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Reisemangel Hotelüberbucht


03.09.2017 14:51 |
Preis: 40,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Folgender Fall:
Ich war mit meinen Eltern und meine Freundin auf einer knapp 3-wöchigen PKW Rundreise durch Skandinavien. Der Verlauf der Reise wurde durch uns geplant und die weitere Buchung von Fähren und Hotel wurden an ein Reisebüro=Veranstalter übergeben. Das Reisebüro=Veranstalter hat uns somit ein Gesamtpaket mit allen Hotels und den Fähren berechnet.

An unserem letzten Tag waren wir auf dem Rückweg aus Schweden zurück nach Dänemark (Kopenhagen) und hatten noch einmal eine Übernachtung in Kopenhagen. Wir hatten an diesem Tag eine Strecke von ca. 500km zu fahren und planten ca. 16.30 Uhr am Hotel zu sein um noch einmal einen Stadtbummel zu unternehmen. Als wir so gegen 16.30 Uhr am Hotel eintrafen, wurde uns mitgeteilt dass, das Hotel überbucht ist und das uns 2 Zimmer in einem anderen Hotel gebucht wurden sind. Das war natürlich erst einmal ein Hammer, wir standen ja bereits im Parkhaus (direkt unter dem Hotel) und waren froh durch Kopenhagen im Berufsverkehr durch zu sein und hatten ja noch einen Plan.

Als ich das Reisebüro=Veranstalter anrufen wollte, sah ich das ich bereits 3 Anrufe vom Reisebüro auf dem Handy hatte (da wir gefahren sind und im Urlaub sind, schaut man nicht immer gleich aufs Handy). Der erste Anruf war um 15:48 Uhr, sprich wir waren da ja schon auf dem Weg bzw. kurz vor Kopenhagen.
Nach Rücksprache mit dem Reisebüro wurde uns das neue Hotel genannt welches ca. 1,8km entfernt war, hört sich erst einmal nicht viel an, aber in einer Großstadt ist das schon ein Stück. Zumal wir abends noch ins Tivoli wollten welches im Prinzip direkt neben dem überbuchten Hotel liegt. Uns wurde auch bestätigt das die Parkplatzkosten übernommen werden (auch im überbuchten Hotel wurde uns dieses so mitgeteilt).

Beim neuen Hotel angekommen stellt sich heraus das es im Prinzip direkt an der Fußgängerzone liegt (hätten wir so nie gebucht) und das direkt vor der Tür eine Baustelle war/ist was uns das Einfahren mit dem PKW (Mini-Van Opel Vivaro) doch erschwerte (ansonsten kein Lärm oder ähnliches).
Die Zimmer waren gebucht, aber vom bezahlten Parkplatz wollte keiner etwas wissen, ich hatte auch echt keine Lust mehr zu diskutieren.
Des Weiteren befand sich der Parkplatz des Hotels ca. 500m fußläufig entfernt und es konnte keiner genau sagen ob der Mini-Van von der Höhe her dort herein passt. Somit entschieden wir uns im näheren Umfeld um das Hotel einen außen Parkplatz zu suchen, welchen wir dann auch fanden und auch selbst bezahlt haben. Der Tag war natürlich gelaufen gegen 18.00 Uhr waren wir dann soweit durch das wir im Zimmer blieben.
Das neue Hotel war mindestens gleichwertig bzw. sogar besser (das nur am Rande)

Jetzt meine Fragen dazu:
1. Meiner Meinung nach liegt hier ein Reisemangel vor (andere Unterkunft als gebucht), wenn dem so ist, welcher Paragraf findet hier Anwendung? In der Frankfurter Tabelle ist von 10-25% Reisepreis Minderung die Rede.

2. Die prozentuelle Minderung z.B.: 10% bezieht sich diese auf den Gesamtpreis der Reise (1545€), oder auf den Übernachtungspreis pro Nacht in dem überbuchten Hotel? Da es ja im Prinzip keine Pauschalreise war, sondern ja aus einzelnen Hotels + Fähre bestand.

3. In den AGB’s des Veranstalters ist folgender Abschnitt zu finden: „Sollte die Reiseleistung nicht oder nicht vertragsgemäß erbracht werden, kann der Reisende Abhilfe verlangen. Die Beanstandungen sind unverzüglich und unmittelbar bei der örtlichen Reiseleitung oder per Telefon, Fax, Email bei dem Reiseveranstalter vorzutragen. Der Reiseveranstalter wird unverzüglich alles unternehmen, die Leistungsstörung zu beheben. Der Reisende kann nach Rückkehr von der Reise eine Herabsetzung des Reisepreises verlangen, falls Leistungen nicht vertragsgemäß erbracht worden sind und er es nicht schuldhaft unterlassen hat, den Mangel anzuzeigen." Kann ich mich im genannten Fall darauf beziehen?

4. Wäre zusätzlich auch eine Schadensersatzforderung möglich, im Sinne der nutzlos aufgebrachten Urlaubszeit?

Vielen Dank.



03.09.2017 | 16:00

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte die von Ihnen gestellte Frage auf Grundlage der gemachten Angaben. Bitte beachten Sie, dass schon geringe Änderungen des Sachverhaltes zu einer anderen rechtlichen Bewertung führen können.

"1. Meiner Meinung nach liegt hier ein Reisemangel vor (andere Unterkunft als gebucht), wenn dem so ist, welcher Paragraf findet hier Anwendung? In der Frankfurter Tabelle ist von 10-25% Reisepreis Minderung die Rede."

Die Frankfurter (oder auch die Kemptener Tabelle) stellen keine Rechtsgrundlage dar, sondern haben lediglich die bereits bestehenden Urteile zu der genannten Problematik gebündelt und zusammengefasst. Nach § 651 c BGB liegt in Ihrem Fall ein Reisemangel vor. Die Minderung sollte hier maßvoll gehalten werden, da sie ja in einer vergleichbaren Unterbringung waren. Ich empfehle hier 15 % des Preises zu fordern.

"2. Die prozentuelle Minderung z.B.: 10% bezieht sich diese auf den Gesamtpreis der Reise (1545€), oder auf den Übernachtungspreis pro Nacht in dem überbuchten Hotel? Da es ja im Prinzip keine Pauschalreise war, sondern ja aus einzelnen Hotels + Fähre bestand."

Die Minderung bezieht sich hier auf den Mangel. In Ihrem Fall ist Vorsicht geboten. Zwar haben Sie die Orte vorgegeben aber alle Hotels und Fähren wurden vom Reisveranstalter gebucht. Auch wenn es sich nicht um eine Pauschalreis handelt (Flug, Unterbringung, Programm) liegen hier die wesentlichen Eigenschaften vor. Ich gehe davon aus, dass Ihnen keine individuellen Preise vorliegen. Daher empfehle ich, die Reise als Pauschalreise zu behandeln und 15 % des Gesamtpreises zu fordern. Sollte Ihr Vertragspartner darauf nicht eingehen können Sie immer noch geringere Ansprüche geltend machen. (Oder ganz anders gesagt: Der Aufwand lohnt sich nicht wenn Sie den Reisepreis durch die Anzahl der Tage teilen und dann von einem Tag 15 % fordern.)

3. Die genannte Standardklausel betrifft Mängel vor Ort, die der Reiseleiter auch vor Ort beheben kann. Es geht hier darum, dass Sie nicht nach 2 Wochen Urlaub Beschwerde einreichen weil in Ihrem Zimmer kein Fernseher stand und Sie nun Ersatz wollen obwohl es vor Ort ein leichtes gewesen wäre dem Abhilfe zu schaffen. Der Reiseleiter wusste von dem Mangel, schließlich hat er versucht sie zu erreichen. Es spricht also nichts dagegen sich auf den Abschnitt aus den ABG´s zu berufen. Ich empfehle allerdings sich hier "ganz dumm zu stellen". Berufen Sie sich, wie es formal richtig wäre, auf § 651 d BGB so verweist dieser auf § 638 Abs. III BGB. Hier heißt es "Dauer des Mangels", berufen Sie sich also hierauf kommen wir zur oben bereits erörterten Problematik der nur sehr geringen Minderung.

"4. Wäre zusätzlich auch eine Schadensersatzforderung möglich, im Sinne der nutzlos aufgebrachten Urlaubszeit?"

Dies ist möglich. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem Preis der Reise und der verlorenen Urlaubszeit (in Ihrem Fall also ein halber Tag).

Fazit: Ich empfehle Ihnen ein Schreiben an den Reiseleiter in dem Sie freundlich aber bestimmt auf Ihre Unzufriedenheit hinweisen. Schildern Sie den Sachverhalt knapp (ohne Erwähnung, dass das andere Hotel mindestens gleichwertig war), unterstreichen Sie dabei Ihre große Enttäuschung weil Sie sich Kopenhagen als Höhepunkt der Reise nicht mehr ansehen konnten. Verlangen Sie zum Abschluss eine angemessene Kompensation mindestens aber einen Betrag von X. (Ich empfehle in Ihrem Fall etwas über 15 % also 250,- €.)
Zur Erläuterung: Ihre rechtliche Position ist nicht wirklich gut. Selbst wenn eine Pauschalreise vorliegt sind die MInderungsbeträge hier nur gering. Wenn Sie dem Reiseunternehmen das Gefühl geben, Sie als Kunde halten zu können, wird sich dieses kulanter zeigen als wenn Sie direkt mit juristischer Keule drohen.
Wenn Sie Ihre Forderung beziffern, verlieren Sie auch keine Ansprüche sollte das Unternehmen nicht reagieren. Dann können Sie überlegen doch noch einen juristischen Brief aufzusetzen oder gar zu einem Anwalt zu gehen.
Ihre Forderung müssen Sie binnen einen Monats nach Rückkehr geltend machen.

Ich hoffe, Ihre Frage umfassend beantwortet zu haben. Sollte dies nicht der Fall sein nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfrageoption.

Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt


Nachfrage vom Fragesteller 03.09.2017 | 17:43

Vielen Dank für die schnelle Antwort, ich sehe es im Prinzip ähnlich und werde so agieren wie vorgeschlagen.

Kurz noch einmal zu Frage 2:
Individuelle Preise liegen mir nicht vor, ich hatte mich aber etwas falsch beim Reisepreis ausgedrückt 1545€ bezog sich auf pro Person, macht bei 4 Personen also insgesamt 6180€ was bei 15% Minderung 927€ ergeben würde.

Diese Summe erachte ich persönlich als zu hoch und wird, denke ich, den Reiseveranstalter zu sehr unter Druck setzen.
Würden Sie empfehlen auf eine Pauschale von 150€ pro Person hinzuwirken mit kurzer Erläuterung der Probleme und der Unzufriedenheit. Des weiteren werde ich mich auf § 651 c BGB und § 651 d BGB berufen.

Letzte Frage noch, in welcher Form ist es rein rechtlich am günstigsten dieses Schreiben zu verschicken? Fax, Brief (Einschreiben), Email?
Vielen Dank.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.09.2017 | 17:57

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage. Ich war schon in Zweifel ob ich meine Urlaube an falscher Stelle buche und viel zu viel bezahle.

Im Prinzip ändert sich aber nichts an der vorangegangen Antwort: Wenn Sie 20 Tage im Urlaub waren und ein Tag war mangelbehaftet und Sie wollen von diesem Tag 15 % ersetzt erhalten fordern Sie 46 €. (6180€:20*15%). Das wäre der Fall wenn Sie Ersatz für die vom "Mangel behaftete Zeit" fordern.
150 € erscheint mir als vernünftige Verhandlungsgrundlage um die Reaktion des Gegners abzuwarten.

Im Grunde genommen gibt es keine besondere Erfordernis an das Schreiben. Beim Fax haben Sie den großen Vorteil der Zugangsbestätigung. Achten Sie dann nur darauf, dass auf Seite Eins eine Gesamtzahl der Seiten zu erkennen ist. (Manchmal kommt nur die erste Seite durch und dann kann der Gegner sich darauf berufen die wesentlichen Argumente nicht erhalten zu haben).

Mit freundlichen Grüßen

Krueckemeyer
Rechtsanwalt

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