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Privatinsolvenz und Eigentumshaus


13.12.2008 01:11 |
Preis: ***,00 € |

Insolvenzrecht



Ich bin seit 12 Jahren als selbständiger Handelsvertreter tätig. In den letzten beiden Jahren bin ich finanziell abgerutscht nachdem ein Vertriebspartner auf Festangestellte Mitarbeiter umgestellt hatte und ein anderer die Zusammenarbeit wegen Gebietsveränderungen gekündigt hatte. Seit kurzen haben zwei weiter Vertriebspartner Insolvenz angemeldet.
Leider weis ich im Augenblick nicht weiter und trage mich mit dem Gedanken selbst eine Privatinsolvenz zu beantragen.

Meine Fragen:

1.Kann ich als selbständiger Unternehmer eine Privatinsolvenz in Anspruch nehmen oder ist in meinem Fall eine „Firmeninsolvenz“ maßgebend? Was ist von einer „Turbo“ Insolvenz nach englischem Recht zu halten? (Dauer 12 Monate)

2. (wir haben 3 Kinder (1,7,13Jahre) die ich natürlich nicht einer Gefahr aussetzen und sie auch ungern aus ihrer gewohnten Umgebung herausreißen möchte)
Was passiert mit unserm noch nicht abbezahlten Einfamilien Haus? Ist eine Einigung mit der Bank möglich und realistisch?

3.Wie Viel Zeit bleibt uns wenn wir das Haus aufgeben müssten?

4.Welche Möglichkeit hätte ich noch?
Sehr geehrter Ratsuchender,

für ihre Anfrage möchte ich Ihnen danken und diese unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes summarisch wie folgt beantworten:

1.
Nach deutschem Recht gibt es zwei Arten von Insolvenzen: die Regelinsolvenz und die Verbraucherinsolvenz. Unter die Regelinsolvenz fallen hauptsächlich Unternehmen, Selbständige und ehemalige Selbständige mit Außenständen aus Arbeitsverhältnissen (Lohn, Lohnsteuer etc.) oder mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen (mehr als 20 Gläubigern).

Da Sie derzeit selbständig sind, dürfte in Ihrem Fall die Regelinsolvenz einschlägig sein. Diese hat gegenüber dem Verbraucherinsolvenzverfahren den Vorteil, dass Sie nicht vorab eine zeit- und kostenintensive außergerichtliche Schuldenbereinigung durchführen müssen. Zudem ist der notwendige Antrag deutlich einfacher auszufüllen. Nachteil sind alleine die Kosten, da das Regelinsolvenzverfahren in der Betreuung durch den Insolvenzverwalter zumeist aufwendiger ist und daher der Insolvenzverwalter zumeist besser vergütet wird.

Bei beiden Verfahren haben Sie als natürliche Person die Möglichkeit einen Antrag auf Restschuldbefreiung zu stellen. Dieses hat den Vorteil, dass Sie nach Ablauf von sechs Jahren nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens nach derzeitiger Rechtslage Ihre gesamten Schulden verlieren, wenn Sie Ihren Obliegenheiten gem. § 295 InsO erfüllen.

Zum Abschluss noch eine Worte zu der Insolvenz in England. Diese kommt für Sie nur in Frage, wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz in England haben. Aus diesem Grund halte ich persönlich insbesondere bei Familien nicht viel von einem ausländischen Insolvenzverfahren. Da die Grundsätze des Insolvenzverfahrens auf europäischer Ebene geregelt sind, sind die Verfahren im Grundsatz aber durchaus vergleichbar. Bei einem wirklichen Interesse an einem Verfahren in England, empfehle ich die Kontaktierung eines englischen Rechtsanwaltes.

2.
Grundsätzlich fällte auch Ihr Haus mit dem Teil in die Insolvenz, der Ihnen gehört. Da Sie im Insolvenzverfahren keinem Insolvenzgläubiger einen Sondervorteil verschaffen dürfen, dürfen Sie ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens keine Raten mehr auf das Haus zahlen. Dieses hat zumeist die Folge, dass die Bank den Kredit kündigt und das Haus als Sicherheit des Kredites zu verwerten versucht.

Eine Einigung mit der Bank sehe ich nur für realistisch an, wenn jemand anderes den Kredit für Sie bedient. Da dieses in den meisten Fällen ausscheidet, dürfte Ihr Haus nicht zu halten sein.

3.
Da zur Verwertung des Hauses durch die Bank nur ein freihändiger Verkauf mit Ihrer Zustimmung oder eine gerichtliche Zwangsversteigerung in Betracht kommt und das gerichtliche Zwangsversteigerungsverfahren nach meiner Erfahrung zumeist aber sehr lange dauert, haben Sie im Normalfall Zeit genug haben (mehr als ein Jahr), sich eine entsprechende Mietwohnung / Miethaus zu suchen.

4.
Außer in einer außergerichtlichen Einigung mit Ihren Gläubigern sehe ich keine Chance, dass Sie Ihre Vermögensverhältnisse auf Dauer ohne Insolvenzverfahren regeln. Ich gehe aufgrund Ihrer Schilderung jedoch davon aus, dass Sie in absehbarer Zeit Ihre Schulden nicht allein mit Ihrem Einkommen begleichen können.

Die Chance auf eine außergerichtliche Einigung ist zumeist nur gegeben, wenn Sie mit einem Barbetrag aus dritter Hand den Gläubigern anbieten können, 30 bis 50% Ihrer Schulden bei Ihnen sofort zu begleichen. Erst in diesem Fall sind viele Gläubiger bereit, Ihnen die restlichen Schulden zu erlassen.

Zum Abschluss weise ich Sie daraufhin, dass Sie im Gegensatz zu juristischen Personen als natürliche Person nicht verpflichtet sind, überhaupt einen eigenen Insolvenzantrag zu stellen. Da Fremdanträge aufgrund der Pflicht zur Kostenübernahme bei Nichtzahlung der Gebühren durch den Schuldner nach meiner Erfahrung in der Praxis nur durch Krankenkassen und Finanzämter überhaupt erfolgen, ist bei fehlenden Schulden bei diesen nicht damit zurechnen, dass Sie in ein Insolvenzverfahren gezwungen werden.

Ich hoffe, Ihnen mit der Beantwortung der Frage weitergeholfen zu haben und wünsche Ihnen für die Klärung der Angelegenheit viel Glück.

Gern können Sie die Nachfragefunktion nutzen.

Abschließend weise ich daraufhin, dass das Weglassen oder Hinzufügen von Details die rechtliche Beurteilung der Angelegenheit verändern kann.

Mit freundlichen Grüßen


Christoph Lattreuter
- Rechtsanwalt -
www.ra-lattreuter.de


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