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Pflichtteil-Girokonto


04.05.2006 08:50 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht



Mein Vater hat nach der Scheidung meiner Eltern 1996 erneut geheiratet. Diese Ehe war eine reine Zweckehe, hat er mir gegenüber mal in einem Gespräch geäußert, weil er Angst vor der Einweisung in ein Pflegeheim hatte. 2003 ist er verstorben. Das zur Vorgeschichte.
Kurz nach der Ehe, also 1996, hat er ein Testament erstellt, mit dem er mich von einem Erbe ausschloss.
Zwischenzeitlich habe ich einen Pflichtteil erstritten und erhalten.
Da mein Vater mehrere Jahre vor seinem Tode bettlägerig war, hat seine Ehefrau alle Bankgeschäfte für ihn erledigt.
Zur Testtamentseröffnung wurden zwei Konten dargelegt. Ein Postsparbuch mit einem geringen Betrag und ein Postgirokonto mit einem ebenfalls geringen Betrag.
Nach Offenlegung der Kontobewegungen war der Betrag auf dem Postsparbuch gleichbleibend, also geringe Bewegungen und nachvollziehbar.
Von dem Postgirokonto, auf welches monatlich eine Rente von ca. 1500 € einging hat die Ehefrau mir, nach Anraten Ihres Anwalts, nur den Endstand zum Todestag genannt, zu weiteren Auskünften war sie angeblich nicht verpflichtet.
Ich bin der Meinung, dass das Konto systematisch in den letzten Tagen bis zum Tod meines Vaters, abgeräumt wurde.
Habe ich hier irgend eine Möglichkeit, den Kontostand während seiner Krankheit zu erfahren? Mein Vater war mehrere Tage vor seinem Tode bis zu Einweisung in ein Krankenhaus nicht mehr in der Lage Entscheidungen zu treffen. Allerdings bin ich hier in der Beweisnot, was auch schwer fallen würde, die Fakten zu beweisen.
Würden die Beträge von dem Girokonto in den Pflichtteil einfließen oder besteht nicht die Möglichkeit der Anrechnung.
Mfg blaupunkt_de
Guten Morgen,

wenn tatsächlich, wie von Ihnen vermutet, von dem Konto ohne Vollmacht Ihres Vaters Beträge abgehoben wurden, würde der Erstattungsanspruch in den Nachlaß fallen und damit auch beim Pflichtteil berücksichtigt werden. Das gleiche würde dann auch gelten, wenn Ihr Vater etwa seiner Ehefrau die Beträge als Schenkung übertragen hätte.

Problematisch dabei ist, daß Sie als Nichterbe nur wenig Möglichkeiten haben, die tatsächlichen Kontobewegungen zu erfahren. Sie haben einen entsprechenden Auskunftsanspruch gegenüber der Erbin, der aber ggf. gerichtlich geltend gemacht werden müßte. Für die Tatsache, daß unberechtigte Abhebungen vorliegen, sind Sie allerdings beweispflichtig.

Denken Sie bitte daran, daß etwaige Ansprüche binnen drei Jahren ab dem Zeitpunkt verjähren, an dem Sie Kenntnis von dem Testament haben. Die Angelegenheit eilt also möglicherweise.

Ich hoffe, ich habe Ihnen zunächst weitergeholfen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß
Rechtsanwalt und auch Fachanwalt für Arbeitsrecht
Esenser Straße 19
26603 Aurich
Tel. 04941 60 53 47
Fax 04941 60 53 48
e-mail: info@fachanwalt-aurich.de
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