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Anfängerpony nicht für Anfänger geeignet. Rücktritt vom Kauf?


01.03.2012 13:19 |
Preis: ***,00 € |

Tierrecht, Tierkaufrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt LL.M. Christian Mauritz


| in unter 2 Stunden

Hallo,
ich habe mir am 6.2.2012 ein Anfängerpony gekauft,das absolut sicher und zuverlässig und von jedem Anfänger zu reiten sein soll.
Der Kaufpreis betrug 2300€. Die Vorbesitzerin gab an ,das sie das Pony nur nicht mehr halten würde, weil sie wenig Zeit habe und sie wegen eines Unfalls zur Zeit eh nicht reiten könne.
Ich habe das Pony gesehen und konnte lediglich mit ihm ein Stück die Strasse entlang gehen, da der Boden zu gefroren war, um Reiten zu können oder auch nur longieren zu können.Ich habe mich also quasi auf ihr Wort verlassen und glaubte ihr das dieses Pony absolut Anfängertauglich ist und sehr ruhig wäre. Sie selbst sei Anfängerin gewesen und dazu noch ängstliche Reiterin und dieses Pony durften auch ihre Kinder reiten und alleine führen und mit ihm umgehen.
Soweit so gut, ich hab das Pony abgeholt, es liess sich schon nicht sofort verladen (wie eigentlich angekündigt).Wir haben einen Standartvertrag aus dem Netz unterschrieben. darin steht die genaue Beschreibung des Pferdes, der Name der Verkäuferin (keine Anschrift) und das das Pferd bei der Vorbesitzerin nie krank gewesen sein.
Gewährsmängelfrist 3 Monate und Ausschluss jeglicher Haftung für eine bestimmte Eigenschaft des Pferdes (z.B. Geländesicher, Schmiedefromm usw.). Also nichts konkretes, sondern genau in diesem Wortlaut.
Nun ist es aber so das dieses Pferd nicht Anfängertauglich ist und schon garnicht Kindertauglich. Die Verkäuferin wusste das ich ein Pony für meine Tochter suche und für mich. Sie wußte das meine Tochter 7 Jahre alt ist und einen schlimmen Reitunfall hinter sich hat. Jaaa, da wäre dieses Pony genau das richtige, um Ängste abzubauen, sagte sie (meine Mutter stand dabei).
Ich habe in diesen 4 Wochen ganze 2x persönlich auf diesem Pony gesessen und konnte es nicht halten. Es buckelte und rannte los. Auch am Boden versucht es immer wieder einfach mal wieder loszurennen (da darf kein Kind dran). In meiner Not habe ich eine Bereiterin beauftragt, sich diesem Tier anzunehmen. Diese konnte genau zweimal reiten, da fiel auf das das Tier hinten links Lahm ist. Auch ich konnte schon taktunreinheiten beim Reiten bemerken, dachte aber, das gibt sich gleich, der ist halt schlecht geritten, sehr verspannt oder dergleichen. Und so war es auch, das Pony zeigt die Lahmheit nicht durchgängig.
Meine Bereiterin sagte, sie könne es nicht reiten, da es dem Tier nur noch schlechter gehen würde und aus ihrer Erfahrung heraus nimmt sie an, das dies keine neue Erkrankung sei, sondern eher ein Verschleiß.
All diese Dinge habe ich der Vorbesitzerin immer wieder mitgeteilt, habe um tipps gebeten für den richtigen Umgang, gefragt warum es bei mir nicht so artig ist. Es kam immer nur dieselbe Antwort:" Bei mir war der nicht so!Kann sie sich nicht erklären." Krank sei er nie gewesen und Lahmheiten sind auch nicht aufgefallen, aber sie hat ihn ja seit dem Herbst nicht geritten.
Leider habe ich keine Ankaufsuntersuchung gemacht vor 4 Wochen, habe aber jetzt am Montag einen Tierarzt bestellt der die grosse AKU durchführen wird.Im Kaufvertrag ist eine AKu nicht erwähnt.
Wie stehen meine Chancen das Tier zurück zu geben? Der Vertrag ist ja von Privat zu Privat und ich nehme an, dadurch das im Vertrag steht sie haftet nicht für Eigenschaften des Pferdes, wäre das Verhalten schon mal kein Grund.
Ich war zudem ja auch gewillt nochmals Geld zu investieren für einen Beritt, allerdings wenn das Tier krank ist, kann dieser nicht stattfinden.
Sollte sich herausstellen das das lahmen schon bekannt gewesen sein müsste, oder aufgefallen sein müsste z. B. durch eine langwierigen Krankheitsprozess (z. B. Arthrose,KissingSpines etc.), müsste Sie das Pferd gegen volle Rückerstattung des Kaufpreises doch zurück nehmen, oder?
So langsam habe ich nämlich den Kaffee auf von den ewigen Investionen und große Sorge das es vielleicht eine Chronische Erkrankung ist, die zwangsläufig zur Unreitbarkeit führen würde.
Wie sehen meine Chancen aus?
Die Vorbesitzerin äußert sich garnicht mehr dazu, als ihr klar wurde das sie das Pony bitte zurück nehmen soll, wenn es krank ist.
Ich hoffe auf eine leicht verständliche Antwort ;-)
Vielen dank!
MfG N. Betke
Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 18 weitere Antworten zum Thema:
01.03.2012 | 14:01

Antwort

von

Rechtsanwalt LL.M. Christian Mauritz
248 Bewertungen
Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Frage möchte ich anhand der von Ihnen mitgeteilten Informationen wie folgt beantworten:

Auch im Bereich des Tierkaufs gilt, dass der Verkäufer eines Tieres für arglistig verschwiegene Mängel haftet, selbst wenn er seine Gewährleistungspflichten ausgeschlossen hat (was bei einem Verkauf von Verbraucher an Verbraucher möglich ist). Sollte die Ankaufsuntersuchung daher ergeben, dass das Lahmen auf eine Krankheitsgeschichte zurückzuführen ist, die aufgrund ihres Verlaufs und ihrer äußeren Anzeichen der Verkäuferin bekannt gewesen sein muss, so stehen Ihnen trotz des Ausschlusses die üblichen Gewährleistungsrechte zu. In erster Linie wäre dies das Recht auf Nacherfüllung. Ein neues Pferd können Sie dann zwar nicht verlangen, weil das konkret verkaufte Pferd eben nur einmal existiert. Möglicherweise kommt aber eine "Nachbesserung" dergestalt in Betracht, dass das Pferd auf Kosten der Verkäuferin auskuriert wird. Kommt dies nicht in Betracht, weil sich das Lahmen eben nicht auskurieren lässt, so können Sie den Rücktritt vom Kaufvertrag erklären und den Kaufpreis zurückfordern.

Neben dem Lahmen können Sie das Rücktrittsrecht aber auch darauf stützen, dass es sich bei dem Pferd offenbar eben nicht um ein Anfänger- und Kindertaugliches Pferd handelt. Sollten die beschriebenen Unverträglichkeiten nicht auch auf das Lahmen zurückzuführen sein und damit gegebenenfalls behebbar sein, sondern im Wesen des Pferdes begründet liegen, so würde eine zugesicherte Eigenschaft fehlen. Zwar hat die Verkäuferin auch insoweit eine Haftung für zugesicherte Eigenschaften auszuschließen versucht, mündlich hat sie Ihnen jedoch zugesichert, dass das Pferd absolut Anfänger- und Kindertauglich sei. Um diese Zusicherung im Streitfall vor Gericht zu beweisen, steht Ihnen Ihre Mutter als Zeugin zur Verfügung.

Wenn also die Ankaufsuntersuchung zum Ergebnis hat, dass ein arglistigen Verschweigen der Verkäuferin anzunehmen ist, sollten Sie der Verkäuferin eine Frist zur Rücknahme des Pferdes und Erstattung des Kaufpreises mit den eben dargelegten Argumenten setzen. Verweigert die Verkäuferin die Rücknahme, wäre die Inanspruchnahme anwaltlicher Hilfe sicherlich anzuraten, wobei die anwaltlichen Kosten als Teil des Ihnen aufgrund der Pflichtverletzung der Verkäuferin entstandenen Schadens ersetzt verlangt werden könnten.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen hilfreichen ersten Überblick verschaffen. Bei Unklarheiten nutzen Sie bitte die kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Mauritz, LL.M.
Rechtsanwalt


ANTWORT VON
Rechtsanwalt LL.M. Christian Mauritz
Düsseldorf

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