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Rückgriffsanspruch des Ebay-Käufers bezüglich Abmahnung Waldorf-Rechtsanwälte


| 14.02.2010 01:04 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von




Ich habe seit ca. 8 Jahren ein Nebengewerbe angemeldet und verkaufe auf Flohmärkten und Plattenbörsen CD's, LP's, DVD's
und Bücher. Umsatz ca. 15.000,-- Euro pro Jahr.

CD's, LP's und DVD's kaufe ich größtenteils als Sammlungen im Internet ein.

Ein oder zweimal im Jahr verkaufe ich die Teile, mit denen ich nichts anfangen kann, weil ich sie zu häufig habe, der Zustand zu schlecht
ist etc. über Ebay als Paket.

In diesem speziellen Fall habe ich hier 152 Rock- und Pop-CD's
als Sammlung über Ebay verkauft. Habe in der Auktion die enthaltenen Interpreten angegeben. Die Auktion ist bei Ebay
auch nicht beanstandet worden.

Der Käufer hat nun seinerseits die von mir erworbenen CD's einzeln bei Ebay eingesetzt.

Leider waren hierbei auch 2 CD's dabei, für die er Abmahnungen durch die Rechtsanwälte Waldorf für die Rechteinhaber EMI Music Germany und Universal Music GmbH bekommen hat.

Mir war beim Verkauf der CD's ebenfalls nicht bekannt, daß die Verbreitung dieser Tonaufnahmen von Depeche Mode und Bryan Adams illegal gewesen ist.

Der Käufer meiner CD's hat nun einen Anwalt eingeschaltet.
Er hat an die Waldorf-Rechtsanwälte eine Unterlassungserklärung
geschickt.

Die Waldorf-Rechtsanwälte haben ihm eine Rechnung über Rechtsverfolgungskosten in Höhe von Euro 651,80 (für EMI Music) zugeschickt, aufgrund des besonderen Falles sich aber bereit erklärt die Angelegenheit gegen eine Zahlung von 550,-- Euro einzustellen.

Hieraufhin habe ich von seinem Rechtsanwalt ein Schreiben bekommen, in dem ich darauf hingewiesen werde, daß

"Im Innenverhältnis steht unserem Auftragnehmer ein Rückgriffsanspruch gegen Sie zu.

Es gibt nur folgende Alternativen:

Entweder Sie erklären bis zum 23.02.2010 ob wir dem vorgeschlagenen Vergleich zustimmen sollen, und, dass Sie unserem Mandanten von den entstandenen Kosten freistellen werden oder unser Mandant ist darauf angewiesen, sich von der Gegenseite verklagen zu lassen und eine sogenannte Streitverkündung an Sie auszubringen.

Letzlich werden die Kosten, die unser Mandant aufwenden muss, in jedem Fall bei Ihnen verbleiben müssen."

Noch eine Anmerkung:

Im Schreiben der Waldorf-Rechtsanwälte wird eindeutig darauf hingewiesen, daß der Verkäufer sich vor dem erneuten Verkauf über die Rechtmäßigkeit eines Angebotes Gewissheit zu verschaffen hat.


Hier jetzt meine Fragen:

1.) Kann ich in diesem Fall rechtsmäßig belangt werden und
die Kosten an mich weitergegeben werden?

Oder brauche ich mir keine Sorgen zu machen, weil nur der gemahnte Verkäufer hier die Schuld trägt.

2.) Falls es die Möglichkeit gibt, mich zu belangen,
macht es dann Sinn, mir Fotos und Kopien der Auktionen von den möglicherweise von mir verkauften CD's von Depeche Mode und Bryan Adams zuschicken zu lassen, da ich ja sonst überhaupt nicht weiß, ob diese CD's überhaupt in der von mir verkauften Sammlung enthalten waren?

Wie kann der Käufer hier nachweisen, daß die CD's aus der bei mir gekauften Sammlung stammen?

3.) Das Anwaltsschreiben bezieht sich auf EMI Music GmbH.

Kann in diesem Fall ein vergleichbares Schreiben mit ähnlicher Summe auch noch von Universal Music GmbH kommen?

Für eine Antwort bedanke ich mich schon einmal im Voraus.
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 104 weitere Antworten zum Thema:
Antwort vom
14.02.2010 | 03:22
Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt, wobei ich davon ausgehe, dass tatsächlich Tonträger von Ihnen veräußert wurden, die urheberrechtliche Ausschließlichkeitsrechte von EMI Music verletzten und Sie keinerlei Haftungsbegrenzungen- oder Ausschlüsse in dem Kaufvertrag vereinbart haben:

1.) Kann ich in diesem Fall rechtsmäßig belangt werden und die Kosten an mich weitergegeben werden?

Ja, die von Ihnen veräußerten Tonträger waren – da Sie nicht über die notwendigen Verbreitungsrechte verfügten – nicht verkehrsfähig. Diese fehlende Verkehrsfähigkeit stellt einen Rechtsmangel des Kaufgegenstandes gemäß § 435 BGB dar, weil Dritte in Bezug auf diese Sache Rechte geltend machen können – nämlich Unterlassungs-, Auskunfts- und Schadensersatzansprüche. Der Käufer kann von Ihnen nach § 437 Ziffer 3 BGB Schadensersatz verlangen.

2.) Falls es die Möglichkeit gibt, mich zu belangen, macht es dann Sinn, mir Fotos und Kopien der Auktionen von den möglicherweise von mir verkauften CD's von Depeche Mode und Bryan Adams zuschicken zu lassen, da ich ja sonst überhaupt nicht weiß, ob diese CD's überhaupt in der von mir verkauften Sammlung enthalten waren? Wie kann der Käufer hier nachweisen, daß die CD's aus der bei mir gekauften Sammlung stammen?

Der Käufer kann grundsätzlich mit allen prozessual zulässigen Beweismitteln seine Behauptungen beweisen. Vorliegend wäre vor allem an den Zeugenbeweis zu denken, etwa ein Mitarbeiter des Käufers, der die Warenlieferung ausgepackt und alsdann wieder versendet hat. Wie und ob der Beweis im Einzelfall geführt wird kann – da weder der genaue Sachverhalt, wie er sich beim Käufer vorgetragen hat noch die dort zur Verfügung stehenden Beweismittel bekannt sind – auf der Grundlage Ihrer Schilderung nicht beurteilt werden. Die bestmögliche Sicherung von allen greifbaren Unterlagen ist in jedem Fall zu empfehlen.

3.) Das Anwaltsschreiben bezieht sich auf EMI Music GmbH. Kann in diesem Fall ein vergleichbares Schreiben mit ähnlicher Summe auch noch von Universal Music GmbH kommen?

Diese Frage steht im Widerspruch zu Ihrer Sachverhaltsschilderung („Leider waren hierbei auch 2 CD's dabei, für die er Abmahnungen durch die Rechtsanwälte Waldorf für die Rechteinhaber EMI Music Germany und Universal Music GmbH bekommen hat.“) Grundsätzlich kann jeder Rechteinhaber, der durch den Vertrieb der von Ihnen veräußerten CD in seinen Rechten verletzt ist, seinen Unterlassungsanspruch geltend machen. Sofern bisher nur ein Rechteinhaber an den Verkäufer herangetreten ist kann der zweite dies jederzeit noch tun. Hier wäre zu empfehlen, dass der Käufer vorsorglich unaufgefordert eine Unterlassungsverpflichtungserklärung gegenüber dem weiteren Rechteinhaber abgibt, weil hierdurch die Kosten, die beim Rechteinhaber durch die Einschaltung von Rechtsanwälten für die Abmahnung entstehen, vermieden werden.

Aus diesem Grund sollten Sie auch selbst in Erwägung ziehen, unaufgefordert und bevor den Rechteinhabern Ihr Name bekannt wird, Unterlassungsverpflichtungserklärungen zu übersenden, weil Sie andernfalls damit rechnen müssen, dass Ihnen wegen des Vertriebs der CDs ebenfalls noch (kostenpflichtige) Abmahnungen zugehen könnten.

Es kommt nicht darauf an, ob Ihnen positiv bekannt war, dass die CD nicht hätten vertrieben werden dürfen. Für den Schadensersatzanspruch des Käufers genügt, dass Sie fahrlässig gehandelt haben. Dies ist zu bejahen, weil Sie jedenfalls die Möglichkeit gehabt hätten, die Berechtigung zum Vertrieb der Tonträger zu überprüfen.

Bitte beachten Sie, dass Ihnen wegen der entstehenden Kosten ihrerseits ein Rückgriffsanspruch gegen Ihren Verkäufer zustehen dürfte.

Ich hoffe, Ihnen hiermit eine erste Orientierung gegeben zu haben. Andernfalls nutzen Sie gerne die kostenlose Nachfragefunktion. Bitte beachten Sie, dass diese Plattform nur der Orientierung dient und eine konkrete Verhaltensempfehlung nur nach vollständiger Prüfung des gesamten Sachverhaltes im Rahmen eines Beratungsmandates erfolgen kann.

Nachfrage vom Fragesteller 14.02.2010 | 21:16

Danke für die schnelle Antwort!

Dann hätte ich noch eine Nachfrage:

Sollte ich die 550,-- Euro nicht bezahlen und es darauf ankommen lassen, daß der Käufer der CD''s verklagt wird und die Kosten an mich weiterbelastet, mit welchen Kosten hätte ich dann zu rechnen?

Angesetzter Gegenstandswert ist 10.000,-- Euro

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.02.2010 | 22:13

Sehr geehrter Fragesteller,

sofern ein Rechteinhaber Ihren Kunden aus dem Gegenstandswert von 10.000 Euro auf Unterlassung verklagt enstehen in diesem Prozess in der I. Instanz mutmaßlich Rechtsanwalts- und Gerichtskosten inkl. Umsatzsteuer in Höhe von Kosten-Risikotabelle für einen Streitwert von 10.000,00 EUR

I. Instanz:2x2,5 RA-Gebühr(en) 2.430,00 EUR
zzgl. Postpauschale 20,00 EUR
Zwischensumme 2.450,00 EUR
zzgl. 19 % MWSt. 465,50 EUR
Zwischensumme 2.915,50 EUR
zzgl. 3 Gerichtskosten 588,00 EUR
Summe 3.503,50 EUR

Dazu kommt der auf diese Kosten nicht anzurechnende Teil der Anwaltskosten für die Abmahnung in Höhe von netto 335,90 EUR.
MfG Mörger

Bewertung des Fragestellers 2010-02-14 | 22:18


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