitig erfolgte ärztliche Überweisung zwecks Feststellung eines krankhaften Befundes bei der Antragstellung angegeben werden mußte, wird von den konkreten Fragestellungen in dem Antragsformular abhängen. Es wird daher entscheidend sein, ob die PKV nach Krankenhausbehandlungen oder Untersuchungen in einem Krankenhaus gefragt hat. Im Übrigen wird es ggf. angeraten sein, der PKV einen nachträglich erstellten ärztlichen Bericht über den Krankenhausaufenthalt Ihres Sohnes im Juni 2009 zuzuleiten.

Eine Familienversicherung besteht kraft Gesetzes , wenn die Voraussetzungen nach § 10 SGB V vorliegen. Der Anspruch auf Familienversicherung Ihres Sohnes wird dann nicht bestehen, Sie als privat Versicherter ein Einkommen haben, dass über der Beitragsbemessungsgrenze liegt und das regelmäßig höher ist, als das Einkommen des Ihrer Ehefrau.

Mit freundlichen Grüßen
RA Petry-Berger

Nachfrage vom Fragesteller 21.12.2009 | 10:58

Vielen Dank für die Bearbeitung meiner Fragen. Leider kommen mir meine Fragen aber nicht beantwortet vor! Ich versuche einmal aus ihren Ausführungen folgendes abzuleiten:

1. Schlimmstenfalls wird uns die KV grobe Fahrrlässigkeit vorwerfen! Dann ist eine Weiterversicherung wohl eher als unwahrscheinlich einzustufen!
2. Der freiwillige Eintritt in die gesetzliche KV rückwirkend zum 01.06.09 ist nicht möglich! (Man hatte uns aber eine freiwillige Weiterversicherung angeboten) #
3. Ja!

Richtig verstanden?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 22.12.2009 | 02:52

Sehr geehrter Fragesteller,

zutreffend gehen Sie davon aus, dass eine Weiterversicherung Ihres Sohnes in der PKV zu den bisherigen Bedingungen im Falle einer grob fahrlässigen Verletzung Ihrer Anzeigeobliegenheit nach § 19 Abs. 3 VVG nicht in Betracht kommen wird.

Nachdem die GKV Ihrer Ehefrau nach der Heirat die freiwillige Weiterversicherung Ihres Sohnes angeboten hat, ist hieraus zunächst zu schließen, dass die Voraussetzungen der Familienversicherung nach § 10 SGBV aufgrund Ihres Einkommens nicht vorlagen. Falls die PKV den Rücktritt von dem Versicherungsvertrag bzgl. Ihres Sohnes erklärt, ist eine freiwillige Versicherung in der GKV unter den allgemeinen Voraussetzungen möglich. D.h. unmittelbar vor Beginn der freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse muss eine Versicherung 12 Monate ununterbrochen oder 24 Monate in den letzten 5 Jahren bestanden haben. Kinder erfüllen die genannte Vorversicherungszeit, wenn ein Elternteil diese Versicherungszeit nachweisen kann. Kann Ihre Ehefrau diese Vorversicherungszeit aufweisen, wird eine freiwillige Weiterversicherung Ihres Sohnes in der GKV möglich sein.

Weiterhin beginnt die freiwillige Versicherung in der GKV gem. § 188 Abs. 1 SGB V mit dem Tag ihres Beitritts zur Krankenkasse. Eine Ausnahme hiervon macht § 188 Abs. 2 SGB V: Bei Personen, deren Familienversicherung erlischt oder bei denen eine Familienversicherung nur deswegen nicht besteht, weil der besser als das Mitglied der Gesetzlichen Krankenversicherung verdienende, mit dem betroffenen Kind verwandte Ehegatte nicht Mitglied einer Krankenkasse ist, beginnt die freiwillige Mitgliedschaft mit dem Tag nach dem Ausscheiden aus der Versicherungspflicht oder mit dem Tag nach dem Ende der Versicherung nach § 10 SGB V, vorausgesetzt der Beitritt wird in diesen Fällen innerhalb von drei Monaten nach Beendigung der Familienversicherung oder nach Geburt des Kindes erklärt. Ich gehe davon aus, dass diese Dreimonatsfrist abgelaufen ist, so dass eine Rückwirkung der freiwilligen Versicherung in der GKV ausscheiden wird. Eine freiwillige Versicherung Ihres Sohnes in der GKV wird folglich mit dem Tag der Beitrittserklärung beginnen, falls Ihre Ehefrau die Vorversicherungszeiten erfüllt. Weiterhin ist in der PKV stets eine Weiterversicherung in dem Basistarif möglich, so dass jedenfalls für die Zukunft ein Krankenversicherungsschutz bestehen wird.

Ich hoffe, Ihre Nachfragen zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
RA Petry-Berger

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 57042 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Meine Frage wurde in sehr kurzer Zeit sehr präzise beantwortet. Das hilft mir gewaltig bei der Entscheidung zur weiteren Verfahrensweise. Eine Nachfrage war nicht nötig und ich fühle mich durch die Antwort wirklich sehr gut ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Die Antwort von Herrn Raab hat mir sehr geholfen! Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis! Ich hatte den Eindruck, eine sehr persönliche Beratung zu bekommen! Danke vielmals! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Der Anwalt hat den Sachstand richtig verstand und hat dementsprechend geantwortet und Argumentiert ...
FRAGESTELLER