Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
455.278
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Probleme mit gefälschten Rechnungen um 1 Cent


| 30.06.2009 13:21 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Hallo.

Wir haben einen Online Shop der brutto rechnet. Sagen wir der Kunde bestellt ein Produkt für 25.15 EUR brutto und das ist Versandkostenfrei. Der Kunde bezahlt auch den Betrag von 25.15 EUR. Der Shop kann auch so nicht umgebaut werden, der Aufwand wäre zu groß.

Unsere neue Warenwirtschaft arbeitet intern aber netto. Aus dem 25.15 EUR brutto Betrag wird also ein 21.13 EUR netto Betrag. Darauf addiert die Software nun den Steuersatz 19% und kommt auf (21.13*1.19) 25.14 EUR Brutto.

Der Rechnungsbetrag wäre somit um einen Cent falsch und der Kunde würde sich aufregen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Man nimmt in Kauf, dass die Rechnung eine Abweichung hat und das der Kunde sich aufregt. Ist dies rechtlich okay, kann das auch in Sachen Buchhaltung einwandfrei verbucht werden (Ich brauche keinen Buchungssatz, sondern mich interessiert nur ob es geht).

2. Wie schaut es wenn die Warenwirtschaft nun wie folgt rechnet:

Warenwert 21.13 EUR
+ 19% Ust: 4.01 EUR
= Endsumme: 25.15

Es wird quasi der Endbetrag um einen Cent verfälscht, damit dieser genau so ist, wie der Kunde es bezahlt hat. Die maximale Abweichung wäre quasi nur 1 cent und das würde auch nicht immer vorkommen. Wie weit sind Cent Abweichungen Steuerrechtlich problematisch. Kann es Probleme geben, wenn wir so arbeiten?


Mich interessiert zu beiden Möglichkeiten jeweils eine Abschätzung mit Problemen und Folgen. Bzw. welche der beiden Möglichkeiten Sie bevorzugen. Falls es noch eine Alternativlösung gibt, wäre dies interssant, dennoch sollte der Kommentar zu den beiden genannten Möglichkeiten nicht fehlen.

Persönlich gesehen wäre es okay, wenn man zum Jahresabschluss bei einer Prüfung z.B. 4 EUR Steuer nachzahlen muss, durch falsch ausgewiesene Rechnungen, aber ich weiß nicht wie das der Staat sieht.
30.06.2009 | 14:39

Antwort

von


92 Bewertungen
Sehr geehrter Fragesteller,

vorweg möchte ich Sie darauf hinweisen, dass diese Plattform nur dazu dienen soll, Ihnen einen ersten Eindruck der Rechtslage zu vermitteln. Die Leistungen im Rahmen einer persönlichen anwaltlichen Beratung/Vertretung können und sollen an dieser Stelle nicht ersetzt werden.

Auf Grund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes möchte ich Ihre Fragen zusammenfassend wie folgt beantworten:


Bei dem von Ihnen beschriebenen Problem handelt es sich um einen Rundungsfehler, der sichtbar wird, da Sie einmal den Bruttopreis und einmal den Nettopreis als Ausgangsgröße verwenden.

Sie versuchen mit dem Rundungsfehler nun durch zwei mögliche „Korrekturrechnungen“ in den Griff zu bekommen. Hierzu kurz wie folgt:

Variante 1: In dieser Variante gehen Sie von einem Nettopreis von 21,13 € aus. Hierauf fallen 4,0147 € Umsatzsteuer an. Kaufmännisch gerundet sind dies 4,01 €. Somit ergibt sich eine Gesamtsumme von 25,14 €. Diese weicht zugunsten des Käufers um 1 ct ab. Wenn Sie dem Käufer nun lediglich einen Betrag von 25,14 € in Rechnung stellen würden, würde dieser sich sicherlich nicht aufregen. Dies kommt lediglich dann in Frage, wenn die Abweichung 1 ct zu seinen Lasten betragen würde.

Variante 2: Bei dieser Variante verwenden Sie zwar die richtig gerundeten Werte, runden dann jedoch die Gesamtkaufpreissumme auf den vereinbarten Bruttopreis auf. Dadurch wird die dargestellte Summe unrichtig und Ihre Rechnung unschlüssig. Der Käufer könnte hier zu Recht die von Ihnen ausgestellte Rechnung beanstanden. Vertraglich hat sich der Käufer jedoch zu einer Zahlung von brutto 25,15 € verpflichtet. Diese schuldet er auch. Einem Endverbraucher wird daher die Rechnung egal sein, wenn das Rechnungsergebnis dem vereinbarten Kaufpreis entspricht. Lediglich bei vorsteuerabzugsberechtigten Personen kommt es auf die „Richtigkeit“ der Gesamtrechnung an.


Geht man nun von dem vereinbarten Bruttopreis aus, was meines Erachtens – wenn Sie diesen in Ihrem Onlineshop ausweisen – der richtige Ansatz ist, bestehen folgende drei Rechnungsmöglichkeiten:

1. Mögl. – Ohne Runden

25,15 € / 1,19 = 21,134454 € (Nettopreis)
21,134454 € * 0,19 = 4,015546 € (Umsatzsteuer)

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

21,134454 € Nettopreis
+ 4,015546 € Umsatzsteuer
= 25,15 €
Zur Berechnung der letztendlich an das Finanzamt abzuführenden Umsatzsteuer würden mehrere solche Beträge über den Anmeldezeitraum verteilt addiert werden. Eine Rundung erfolgt dann auch erst bei der Gesamtsumme, sodass lediglich am Ende ein Rundungsfehler entsteht, der dann jedoch wesentlich geringer als die Summe einzelner Rundungsfehler ist.

2. Mögl. – Runden zugunsten der Umsatzsteuer

25,15 € / 1,19 € = 21,13 € (Nettoumsatz)
25,15 € ./. 21,13 € = 4,02 € (Umsatzsteuer)

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

21,13 € Nettopreis
+ 4,02 € Umsatzsteuer
= 25,15 €

Gegen diese Rechnung kann der Käufer nichts einwenden, da er 25,15 € schuldet und diese nach Rechnung auch zahlen muss. Auch das Finanzamt wird gegen diese Rechnung nichts einwenden, da zugunsten der Umsatzsteuer gerundet wurde.

3. Mögl. – Runden zugunsten des Nettopreises

25,15 € / 1,19 € = 21,13 €
21,13 € * 0,19 = 4,01 € (Umsatzsteuer)
25,15 € ./. 4,01 € = 21,14 € (Nettoumsatz)

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

21,14 € Nettopreis
+ 4,01 € Umsatzsteuer
= 25,15 €

Gegen diese Rechnung kann wiederum der Käufer nichts einwenden, da er 25,15 € schuldet und diese nach Rechnung auch zahlen muss. Jedoch wird sich das Finanzamt ggf. gegen eine solche Rechnung verwehren, da hier zu Ungunsten der Umsatzsteuer gerundet wurde. Bei zahlreichen solchen Rechnungen innerhalb des Veranlagungszeitraumes würde dies möglicherweise sogar zu einer nicht unerheblichen Steuerersparnis führen.


Ich empfehle Ihnen daher, auf die 1. oder 2. Möglichkeit zurück zu greifen.


Ich möchte Sie an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass die vorstehende Antwort ausschließlich auf den von Ihnen gemachten Angaben beruht. Das Hinzufügen oder Weglassen von Angaben kann zu einem anderen Ergebnis führen.

Mit freundlichen Grüßen


Nachfrage vom Fragesteller 30.06.2009 | 15:02

Vielen Dank für die schnelle und intensive Antwort.

Eine kurze Rückfrage hab ich jedoch. Sie schreiben:

"Lediglich bei vorsteuerabzugsberechtigten Personen kommt es auf die „Richtigkeit“ der Gesamtrechnung an."

Nun haben Sie mir weiter unten folgende Variante vorgeschlagen:

----
2. Mögl. – Runden zugunsten der Umsatzsteuer

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

21,13 € Nettopreis
+ 4,02 € Umsatzsteuer
= 25,15 €

Gegen diese Rechnung kann der Käufer nichts einwenden, da er 25,15 € schuldet und diese nach Rechnung auch zahlen muss. Auch das Finanzamt wird gegen diese Rechnung nichts einwenden, da zugunsten der Umsatzsteuer gerundet wurde.
-----

Wenn ich nun diese Möglichkeit nehme sollte. Wäre dann eine Richtigkeit der Gesamtrechnung, wie Sie in Ihrem von mir zitierten Satz erwähen, gegeben? Ich kann das aus Ihrer Antwort nicht genau auslesen.

Vielen Dank.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.06.2009 | 15:18

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Die 2. Möglichkeit ist aus Sicht des Finanzamtes rechnerisch richtig.

Es werden 4,02 € USt abgeführt. Hierdurch ergibt sich kein Differenzbetrag zu Ungunsten des Staates.

Im Rahmen des von Ihnen angesprochenen möglichen Vorsteuerabzuges werden nun andererseits wiederum auch 4,02 € VSt berücksichtigt. Hierdurch wird das dem Umsatzsteuerrecht zugrundeliegende sogenannte Allphasennettoprinzip korrekt umgesetzt. Nach diesem Prinzip soll die Umsatzsteuer rechnerisch vollständig bis zum Entabnehmer durchgereicht werden. Dies ist hier gegeben.

Einer Verwendung dieser 2. Möglichkeit stehen daher keinerlei Bedenken entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Fietkau
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 30.06.2009 | 16:19


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Sehr ordentlich bearbeitet, ist auf alle Fragen eingegangen und hat so ausführliche Möglichkeiten zur Lösung meines Problemes genannt. Jederzeit wieder."
Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Kay Fietkau »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 30.06.2009
4,8/5.0

Sehr ordentlich bearbeitet, ist auf alle Fragen eingegangen und hat so ausführliche Möglichkeiten zur Lösung meines Problemes genannt. Jederzeit wieder.


ANTWORT VON

Leipzig

92 Bewertungen
RECHTSGEBIETE
Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Markenrecht, Wirtschaftsrecht, Insolvenzrecht